Boeing 767 in Bemalung von Amazon: Das linke Hauptfahrwerk berührte den Boden nicht.

Betrieben von 21 Air Was bisher über die Bruchlandung der Boeing 767 von Amazon in Miami bekannt ist

Fünf Tote, mehrere Verletzte und eine Boeing 767 außerhalb des Flughafengeländes: Der Unfall eines für Amazon fliegenden Frachters von 21 Air hat schwere Folgen. Aufnahmen des Anflugs liefern erste Hinweise auf einen ungewöhnlichen Ablauf. Das ist über Flug 2I7598, die N1997A und die laufenden Ermittlungen bekannt.

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Eine Boeing 767-300 F von 21 Air schoss am Sonntag (6. September) bei der Landung in Miami über das Pistenende hinaus. Der für Amazon Air eingesetzte Frachter durchbrach den Flughafenzaun und kam auf der anderen Seite der Northwest 42nd Avenue zum Stillstand. Dabei traf er mehrere Fahrzeuge. Das ist bislang über den Unfall bekannt.

Flug 2I7598

Die Boeing 767 war auf Flug 2I7598 unterwegs und gerade aus San Juan in Puerto Rico kommend gegen kurz vor 14 Uhr Ortszeit am Sonntag (6. September) in Miami gelandet. 21 Air führte ihn im Auftrag von Amazon durch. Die Landung erfolgte überpünktlich, doch Videos des Anflugs zeigen, dass das linke Hauptfahrwerk nach dem Aufsetzen die Piste nicht berührt.

Nach dem Unfall stellte der Flughafen Miami den Flugbetrieb vorübergehend ein. Ankommende Flugzeuge wurden zu anderen Flughäfen umgeleitet, zeitweise blieben sämtliche Pisten geschlossen.

Die Opfer

Beim Verlassen des Flughafengeländes kollidierte die Boeing 767 nach Angaben der Feuerwehr von Miami-Dade County mit mehreren Fahrzeugen. Fünf Menschen wurden verletzt, drei von ihnen schwer, berichtet die Zeitung «Miami Herald». Miamis Bürgermeisterin Daniella Levine Cava bestätigte zudem fünf Todesopfer. Aufnahmen vom Unfallort zeigen Flammen und dichten Rauch am Frachter sowie teils schwer beschädigte Fahrzeuge. Mehrere Autofahrerinnen und -fahrer mussten aus ihren Wagen befreit werden. Auch die Piloten konnten das Cockpit nicht aus eigener Kraft verlassen.

Die Boeing 767-300 F mit dem Kennzeichen N1997A

Bei der N1997A handelt es sich um eine mehr als 32 Jahre alte Boeing 767-300 F mit der Seriennummer 27310. Gebaut wurde sie 1994 zunächst als Passagierflugzeug. Ihre Karriere begann bei der belgischen Sobelair, später flog sie unter anderem für Vietnam Airlines, Air Europa, Kenya Airways und Nordwind Airlines. Ende 2014 endete ihre Zeit im Passagierverkehr.

Danach wurde die Boeing 767 nach Tel Aviv gebracht und zum Frachter umgebaut. 2016 übernahm Atlas Air das Flugzeug, das im August desselben Jahres die Registrierung N1997A erhielt. Sie gehörte zu den frühen Boeing 767 im Luftfrachtnetz von Amazon und flog in Prime-Air-Lackierung unter dem Namen «Amazon One».

Ende 2024 wurde N1997A zunächst abgestellt, bevor sie im Januar 2025 zu 21 Air wechselte. Die US-Frachtfluggesellschaft setzte sie weiterhin für Amazon Air ein. In diesem Auftrag war die Boeing 767 auch am Sonntag als Flug 2L7598 von San Juan nach Miami unterwegs.

