Airbus A320 Neo von SAS: Das Flugzeug nach dem es kurz vor dem Flughafenzaun zum Stehen gekommen.

Airbus A320 Neo von SASStress durch Verspätung und Handgepäckchaos, Defekt und überlasteter Lotse führten zu Beinahekatastrophe in Brüssel

Vor einem Monat wollte am Flughafen Brüssel ein Airbus A320 Neo von SAS fast auf einem Rollweg starten. Nun bringt der erste Zwischenbericht der Untersuchungsbehörde erste Erkenntnisse, wie es dazu kommen konnte.

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Vor etwas mehr als einem Monat wäre es am Flughafen Brüssel fast zu einer Tragödie gekommen. Am Abend des 5. Februar wäre Flug SK2590 von SAS fast auf dem parallel zur Piste 07R verlaufenden Rollweg Echo 1 gestartet. Erst im letzten Moment wurde der Fehler bemerkt und das Cockpitpersonal brach den Start ab. Der A320 Neo mit der Kennung SE-ROM kam am Ende des Rollwegs im Gras zum Stehen. Verletzt wurde niemand.

Einen Monat nach dem Zwischenfall hat die belgische Flugunfalluntersuchungsstelle AAIU ihren vorläufigen Bericht veröffentlicht. Zwar ist noch nicht abschließend geklärt, wie es zu dem Zwischenfall kommen konnte. Doch nach ersten Erkenntnissen gilt ein Zusammenspiel aus Zeitdruck, Überforderung und technischen Problemen als Ursache.

Ein Faktor bei SAS war Zeitdruck

Wegen winterlicher Wetterbedingungen verzögerte sich der Abflug in Kopenhagen, sodass der Airbus von SAS erst um 21:01 Uhr in Brüssel landete. Der Slot für den Abflug war für 21:48 Uhr angesetzt, damit blieben der Crew nur 47 Minuten für den Turnaround. Das Einsteigen zog sich in die Länge, da viele Passagiere viel Handgepäck mitführten, was mehrere Durchsagen erforderte, um die Kabine rechtzeitig startklar zu machen.

Um den Weg zur Startbahn abzukürzen und einen schnellen Start zu ermöglichen, wies die Flugsicherung Flug SK 2590 einen kürzeren Rollweg vom Gate zur Startbahn 07R zu, der einen Stopp an der Kreuzung der Rollwege E1-C5-C6 vorsah. Statt jedoch geradeaus weiterzurollen und an der nächsten Kreuzung auf die Piste 07R einzubiegen, bogen die Piloten bereits an der vorherigen Kreuzung nach rechts ab und beschleunigten – in der Annahme, C6 bereits erreicht zu haben.

Technischer Fehler und nur ein Fluglotse in Brüssel

Neben der Dunkelheit und Nässe soll die Verwirrung im Cockpit verstärkt worden sein, weil die roten Haltebalken an der eigentlichen Kreuzung der Rollwege E1-C5-C6 von der Flugsicherung in dem Moment ausgeschaltet wurden, als sich das Flugzeug der falschen Abzweigung näherte. Zudem soll auch ein wichtiges beleuchtetes Hinweisschild in der Nähe laut dem Bericht zum Zeitpunkt defekt gewesen sein.

Der Bereich der C6-Kreuzung gilt laut Bericht als Hotspot des Flughafens: ein komplexes Rollwegnetz, das von Pilotinnen und Piloten sowie Fluglotsinnen und -lotsen gleichermaßen erhöhte Aufmerksamkeit erfordert. Die belgische Ermittlungsbehörde erwähnt zudem, dass in diesem Moment ein einziger Fluglotse sowohl den Boden- als auch den Startbahnverkehr betreute. Er war für sieben Flugbewegungen gleichzeitig zuständig, während sich ein zweiter Lotse in der Pause befand.

SAS kündigt Nachrüstungen an

Hinzu kam, dass der rund fünf Jahre alte Airbus A320 Neo weder über das erweiterte Startbahnüberwachungssystem TOS2 noch über das Warnsystem RAAS verfügte – beides Technologien, die den Fehler vermutlich verhindert hätten. TOS2 vergleicht die tatsächliche Position des Flugzeugs via GPS und Bordrechner mit der im Flight Management System FMS eingegebenen Startbahn. RAAS gibt eine sprachliche Bestätigung der Position.

Stattdessen verließ sich die Crew auf manuelle Positionsbestätigung. Nach dem Zwischenfall will SAS nun schneller nachrüsten: Künftig sollen digitale Flughafenkarten, sogennante Airport Moving Maps in allen Fliegern eingebaut werden, um Pilotinnen und Piloten beim Rollen und Starten die Orientierung zu erleichtern.

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