Pilot und Passagiere: Toxische Kabinenluft?

Giftige DämpfeMediziner warnt vor Kabinenluft

Wie schädlich ist die Luft in einer Flugzeugkabine wirklich? Die Autopsie eines verstorbenen Piloten könnte nun die Antwort auf diese Frage geben und in der Branche viel verändern.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Trainer Aircraft Chief Engineer

Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Flugzeugwerke AG
Schweiz
Vollzeit
Top jobs
k5 logo

Captain A320 (m/w/d)

K5-Aviation GmbH
München, Hamburg, Stuttgart
Feste Anstellung
Business Aviation
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
logo-gi-group

Teamleiter (gn) am Flughafen Hamburg

Hamburg
Feste Anstellung
Gi Group Recruiting
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
Hahnair Logo

Deputy Continuing Airworthiness Manager (all genders)

Düsseldorf
Feste Anstellung
Hahn Air Lines GmbH
Deutschland
Vollzeit
Top jobs

Für Susan Michaelis ist der Fall klar. «Man weiß seit 1954, dass es extrem schädlich ist, Dämpfe von erhitztem synthetischen Maschinenöl ausgesetzt zu sein. Und es gibt ganz klare Hinweise auf eine erhöhte Häufigkeit solcher Gesundheitsprobleme bei Flugbegleitern und Piloten», sagte die ehemalige Pilotin und jetzige Beraterin für Bord-Gesundheit einmal in einem Interview mit aeroTELEGRAPH. Die Häufigkeit von Arbeitsunfähigkeit und Tod sei bei Piloten 400 Prozent größer als bei Berufsgruppen, die nicht solchen Dämpfen ausgesetzt sind.

Viele Studien beschäftigen sich seit Jahren mit dem Phänomen der giftigen Dämpfe an Bord von Flugzeugen. Die Airlines halten dagegen. Man untersuche die Luft regelmäßig und es seien keine Auswirkungen auf die Gesundheit bemerkbar, so der Tenor. Die Meinungen der beiden Seiten scheinen unverrückbar.

Schwindel, Taubheitsgefühl, Tod

Daran änderte vorerst auch der Schlagzeilen machende Hinschied von Richard Westgate nichts. Ein Kausalzusammenhang zwischen dem Tod des ehemaligen Piloten von British Airways und der Kabinenluft sei nicht belegbar, so viele in der Branche. Westgate mit 2011 plötzlich unter Schwindel, Taubheitsgefühl und enormen Kopfschmerzen. Es wurde immer schlimmer, der Pilot musste in die Frührente - erhielt aber sein volles Gehalt.

Westgate selbst war überzeugt, dass er wegen des so genannten aerotoxischen Syndroms krank war und beauftragte seinen Anwalt, das zu beweisen. 2012 starb er. Zwei Jahre später erregte eine Studie Aufsehen, die die Belastung mit toxischen Dämpfen im Cockpit untersuchte. Sie bestätigte die These von Westgate.

Mediziner fordert «dringende Maßnahmen»

Doch die Airlines erklärten immer noch, die Beweise seien nicht ausreichend. Ein positives Beispiel ist die deutsche Airline Condor. Bei ihr sind Mitarbeiter seit 2002 gegen Schäden versichert, die mit kontaminierter Luft zusammenhängen. Jetzt könnte sich die Situation generell ändern. Ein Gericht im britischen Bournemouth leitete eine Untersuchung zu Westgates Tod ein. Eine Autopsie soll nun zeigen, ob er an den toxischen Dämpfen starb, die er einatmete.

Ein erster Befund ist alarmierend. Der Gerichtsmediziner verlangt nach seinen ersten Befunden «dringende «Maßnahmen». Er schrieb an die britische Luftfahrtbehörde Civil Aviation Authority und an British Airways und erklärte: «Meiner Meinung nach muss dringend gehandelt werden, um künftige Todesfälle zu verhindern». Normalerweise wird nicht vor Abschluss über Befunde berichtet. Im Fall Westgate aber befand der Gerichtsmediziner es für nötig.

Wegweisendes Ergebnis

Sollte das wirklich der Fall sein, dürfte das in der Branche hohe Wellen schlagen. Denn: Flugzeughersteller erklären zwar bisher, die Kabinenluft erfülle die nötigen Standards, gleichzeitig heißt es aber von Behörden wie der amerikanischen FAA, dass die Tests nicht aussagekräftig genug seien. Sollte der Todesfall nun eindeutig auf giftige Kabinenluft zurückgeführt werden, dürfte die Diskussion an Fahrt gewinnen.

Mehr zum Thema

Europa-Norm soll gesündere Kabinenluft bringen

Europa-Norm soll gesündere Kabinenluft bringen

Cockpit eines Airbus A330 Neo: Woher kommen die Gerüche?

Airbus sucht Quelle der Gerüche in A330 Neo

The grounded Airbus A330 Neo of Air Calin.

Gerüche legen Airbus A330 Neo lahm

Triebwerk: Die Kabinenluft wird über die Triebwerke gewonnen.

Auch Lufthansa und Co. testen Spezialfilter

Video

Der Airbus A321 Neo von Lufthansa bei der Evakuierung: Starker Geruch nach Kerosin.
Kurz nach dem Start Richtung München musste ein Airbus A321 Neo der deutschen Fluglinie umkehren. Nach der sicheren Landung in Athen wurde der Jet von Lufthansa evakuiert. Drei Menschen wurden leicht verletzt.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
Evakuierung des AIrbus A321 Neo von Frontier Airlines: Viele nehmen ihr Gepäck mit.
Nach dem tödlichen Zwischenfall auf der Startbahn in Denver geriet auch die Evakuierung des Airbus A321 Neo in den Fokus. Erneut haben zahlreiche Passagiere trotz Rauchentwicklung ihr Handgepäck mitgenommen. Nun ermitteln die Behörden.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
copa airlines muttertag
Wo können Mutter und Kind den Muttertag am besten verbringen? Im Cockpit, war die Antwort der Familie Freitas bei Copa Airlines.
Timo Nowack
Timo Nowack