Der Flugzeugtyp

Die Boeing 767 ist ein zweistrahliges Großraumflugzeug für Mittel- und Langstrecken. Sie absolvierte 1981 ihren Erstflug und wurde ein Jahr später erstmals an eine Fluggesellschaft ausgeliefert. Boeing entwickelte den Typ parallel zur schmaleren 757. Die 767 war zugleich der erste zweistrahlige Langstreckenjet des Herstellers mit zwei Gängen in der Kabine.

Im Laufe der Jahre entstand eine ganze Modellfamilie. Sie reicht von der 767-200 über die größere 767-300 und die 767-400 ER bis zur Frachtversion 767 F. Je nach Variante und Bestuhlung können rund 180 bis mehr als 250 Passagiere mitfliegen, die Reichweite beträgt bei einzelnen Versionen bis zu rund 11.000 Kilometer.

Passagierversionen werden längst nicht mehr gebaut, doch vor allem im Frachtverkehr ist die 767 weiterhin weit verbreitet. Zahlreiche ältere Passagiermaschinen wurden wie auch das Unglücksflugzeug zu Frachtern umgebaut und sind bis heute im Einsatz. Zudem bildet die Boeing 767 die Grundlage für den militärischen Tanker KC-46A der US Air Force, der weiterhin produziert wird.

Amazon Air

Amazon besitzt zwar ein großes Luftfrachtnetz, überlässt den eigentlichen Flugbetrieb aber anderen Fluggesellschaften. Für Amazon Air sind derzeit rund 105 Flugzeuge unterwegs. Den größten Anteil davon betreibt Air Transport International mit etwa 40 Maschinen. Sun Country Airlines, die daneben auch Passagierflüge anbietet, steuert 22 Flugzeuge bei. 21 Air, die Betreiberin des verunglückten Flugzeuges, ist mit acht Jets für Amazon unterwegs. Insgesamt kommt das 2015 aufgebaute Netzwerk laut Amazon auf mehr als 250 Flüge pro Tag und verbindet inzwischen Ziele auf mehreren Kontinenten.

Ein tödliches Unglück gab es im Amazon-Luftfrachtnetz bereits 2019. Damals stürzte eine von Atlas Air betriebene Boeing 767 auf einem Flug von Miami nach Houston in die Bucht Trinity Bay in Texas. Alle drei Menschen an Bord starben. Die amerikanischen Ermittler führten den Absturz später auf Fehler der Besatzung zurück.

21 Air

21 Air ist eine 2014 in North Carolina gegründete reine Frachtfluggesellschaft. Sie ist vor allem von Miami und Cincinnati aus aktiv und fliegt unter anderem für Amazon Air sowie DHL Aviation. Einen Schwerpunkt der Flotte bilden Boeing 767-300 F, die nach Angaben des Unternehmens jeweils rund 55 Tonnen Fracht transportieren können.

Die Website von 21 Air zeigt derzeit nur eine Stellungnahme zu dem Unglück, sonst nichts. Darin erklärt Firmenchef Keith Winters, man sei «zutiefst erschüttert» und spreche den Angehörigen der Todesopfer sein Mitgefühl aus. Vorrang hätten nun die Unterstützung der Betroffenen und die Zusammenarbeit mit den Behörden. 21 Air kooperiere vollständig mit der amerikanischen Unfalluntersuchungsbehörde NTSB, der Luftfahrtbehörde FAA und den lokalen Behörden.

Boeing 767 mit Amazon-Bemalung: Das Flugzeug schoss über eine Straße hinaus, der Flughafen wurde geschlossen.

Die Ermittlungen

Die US-Behörden müssen jetzt untersuchen, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. Da beide Piloten die Bruchlandung glücklicherweise überlebt haben, können auch ihre Aussagen wesentlich dazu beitragen, die Unfallursache herauszufinden. Es gibt keine gesetzliche Frist für einen ersten vorläufigen Bericht zum Unfall, in der Regel kommt ein so genannter Preliminary Report aber innerhalb eines Monats heraus. Der enthält normalerweise allerdings hauptsächlich bekannte Fakten und noch keine genauen Details zur Ursache und zu Konsequenzen.

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