Was Krisen sind, musste Air Astana in den vergangenen Jahren notgedrungen lernen. Zuerst traf die Pandemie die gesamte Branche und damit auch die kasachische Nationalairline ins Mark. Als diese Ausnahmesituation vorüber war, griff Russland die Ukraine an - und die Fluggesellschaft verlor auf einen Schlag ihre zwei wichtigsten Auslandsmärkte. Zugleich wurden Russland-Überflüge für sie aufgrund von Einwänden ihrer Versicherer unmöglich.
Im vergangenen Frühjahr schließlich brach der Iran-Krieg aus. Und wie der Rest der Luftfahrtindustrie musste Air Astana ihre gut laufenden Flüge in den Nahen Osten einstellen, zugleich brachte der steigende Kerosinpreis höhere Kosten. Darauf reagierte die Fluggesellschaft rasch. «Innerhalb von fünf Tagen hatten wir bereits 15 Prozent unserer internationalen Kapazität auf eine Reihe brandneuer Strecken umverteilt und zudem die Kapazität auf unseren bestehenden Strecken erhöht», so Chef Ibrahim Canliel kürzlich im Gespräch mit Medienvertretern in Almaty.
Air Astana verlegt kräftig Kapazität nach China
Eigentlich hätten er und seine Vorstandskollegen mit einer schwierigen Übergangsphase gerechnet, so der Manager weiter. Doch es kam anders. «Am Ende hatten wir Auslastungen, die fast so hoch waren wie in der Hochsaison, wenn nicht sogar höher. Und wir erzielten sowohl im März als auch im April sehr hohe Umsätze», erzählt Canliel. Die durch den Wegfall der Nahost-Routen freigewordene Kapazität verlagerte Air Astana vor allem nach China.
«Unsere Shanghai-Route war vom ersten Tag an kommerziell sehr, sehr erfolgreich. Deshalb haben wir die Anzahl der Flüge erhöht», so der Airline-Chef. Auch Richtung Guangzhou und Peking habe man die Frequenzen erhöht. Dasselbe passierte nach Urumqi und nach Sanya. «Letzten Sommer betrug die Anzahl unserer Flüge nach China pro Woche 23. Diesen Sommer waren es bereits 52.»
Chinesische Ziele, die bisher keine internationalen Flüge hatten
Und neu fügte die Fluggesellschaft eine Strecke von Almaty nach Jining hinzu. Die chinesische Stadt mit etwa einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern hatte zuvor keine internationalen Flüge. «Es gibt mehrere solche Städte in Zentralchina und Westchina, die von Kasachstan aus sehr gut zu erreichen sind», erklärt Canliel. Auf sie zielt Air Astana nun vermehrt. Und sie merkt dabei, dass durch diesen sehr fokussierten Ausbau ein Marktsegment wächst, das bisher weniger wichtig war: Umsteigerinnen und Umsteiger.
«Unsere Strategie bleibt unverändert. Wir wollen weiterhin die Megamärkte in Asien, im Nahen Osten und in Europa mit Zentralasien und dem Kaukasus verbinden», hält Canliel fest. Man habe das Glück, geografisch sehr gut zu liegen, so der Manager. Mehr als drei Milliarden Menschen oder rund 40 Prozent der Weltbevölkerung lebten entweder direkt neben oder in einem Umkreis von zwei bis drei Flugstunden von Kasachstan. «Und das ist unsere größte Stärke, die wir auch in Zukunft weiter ausbauen werden.»
Anteil der Transferpassagiere soll kräftig steigen
Aber er glaubt, dass der Anteil der Umsteigepassagierinnen und -passagiere mit der Expansion nach China noch deutlich steigen könne. Derzeit beträgt er unter den internationalen Reisenden 14 Prozent. «Ich denke, mittelfristig sollten wir 30 Prozent anstreben und langfristig sogar noch mehr», sagt Canliel. Er halte das Wachstumspotenzial für sehr groß. «Wenn wir Erfolg haben, könnte der Anteil leicht auf 40 bis 50 Prozent des Gesamtverkehrs ansteigen.»
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