Aerotoxisches SyndromEuropa-Norm soll gesündere Kabinenluft bringen

Sind Dämpfe an Bord schädlich oder nicht - um diese Frage tobt ein Glaubenskrieg. Nun soll in Europa eine Norm für Kabinenluft entstehen.

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Die Luftfahrtindustrie und die Arbeitnehmerorganisationen streiten sich seit Jahren um die Gefahr verunreinigter Kabinenluft. «Nicht wirklich messbar», heißt es auf der einen Seite, «eindeutig gesundheitsschädlich», auf der anderen. Um das Thema aerotoxisches Syndrom tobt eine Art Glaubenskrieg.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist die Art, wie die Atemluft in den meisten modernen Flugzeugen – mit Ausnahme der Boeing 787 – erzeugt wird. Sie wird ungefiltert über die Triebwerke gewonnen. Der Fachausdruck dafür heißt Zapfluft. Verbrennt Triebwerksöl, kann es sein, dass giftige Dämpfe mit dem Nervengift TCP entstehen. Und diese können über diesen Mechanismus in den Passagierraum gelangen.

Keine verbindliche Regelung

In der Tat gibt es ab und an Fälle, in denen Passagiere, Flugbegleiter und Piloten über unerklärliche, plötzliche Benommenheit, Kopfschmerzen und Übelkeit klagen. Doch wie gefährlich ist das wirklich und ist wirklich die Zapfluft daran schuld? «Die Häufigkeit von Arbeitsunfähigkeit und Tod ist bei Piloten damit 400 Prozent größer als bei Berufsgruppen, die nicht solchen Dämpfen ausgesetzt sind», sagt die britische Expertin Susan Michaelis. Es gebe keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Kabinenluft und gesundheitlichen Problemen, so Industrievertreter.

Dennoch arbeitet eine Arbeitsgruppe des Europäischen Komitees für Normung CEN unter dem Projektnamen TC 436 seit sechs Jahren an einem Standard für Kabinenluft. Und im September will sie offenbar ihren ersten Vorschlag für eine Regelung vorlegen, schreibt die Zeitung Handelsblatt. Verbindlich wird sie aber nicht sein. Denn dazu müsste sie die EU-Kommission sie offiziell vorschreiben.

Unter anderem bessere Ausbildung

Das ist aber kaum zu erwarten. Zu wenig eindeutig sind die wissenschaftlichen Belege für das aerotoxische Syndrom und zu klar die Abwehrhaltung der Branche. Am Ende werde es daher bei Empfehlungen bleiben. Lediglich bessere Wartung, bessere Ausbildung und Sensibilisierung der Arbeitnehmer sollen vorgeschrieben werden, so das Handelsblatt.

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