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Erfahrungsbericht Economy Class Air Transat

Ein Gang, bequemer Sitz, aufgeweckte Crew und keine Extras

Air Transat fliegt mit Airbus A321 LR von Europa nach Kanada. Wie fühlt man sich im kleinen Flieger auf dem langen Flug in der Economy Class? Wir haben es getestet.

In Montreal überlegte man nicht lange. Das Management von Air Transat wählte als Ersatz der in die Jahre gekommenen Airbus A310 den neuen A321 LR. 15 Exemplare des Schmalrumpfflugzeuges mit Langstreckeneigenschaften beschafft sich die Fluggesellschaft insgesamt von Leasinggesellschaften. Sie bietet darin 12 Plätze in der Premium Economy und 187 in der Economy.

Bei gewissen Reisenden lösen kleinere Flieger, die man von Flügen nach Mallorca oder London kennt, auf langen Strecken immer noch Skepsis aus. «Über den Atlantik als Ölsardine?», so der viel gehörte Vorwurf. Ist es wirklich so? Wir haben es nochmal getestet und flogen mit einem Airbus A321 LR von Air Transat in der Economy Class nach Nordamerika. Der Test fand im September 2019 auf der Strecke Basel – Montreal statt.

Buchung/Reservierung: ★★★★☆. Die Webseite von Air Transat ist aufgeräumt. Alle wichtigen Vorgänge wie Buchung, Flugstatus und Check-in sind sofort auffindbar. Die Ladezeiten sind gut. Dasselbe gilt für die App. Das ist so, wie man es sich als Reisender wünscht. Ein Nachteil: Wer nicht direkt beim kanadischen Ferienflieger gebucht hat, sondern über einen Reiseveranstalter, kann gewisse Zusatzdienste nicht selbst online hinzu buchen oder Änderungen vornehmen.

Check-in/Einsteigen: ★★★★☆. Wir haben das Extrapaket Option Plus gewählt. Sie kostet für Standardsitze 63 Euro pro Strecke. Dafür bekommt man ein Aufgabegepäck. Sitzreservierung, Priority Check-in und Boarding,  ein Amenity Kit, Kopfhörer und ein alkoholisches Getränk. Insgesamt ein großzügiges Paket also – das es allerdings nur bei Verfügbarkeit zu kaufen gibt. Wir marschieren am Flughafen deshalb direkt an den Schalter. Das Check-in ist im Nu erledigt, die Bedienung ist ausgesprochen freundlich und französisch-charmant. Ein guter Start für eine Reise. Dass man beim Boarding früh einsteigen kann ist ebenfalls angenehm, besonders wenn man ein Fensterplatz-Sitzer ist wie wir. Unangenehm ist jedoch die Situation am Gate in Basel, wo es nicht nur eng ist, sondern auch kaum Sitzplätze gibt. Viele Passagiere stehen oder nehmen deshalb am Boden Platz. Dafür kann die Fluggesellschaft allerdings nichts. Wir geben insgesamt nicht die volle Punktzahl, weil wir die Vorzugsbehandlung nur dank Option Plus bekommen haben. Ohne sie würde man deutlich länger und gedrängter anstehen – am Schalter und am Gate.

Crew: ★★★★★. Die Flugbegleiter treten sehr freundlich auf, die Stimmung an Bord ist locker und aufgeräumt. Sie arbeiten auch sehr effizient und kennen das Bordprodukt und die gebuchten Extras der Reisenden gut, was sonst nicht überall der Fall ist. Immer wieder plaudern und scherzen sie mit Passagieren. Das gefällt uns ebenso wie die Durchmischung älterer und jüngerer Besatzungsmitglieder.

Kabinenausstattung: ★★★★★. Der Airbus A321 LR ist ein Schmalrumpfflieger.  Extravagante Dinge kann man an Bord deshalb nicht erwarten. Uns gefällt aber das Interieur, es gibt genug Toiletten und sie sind auch groß genug. Zudem gibt es ausreichend Platz in den Gepäckfächern, weil mehr Passagiere ihre Koffer aufgeben als auf einem Europaflug, und auch der Gang ist genügend breit. Nicht immer glücklich waren wir mit dem Einsatz des sogenannten Mood Lightings, der farbenfrohen Kabinenbeleuchtung. Aber das ist wohl auch Geschmackssache

Sitz: ★★★★★. Der mit blauem Leder bezogene Sitz ist 18 Zoll breit (das ist der Standard im A321). Obwohl er aussieht wie ein Sitz für Kurz- und Mittelstrecken ist er überraschend bequem. Auch nach 8:20 Stunden schmerzt unser Gesäß nicht. Air Transat schreibt das einem «neuartigem Schaumstoff, der Druckpunkte angenehmer macht» zu. Richtig beeindruckt sind wir von der Beinfreiheit, nach vorne bleiben uns (mittelgroß) etliche Zentimeter, was man nicht bei allen Fluggesellschaften sagen kann, auch nicht in deren Großraumfliegern. Hinzu kommen als großes Plus genügender Stauraum und eine in vier Stufen höhenverstellbare Kopfstütze mit Knickfunktion, damit man beim Schlafen den Kopf auch zur Seite legen kann.

