Letzte Aktualisierung: um 18:35 Uhr

Gewerkschaften uneinig

Sully Sullenberger fordert neue Cockpitsysteme für Boeing 737 Max 7 und 10

Zwei US-Pilotengewerkschaften sind sich uneinig: Brauchen die Boeing 737 Max 10 und 7 Anpassungen im Cockpit oder nicht? Der berühmteste Pilot des Landes hat eine klare Meinung.

Boeing

Boeing 737 Max 7: Wird der Flieger gebaut oder nicht?

Zwei große Gewerkschaften sind sich uneinig: Soll Boeing bei der 737 Max 7 und 10 eine Fristverlängerung erhalten, oder nicht? Der Hintergrund: Flugzeugbauer müssen laut dem Gesetz im Cockpit von Fliegern, die ab 2023 zugelassen werden, neue Systeme einbauen. Die Anforderung ist eine Folge der Abstürze der 737 Max.

Die Anpassungen sollen verhindern, dass Crews von Warnungen überfordert werden. Bei Boeing betrifft das die 737 Max 7 und Max 10. Die beiden anderen Varianten Max 8 und Max 9 sind bereits zertifiziert und in der Luft. Die Anpassung würde Zeit und Geld kosten. Boeing will eine Ausnahmeregelung der Regierung. Dagegen spricht sich die Gewerkschaft der Pilotinnen und Piloten von American Airlines klar gegen eine Sonderregelung aus.

Uneinigkeit bei den Piloten

«Boeing muss mit der Installation moderner Alarmierungssysteme in diesen Flugzeugen fortfahren, um die Verwirrung der Piloten bei komplexen, zusammengesetzten Systemstörungen zu verringern», sagte der Chef der American-Gewerkschaft. So könne man im Ernstfall Leben retten. Die Piloten von Southwest Airlines sehen das anders.

«Unsere Pilotinnen und Piloten fliegen viele Zyklen an einem Tag. Einige können drei, vier oder sogar fünf Flugzeuge an einem Tag berühren», sagte der Cher der Southwest-Gewerkschaftschef kürzlich. «Das Problem ist der Wechsel von einem Flugzeug zum anderen und wieder zurück und dann wieder zurück. Erhebliche Unterschiede zwischen den Flugzeugen können in Momenten hoher Belastung zu Verwirrung führen.»

Sully sieht es wie die American-Crews

Ein berühmter US-Pilot schlägt sich nun auf die Seite der American-Airlines-Kollegen. Chesley «Sully» Sullenberger, der durch die Notwasserung auf dem New Yorker Hudson River im Januar 2009 weltberühmt wurde. Nach einem Vogelschlag hatte er den Flieger von US Airways auf dem Fluss gelandet und so alle 155 Passagiere gerettet.

«Ich sehe das wie die Allied Pilots Association (die Gewerkschaft von American, Anm. d.Red.)», so Sullenberger. «Die FAA muss den Einbau von modernen Crew-Alarmierungssystemen vorschreiben», Sullenberger.

Southwest große Max-7-Kundin

American Airlines betreibt die Boeing 737 Max, aber hat keine Pläne, mit der Max 7 oder Max 10 zu fliegen. Southwest Airlines hat mehr als 200 Boeing 737 Max 7 bestellt. Was aus den Modellen wird, sollte die Regierung keine Ausnahmeregel gewähren, ist unklar.

Boeing-Chef David Calhoun dachte bereits laut darüber nach, die Max 10 aufzugeben, sollten die zusätzlichen Anforderungen gelten. Wenn man bedenke, was Boeing in den vergangenen Jahren durchgemacht habe, sei auch «eine Welt ohne -10 nicht bedrohlich», so Calhoun.

Zukunft ungewiss

Gegen einen Max-10-Verzicht spricht: Boeing hat Bestellungen für rund 740 der Flugzeuge von 18 Kunden. Auch wenn der Flugzeugbauer einige der Orders womöglich umwandeln könnte in solche für die kleinere Max 9, würde er doch Gefahr laufen, den Großteil ganz zu verlieren. Das wäre sowohl wirtschaftlich als auch aus Imagesicht schlecht.