So sieht sie aus: die neue Business Class auf der Langstrecke von Singapore Airlines.

Für Airbus A350 und Boeing 777-9Singapore Airlines stellt ihre neue Langstreckenkabine vor - und verabschiedet sich vom Klappsitz

Teilweise wird sie in Airbus A350-900 und A350-900 ULR nachgerüstet, ganz kommt sie später in der Boeing 777-9 zum Einsatz: die neue Langstreckenkabine von Singapore Airlines. Wir zeigen, was das neu vorgestellte Produkt ausmacht.

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Die Fluggesellschaft aus Singapur präsentiert ihre neue Langstreckenkabine. Ab der zweiten Jahreshälfte 2027 führt Singapore Airlines sie schrittweise in 41 umgerüsteten Airbus A350-900 und A350-900 ULR ein sowie in Zukunft ihren neuen Boeing 777-9.

Für einen besonders komfortablen Flug geben viele Menschen gerne etwas mehr Geld aus. Selbst dann, wenn sie sich anderswo keinen großen Luxus leisten. Das merkt auch Singapore Airlines. Während Firmen bei Geschäftsreisen stärker sparen, gönnen sich immer mehr Privatreisende einen Platz in der Business Class.

«Die Klientel unserer Business Class hat sich verändert», sagte Verkaufschef Lee Lik Hsin am 5. November bei der Vorstellung der neuen Kabinen. Immer häufiger seien es jüngere, wohlhabende Paare, die in den Urlaub oder zu ihren Familien reisen. Selbst Studierende auf dem Weg ins Ausland sitzen inzwischen teilweise in der Business Class. «Was ich mir damals nicht hätte leisten können», bemerkte Lee.

Premium Economy als Kompromiss zwischen Komfort und Preis

Für viele Reisende ist allerdings die Premium Economy der beste Kompromiss zwischen Komfort und Preis. Laut Singapore-Airlines-Sprecher Peter Tomasch werden entsprechende Upgrades immer häufiger spontan über die App gebucht. Singapore Airlines reagiert mit einer umfassenden Erneuerung ihrer Kabinen. Mehr Privatsphäre, bequemere Sitze und bessere Unterhaltung stehen im Mittelpunkt.

Allerdings profitieren nicht alle Passagiere gleichermaßen. Die 34 Airbus A350-900 ULR für die Langstrecke bekommen eine neue Business Class. In den sieben A350-900 für besonders lange Strecken werden zusätzlich die First Class erneuert. Economy und Premium Economy bleiben in diesen Flugzeugen unverändert. Erst die verspätete Boeing 777-9 soll auch die neuen Sitze für Economy und Premium Economy erhalten. Mit ihrer Auslieferung rechnet Lee weiterhin in der zweiten Hälfte 2027.

Keine Klappsitze mehr der in Business Class

Für Passagiere weiter hinten ist das der Wermutstropfen des milliardenschweren Programms. Lee begründet die Entscheidung schlicht mit wirtschaftlichen Überlegungen. Der erste umgerüstete Airbus A350 soll im ersten Quartal 2027 starten. Danach folgt ungefähr alle acht Wochen eine weitere Maschine. Bis 2030 soll die gesamte A350-Flotte über die neue Business Class verfügen.

Damit verschwindet nach und nach eine Besonderheit von Singapore Airlines: der bisherige Business-Class-Sitz, dessen Rückenlehne zum Schlafen nach vorne geklappt werden muss. Dafür muss der Passagier aufstehen. Wer technisch weniger begabt ist, braucht durchaus Hilfe von der Kabinenbesatzung. Künftig genügt ein Knopfdruck. Auch die schräge Liegeposition mit den Füßen in einer engen Nische gehört der Vergangenheit an.

Entwickelt und produziert in Deutschland

Entwickelt wurde die neue Business Class von Designworks aus Los Angeles, einer Tochter der BMW Group. Produziert werden die Sitze von Recaro Aircraft Seating in Deutschland. Insgesamt umfasst der Auftrag 3500 Sitze. Rund 5000 befragte Gäste hatten sich vor allem mehr Privatsphäre, Bewegungsfreiheit und bequemere Liegepositionen gewünscht.

Das Ergebnis überrascht: Der neue Business-Class-Sitz ist im A350 mit 56 Zentimetern deutlich schmaler als sein 71 Zentimeter breiter Vorgänger. Trotzdem soll er mehr Halt bieten und sich besser an den Körper anschmiegen. Die Farbgebung fällt dagegen etwas dunkel aus. Die Kombination aus Grau, Blau und Gelb wirkt zwar modern, aber auch ein wenig trist.