Sauberkeit: ★★★★★. Es braucht nicht viel, damit eine Fluggesellschaft hier punkten kann. Immer wieder findet man dennoch Müll des vorherigen Passagiers in der Sitztasche oder Krümel auf dem Sitz. Unangenehm. Nicht so bei Air Transat. Der Flieger ist perfekt gereinigt.

Mahlzeiten: ★★★☆☆. Zum Mittagessen bekommt jeder Passagier eine volle Mahlzeit mit Getränk. Alkoholisches muss man extra bezahlen, dank Option Plus erhalten wir jedoch ein Glas (für einen im Flugzeug kredenzten Wein) guten Tropfen umsonst. Auf den Klapptisch kommt ein Bohnensalat mit Pilzen, wir wählen dazu ein vegetarisches Pastagericht: Penne mit sahniger Tomaten-Wodka-Sauce. Hinzu kommt ein weiches Bötchen, Butter und als Nachspeise eine Himbeerschnitte. Vor der Landung gibt es dann einen Snack. Serviert wird ein Pizzabrot, das schon fast nochmals eine Mahlzeit ist. Das Essen ist insgesamt solide, wer gesunde Küche sucht, wird aber enttäuscht.

Unterhaltungssystem: ★★★★☆. Jeder Sitzplatz hat einen eigenen, großen, auf Berührung reagierenden Bildschirm. Das Filmangebot ist nicht üppig. Es finden sich neben Kassenschlagern, Klassikern und internationalen Filmen aber auch diverse kanadische Filme. Wir schätzen es immer, lokales Filmschaffen entdecken zu können, auf das wir sonst nie gestoßen wären. Für eine Economy Class ist das ein gutes Angebot.

Wifi/Strom: ★★★★☆. Unter den Vordersitzen gibt es eine Steckdose, im Bildschirm jedes Sitzes einen USB-Anschluss. Heutzutage ist das ein Muss, aber leider noch längst nicht bei allen Fluggesellschaften Standard.

Extras: ★★☆☆☆. Extras gibt es keine. Dank Option Plus bekommen wir aber ein Amenity Kit mit Schlafmaske, aufblasbarem Kissen und Decke. Ebenfalls inbegriffen sind Kopfhörer. Alles ist wiederverwendbar. Wer das an Bord hinzukaufen will, zahlt 9,99 Kanada-Dollar, umgerechnet 6,90 Euro. Auch die Kopfhörer kann man kaufen, sie kosten ebenfalls 6,90 Euro, was wir eher teuer finden.

Gesamtnote: 4,1 – Gut
(Skala: Sehr gut = über 4,5, Gut = 3,7 bis 4,4, Befriedigend = 2,7 bis 3,6, Schlecht = 2,0 bis 2,6, Sehr schlecht = unter 2,0)

Fazit: Air Transat bietet Reisenden aus Norddeutschland mit Amsterdam, Brüssel und allenfalls Kopenhagen (ab Sommer 2020), solchen aus Süddeutschland und der deutschsprachigen Schweiz mit Basel und solchen aus dem südlichen Osten Deutschlands und. Nordbayern mit Prag mögliche Startpunkte für Flüge nach Kanada. Das Economy-Produkt des Ferienfliegers in den neuen Airbus A321 LR kann es locker mit dem von klassischen Netzwerkairlines aufnehmen. Wir kamen wie schon vergangenes Jahr zum Schluss: Ob man in der Economy in einem Flugzeug mit einem oder in einem mit zwei Gängen fliegt, ist irrelevant. Es zählen die Kabinenausstattung, der Sitz, der Service. Wem die Verbindungen passen und wer die Preise attraktiv findet, für den ist Air Transat eine gute Wahl. Wir finden das Option-Plus-Paket preislich wirklich attraktiv.

Das Flugticket für diesen Test wurde von Air Transat zur Verfügung gestellt. Die Tester von aeroTELEGRAPH hatten bei ihrem Urteil trotzdem freie Hand. Die Fluggesellschaft nahm weder Einfluss auf den Inhalt des Artikels noch stellte sie irgendwelche Bedingungen. Das würde dem Verhaltenskodex von aeroTELEGRAPH widersprechen.



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