Es ist ein Routineflug. SAS fliegt bis zu drei Mal täglich zwischen Kopenhagen und Brüssel. Der Abendflug SK2590 hätte am Donnerstagabend (5. Februar) allerdings in einer Tragödie enden können. Der Airbus A320 Neo mit der Kennung SE-ROM hatte bereits über eine Stunde Verspätung, als er gegen 21:44 Uhr Richtung Startbahn 07R rollte. Um 22:03 Uhr Ortszeit erhielt er die Startfreigabe.
Das Cockpitpersonal beschleunigte den knapp sieben Jahre alten Airbus A320 Neo bis auf 107 Knoten (rund 200 km/h) und erreichte damit fast die Rotationsgeschwindigkeit, die für das Abheben erforderlich ist. Diese liegt bei diesem Flugzeugtyp meist zwischen 120 und 150 Knoten (ca. 222 bis 278 km/h). Erst dann bemerkte ein Fluglotse, dass der Jet von SAS sich nicht auf der Startbahn 07R, sondern auf dem parallel verlaufenden Rollweg Echo 1 befand.
Vollbremsung des Airbus A320 Neo bei 200 km/h
Das Cockpitpersonal leitete umgehend einen Startabbruch ein. Aufgrund der begrenzten Rollweglänge von etwa 1100 Metern wurden Vollbremsung, Spoiler und Schubumkehr aktiviert. Der A320 Neo von SAS kam nach rund einem Kilometer am Ende des Rollwegs im Gras zum Stehen, wie das Portal Mobilithib berichtet.
Keiner der 135 Passagiere wurde verletzt. Allerdings konnten die Reisenden das Flugzeug erst gegen 23:45 Uhr über Treppen verlassen. Der Airbus A320 Neo wurde bis 4:20 Uhr am Freitagmorgen geborgen. «Sicherheit hat für uns absolute Priorität. Wir führen derzeit gemeinsam mit den örtlichen Behörden eine gründliche interne Untersuchung durch, um den Hergang des Geschehens zu ermitteln», erklärte die Fluggesellschaft.
Gründe für den Fehler der SAS-Crew bisher unklar
Techniker überprüfen das Bremssystem des Airbus, weil diese aufgrund der plötzlichen Vollbremsung extremer Hitze ausgesetzt waren. Die Piloten bogen vorzeitig von der Rollbahn ab. Statt den Rollweg Taxiway Echo 1 zu nutzen, hätten sie weiterrollen müssen, um die Piste 07R zu erreichen. Bisher ist unklar, warum die Piloten falsch abgebogen sind.
Rollverlauf von SAS-Flug SK2590 am 5. Februar. Screenshot Flightradar24
Die Sichtweite betrug mehr als zehn Kilometer, was beim Rollen als sehr gute Sichtbedingung gilt. Zwar war der Himmel zu mehr als der Hälfte bedeckt, aber die Wolken waren hoch genug, um den Bodenbetrieb nicht zu beeinträchtigen.
Comair-Flug 5191 startete 2006 auf einem Rollweg
Was passieren kann, wenn ein Flugzeug auf einem Rollweg startet, zeigt der Comair-Flug 5191 vom August 2006. Die Bombardier CRJ 100 startete am 27. August in Lexington auf dem kurzen Rollweg C. Das Flugzeug konnte aufgrund der kurzen Strecke nicht genug Geschwindigkeit aufbauen, überrollte das Ende des Rollwegs, kollidierte mit Bäumen und einem Erdwall und fing Feuer. 49 der 50 Personen an Bord kamen ums Leben.
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