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Beschwerde eines Ex-Angestellten

Sparte Boeing bei der 737 Max auf Kosten der Sicherheit?

Ein Angestellter von Boeing reichte interne Beschwerde ein. Drei Mal habe er mit Kollegen Systeme zur Verbesserung der 737 Max vorgeschlagen. Drei Mal sei er abgeblitzt - angeblich aus Kostengründen.

Boeing

Produktion der 737 Max: Schlug der Hersteller Warnungen in den Wind?

Der 33-jährige C. E. ist Ingenieur und seit neun Jahren bei Boeing angestellt. Dort analysierte er früher Flugunfälle, um daraus Lehren für neue Modelle zu ziehen. Inzwischen arbeitet er im 777X-Programm. Doch die Beziehung zu seinem Arbeitgeber ist nicht mehr die beste.

Im März 2019 – kurz nach dem Absturz der 737 Max von Ethiopian Airlines – reichte C. E. eine interne Beschwerde ein. Schon 2014 hätten er und sein Team den Managern von Boeing diverse Systeme vorgeschlagen, um das neue Flugzeugmodell sicherer zu machen, schreibt die Zeitung Seattle Times. Eines davon hätte potenziell das Unglück in Äthiopien und auch das von Lion Air in Indonesien verhindern können, heißt es im Bericht.

Im Dreamliner standardmäßig eingebaut

Bei der Funktion handelt es sich um die Anzeige des sogenannten Synthetic Airspeed, also einer errechneten Fluggeschwindigkeit relativ zur Luft. In den Boeing 787 ist dieses System standardmäßig eingebaut. Dabei wird das Tempo des Flugzeugs aus Daten der Anstellwinkel-Sensoren und anderer Quellen indirekt berechnet. Die Synthetic Airspeed ist also eine ergänzende Kontrollangabe. Die primären Angaben zur Fluggeschwindigkeit stammen von den Messungen der Pitotsonden.

Mit dem System des Synthetic Airspeed könne man verhindern, dass Daten angezeigt würden, von denen man wisse, dass sie unzuverlässig seien, heißt es in einer Präsentation von Boeing zum Dreamliner. Und genau das wäre auch bei den beiden fatalen Abstürzen der 737 Max ein wichtiger Punkt gewesen. Das System hätte entdeckt, wenn Daten der Anstellwinkel-Sensoren falsch sind.

Manager sagen drei Mal Nein

Das war bei den Unglücken von Ethiopian Airlines und Lion Air ein großes Problem. Das umstrittene Flugsteuerungssystem Maneuvering Characteristics Augmentation System MCAS schaltete sich trotz unterschiedlicher Eingaben von den beiden Sensoren ein und drückte die Nase des Flugzeuges immer wieder nach unten. Dagegen kämpften die Piloten an – vergeblich, auch weil sie sich nicht bewusst waren, dass dies wegen falscher Daten passierte.

Doch bei zwei Sitzungen sei der Vorschlag abgelehnt worden, so C. E. in seiner Beschwerde. Und ein drittes Mal habe der 737-Max-Projektingenieur Nein gesagt. Immer sei dabei auf die Kostenfolgen bei Boeing und den zusätzlichen Trainingsaufwand bei den Airlines hingewiesen worden. Müssen die 737-Piloten in den Flugsimulator, um sich mit dem System vertraut zu machen, können sie nicht fliegen. Zudem kostet jede Schulungsstunde viel Geld. Beides wäre für Betreiber unattraktiv gewesen.

«Rigorose Prozesse»

Boeing nahm gegenüber der Seattle Times keine Stellung zur Thematik. Der Konzern erklärte aber, man verfüge «über rigorose Prozesse, um sicherzustellen, dass solche Beschwerden gründlich geprüft werden, und um die Vertraulichkeit der Mitarbeiter zu schützen». Diese Woche hat Boeing diverse Maßnahmen beschlossen, um die interne Sicherheitskultur zu verbessern.



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