Shenzhen Airlines ist hierzulande wohl eher Luftfahrtkennerinnen und -kennern ein Begriff. Denn die Fluglinie, an der Air China seit 2010 die Mehrheit hält, bedient vor allem Inlandsstrecken, ergänzt um einige Routen im asiatischen Ausland. Wirklich weit fliegt sie nur nach Melbourne in Australien, nach Barcelona in Spanien und nach London in Großbritannien.
Dabei ist Shenzhen Airlines alles andere als klein. Mit mehr als 200 Flugzeugen ist ihre Flotte größer als die Flotten von Eurowings und Condor zusammengerechnet. Die chinesische Fluggesellschaft fliegt mit Airbus A320-200, A320 Neo, A321 Neo, A330-300, A350-900, Boeing 737-800 und 737 Max 8. Zudem bekommt sie weitere A320 Neo und A350.
Shenzhen Airlines will Comac C919
Allerdings könnten die beiden weltgrößten Flugzeugbauer in der Shenzhen-Flotte Konkurrenz bekommen - von der Comac C919. Zwar hat die Fluglinie selber bisher keine bekannte Bestellung unter ihrem Namen platziert - allerdings muss sie das auch gar nicht. Denn Mutter Air China hat 100 Exemplare des chinesischen Kurz- und Mittelstreckenjets geordert.
«Shenzhen Airlines hofft, die C919 in naher Zukunft einsetzen zu können», sagte kürzlich Xiong Taotao, Vizepräsident der Fluglinie und verantwortlich für Technik und Entwicklung, laut der Zeitung South China Morning Post. Allerdings zeigte der Manager auch ein Problem auf: «Lieferkettenprobleme und die Produktionsgeschwindigkeit stellen derzeit noch Hürden dar.»
Auch Airbus-Betreiberin Loong Air zeigt Interesse
Beim selben Luftfahrtforum, bei dem der Shenzhen-Airlines-Manager sprach, zeigte auch die Führungsetage von Loong Air Interesse an der C919, um die Flotte auszubauen und zu diversifizieren. Die Fluglinie aus Hangzhou betreibt knapp 80 Airbus-Jets der Modelle A319, A320-200, A320 Neo und A321 Neo. Zu den bekannten C919-Kunden zählt sie nicht.
Laut Zählung der South China Morning Post hat Comac bisher erst 42 C919 an inländische Käufer ausgeliefert, davon zehn in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026. Bestätigte Bestellungen liegen derweil für mindestens 360 der Kurz- und Mittelstreckenjets vor.
Probleme mit der Lieferkette und dem Produktionstempo
Im vergangenen Jahr hatte die Trump-Regierung in den USA von Mai bis Juli die Exporte der CFM-International-Triebwerke für die C919 blockiert - mittlerweile gibt es dieses Problem jedoch nicht mehr. Der chinesische Luftfahrtexperte Wang Jian, der lange die Bereiche Technik und Flugzeugmanagement am Standort Zhuhai von China Southern Airlines leitete, sagte gegenüber dem Blatt: «Das Leap-1C-Triebwerk aus dem Westen unterliegt nicht mehr den Exportkontrollen Washingtons, daher könnten es Engpässe bei anderen Teilen und Komponenten sein, die Comac derzeit daran hindern, die Produktion zu steigern.» Die Zahlen würden unbestreitbar hinter der ursprünglichen Planung hinterherhinken.
«Der Zeitpunkt ist ungünstig, gerade jetzt, wo Comac die Produktion der C919 hochfahren will», sagt der Experte. Er verweist aber auch darauf, dass Comac mit dem Problem nicht alleine dasteht, sondern auch Airbus und Boeing Probleme mit den Lieferketten haben.
Liebherr-Aerospace verkürzt Wege zur C919-Produktion
Eine gute Nachricht für den chinesischen Hersteller ist derweil: Zulieferer rücken näher an die Produktion heran. So hat Liebherr-Aerospace im Juli den Baubeginn eines neuen Werks in Shanghai gefeiert. Dort werden künftig Strukturbauteile und Komponenten für die Fahrwerke der C919 entstehen. Das Unternehmen erklärte, so wolle man Transportwege verkürzen, die Lieferkette stärken und die Unterstützung für das C919-Programm verbessern.
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