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South African Airways

Piloten fliegen gratis, Passagiere müssen aussteigen

Südafrika hält die hochdefizitäre Nationalairline mit Geldspritzen am Leben. Im Kampf um eine Gesundung von South African Airways stehen nun die verwöhnten Piloten im Fokus.

South African Airways

Piloten von South African Airways: Üppige Gehaltspakete.

Pravin Gordhan nimmt kein Blatt vor den Mund. South African Airways sei «technisch insolvent», erklärte der südafrikanische Finanzminister kürzlich im Parlament. Nur dank wiederholter Geldspritzen durch die Regierung könne die Fluggesellschaft weiterfliegen. Die neuesten Zahlen zeigen denn auch ein düsteres Bild der Zustände bei SAA, wie die Südafrikaner ihre Airline meist nennen.

Nach monatelangen Verzögerungen hat South African Airways ihre Bücher für das Geschäftsjahr 2014/15 präsentiert. Sie zeigen einen Verlust von 4,7 Milliarden Rand oder umgerechnet 306 Millionen Euro. In der Berichtsperiode 2015/16 resultierte nochmals ein Minus von 1,8 Milliarden.

Zusatzkosten von 2 Milliarden Rand pro Jahr

Die Regierung in Pretoria kam darum nicht darum herum, erneut eine Garantie für SAA auszustellen. Sie beläuft sich auf 4,7 Milliarden Rand. Damit summieren sich die ausstehenden staatlichen Garantien für die einst stolze Airline bereits auf 19 Milliarden. Die neuesten finanziellen Hilfen sind an 11 Verpflichtungen verbunden. Unter anderem müssen die Kosten konsequenter gesenkt, verlustbringende Strecken stillgelegt und das Finanzministerium besser informiert werden.

Dass es South African Airways schlecht geht und die Airline in den letzten Jahren für Missmanagement stand, ist inzwischen in Südafrika bekannt. Doch nach den erneuten Verlusten geraten immer neue Verfehlungen an die Öffentlichkeit. Neuestes Opfer sind die Piloten. Gemäß einem Bericht der Zeitung The Citizen, der sich auf interne Berichte der Airline stützt, werden sie mit übermäßigen Extras verwöhnt.

Konsequent Fünfstern-Hotels

So nächtigen Piloten von South African Airways offenbar konsequent in Fünfstern-Hotels, während die Flugbegleiter in Zweistern-Häusern untergebracht werden. Daneben erhalten sie regelmäßig Freiflüge mit ihrer Familie in der Business Class. Dabei genießen sie eine höhere Priorität als zahlende Passagiere. Nicht selten müssen darum Fluggäste ausgeladen werden, was zu Einnahmeausfällen und zusätzlichen Kosten führt. Und wenn der Pilot sich scheiden lässt, bekommen sowohl die Ex-Frau als auch die neue Frau oder Freundin die Vorteile.

Piloten dürfen bei der Nationalairline zudem bis zu 180 Tage pro Jahr krank sein. Auch Sabbatjahre werden großzügig gewährt. Kein Wunder bewerben sich viel Ausländer für die Stellen, die nicht einmal im Land wohnen und dann gratis zu ihren Flugeinsätzen geflogen werden. Das erhöht den Personalaufwand weiter.

Abbau bislang gescheitert

Insgesamt gibt South African Airways darum pro Jahr 2 Milliarden Rand für Piloten aus. 12 Prozent der Angestellten sind für 48 Prozent der Lohnkosten verantwortlich. Alle Versuche, die üppige Bezahlung anzutasten, blieben bislang erfolglos. Zu stark sind die Gewerkschaften.



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