China zeigt erstmals seine Xi’an H-6N mit einer mutmaßlich nuklearfähigen ballistischen Rakete. Anfang August veröffentlichte Peking Aufnahmen des strategischen Bombers mit einer JL-1, begleitet von zwei Chengdu J-20. Die H-6N selbst ist nicht neu: China präsentierte sie bereits 2019 öffentlich, nach Angaben des Pentagon wurde sie 2020 bei der chinesischen Luftwaffe eingeführt. Neu ist der jetzt gezeigte Verbund aus Bomber, Langstreckenrakete und Begleitjägern.
Die H-6N soll die luftgestützte Säule der chinesischen nuklearen Abschreckung bilden. Sie ergänzt damit landgestützte Interkontinentalraketen und ballistische Raketen auf Atom-U-Booten. Für diese Aufgabe wurde die Maschine umfassend verändert. Sie kann große Waffen außen unter dem Rumpf tragen und besitzt an der Nase eine Sonde zur Luftbetankung.
H-6N hat eine Schwäche gegenüber den strategischen Langstreckenbombern
Denn genau dort liegt eine Schwäche gegenüber den strategischen Langstreckenbombern der USA und Russlands. Die Boeing B-52H der US Air Force erreicht rund 14.200 Kilometer und kann bis zu etwa 31,5 Tonnen Waffen tragen. Auch die russische Tupolev Tu-95MS ist auf große Reichweiten ausgelegt. Die drei Bomber verbindet zwar ihre Rolle als fliegende Plattform für weitreichende Waffen. Bei Größe, Reichweite und Nutzlast liegen jedoch deutliche Unterschiede zwischen ihnen.
Für die H-6N gehen US-Schätzungen von einer Einsatzreichweite von vermutlich rund 3000 Kilometern aus. Luftbetankung soll diesen Wert auf bis zu 6500 Kilometer steigern können. Peking versucht also nicht allein über die Reichweite des Bombers mit den amerikanischen und russischen Mustern gleichzuziehen. Entscheidend ist vielmehr die Kombination mit Tankflugzeugen und Waffen, die aus großer Entfernung gestartet werden können.
Seltener Einblick
Wie dieses Konzept aussehen soll, demonstrierte China bereits bei der Militärparade 2025. Dort waren H-6N gemeinsam mit Y-20U-Tankflugzeugen zu sehen. Die jetzt veröffentlichten Aufnahmen ergänzen das Bild um die JL-1. Sie zeigen die H-6N während eines Manövers zur Bekämpfung von Überwasserschiffen mit der luftgestützten ballistischen Rakete. Die South China Morning Post sprach von einem seltenen Einblick in Chinas luftgestützte Fähigkeiten für einen nuklearen Angriff.
Damit wird deutlicher, welche Rolle Peking für die H-6N vorsieht. Sie muss nicht die Reichweite einer B-52 erreichen, wenn sie in der Luft neuen Treibstoff bekommt und ihre Waffe bereits weit vor dem eigentlichen Ziel starten kann. Das US-Verteidigungsministerium zählt die H-6N entsprechend zur luftgestützten Komponente der chinesischen Nuklearstreitmacht. Bomber, Tanker und Langstreckenrakete bilden dabei das entscheidende Trio.