Vier Personen können gemeinsam essen

Praktisch ist der Klapptisch, der mit einem Handgriff unter dem Bildschirm verschwindet. Schiebetüren sorgen für Privatsphäre. Mit 132 Zentimetern Höhe vermitteln die Abteile dabei kein allzu beengendes Gefühl. Noch mehr Platz verspricht die neue First Class, gestaltet von der Londoner Agentur Priestman Goode. Besonders interessant sind die mittleren Suiten: Entfernt man die Trennwand, entsteht ein großes Sofa. Die Sitze lassen sich gemeinsam verstellen.

Dank großer Tische und zusätzlicher Sitzgelegenheiten können sogar vier Personen gemeinsam essen. Allerdings sitzen zwei davon ohne Rückenlehne etwas wie auf dem Sünderbänkchen. Auch im Fußraum kann es eng werden - selbst ohne Schuhgröße 46. Die ideale Besetzung dürften zwei Erwachsene und zwei Kinder sein.

Premium Economy von Singapore Airlines mit Verbesserungen

Blautöne, terrakottafarbene Akzente und Leder des italienischen Herstellers Poltrona Frau prägen die Einrichtung. Dazu kommen ein persönlicher Kleiderschrank und reichlich Stauraum. Praktisch für Vielflieger: Sitz-, Licht- und Fenstereinstellungen lassen sich speichern und bei späteren Reisen wieder abrufen.

Auch die neue Premium Economy bietet Verbesserungen. Die 49 Zentimeter breiten Ledersitze haben einen Sitzabstand von knapp 102 Zentimetern. Zwischen Sitzkante und Vordersitz wurden bei der Präsentation großzügige 43 Zentimeter gemessen. Die Rückenlehne lässt sich künftig etwas weiter zurückstellen. Beinauflage, Fußstütze und verstellbare Kopfstütze ergänzen das Angebot. Dazu kommen ein 16-Zoll-Bildschirm mit hoher Auflösung und die Möglichkeit, eigene Kopfhörer kabellos zu verbinden.

Kein Sichtschutz auf Augenhöhe

Überraschend ist allerdings das Fehlen eines Sichtschutzes auf Augenhöhe. ANA bietet solche seitlichen Abschirmungen bereits an, Emirates setzt sogar auf ausfahrbare Trennwände. Hier bleibt Singapore Airlines hinter der Entwicklung zurück.

In der Economy sollen mehr Platz für Knie und Schienbeine sowie eine weiter zurückstellbare Rückenlehne den Komfort verbessern. Die knapp 44 Zentimeter breiten Sitze haben maximal 81 Zentimeter Sitzabstand. Hinzu kommen 13-Zoll-Bildschirme.

Starlink-Internet kostenlos

Die Erneuerung beschränkt sich nicht auf die Sitze. Gäste der Business und First Class sollen künftig bis zu drei Geräte gleichzeitig kostenlos mit dem Satelliteninternet von Starlink verbinden können. Das Angebot soll ab Anfang 2027 in den Airbus A380 und A350-900 verfügbar sein.

Eine Einschränkung bleibt: Da Starlink in Indien noch keine Genehmigung hat, müssen Reisende auf Flügen von Deutschland nach Singapur vorerst weiterhin mit einer längeren Internetunterbrechung rechnen. Auch beim Essen gibt es Veränderungen. Sechs Gastköche haben mehr als 100 neue oder überarbeitete Gerichte entwickelt. Die beliebte Prawn Noodle Soup bleibt erhalten.

Auch ein neues Unterhaltungssystem bei Singapore Airlines

In der First Class gibt es weiterhin Champagner von Louis Roederer und Krug, dazu einen exklusiven japanischen Whisky. Business-Class-Gäste erhalten künftig Pflegeprodukte von Byredo und auf Langstrecken erstmals Pyjamas.

Das neue Unterhaltungssystem bietet mehr als 2500 Filme, Serien, Musikangebote und Podcasts. Dazu kommen ein persönlicher Planer für Anschlussflüge, Informationen zur Verfügbarkeit der Toiletten und Angebote zum Entspannen und Einschlafen.

Singapore Airlines macht vieles richtig

Singapore Airlines macht mit den neuen Kabinen vieles richtig. Besonders der Abschied vom umständlichen Klappsitz dürfte Stammgäste freuen. Auch die First Class bietet interessante Möglichkeiten für gemeinsam Reisende. Doch die Umrüstung braucht Zeit. Während die Airbus A350 nach und nach neue Sitze in den vorderen Klassen bekommen, müssen Economy- und Premium-Economy-Gäste auf die Boeing 777-9 warten.

Das Ende des legendären Klappsitzes ist also noch ein gutes Stück entfernt. Ein Trost für Nostalgiker. Und man möchte wetten, dass die Entwickler in Los Angeles und Singapur längst wieder am nächsten Sitz für die Premium Economy arbeiten.

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