Tu-204: Immer mehr alte Flieger kehren in die Flotten russischer Airlines zurück.

Ersatzteilmangel Boeing 747, Antonov An-148, Ilyushin Il-96, Tupolev Tu-204: Russland holt immer mehr alte Jets zurück in die Flotten

Wegen Sanktionen, fehlender Ersatzteile und gekürzter staatlicher Mittel holen russische Airlines immer mehr alte Flugzeuge zurück in den Liniendienst. Was als Notlösung begann, wird für den Luftverkehr des Landes zunehmend unverzichtbar.

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Russlands Airlines greifen immer tiefer in die Vergangenheit, um den Flugbetrieb der Zukunft abzusichern. Angesichts fehlender Ersatzteile, westlicher Sanktionen und gekürzter staatlicher Mittel reaktivieren sie derzeit Flugzeuge, die vielerorts längst Museumsstatus hätten. Was als Übergangslösung gedacht war, wird zunehmend zu einer tragenden Säule für den russischen Luftverkehr.

Nach Angaben des staatlichen Technologie- und Rüstungskonzerns Rostec sollen in den Jahren 2026 und 2027 insgesamt zwölf ältere Flugzeuge wieder in den Liniendienst zurückkehren. Dazu zählen neun Tupolev Tu-204/214, ein Antonow An-148 sowie zwei Ilyushin Il-96. Die Arbeiten an den Maschinen laufen bereits seit 2022. Zehn der zwölf Flugzeuge seien inzwischen wieder einsatzbereit, berichtete die Zeitung Izvestia unter Berufung auf Rostec.

Rossiya Airlines baut Flotte von Boeing 747 aus

Westliche Sanktionen seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 haben den Zugang zu neuen Flugzeugen und Originalersatzteilen weitgehend abgeschnitten. Russische Fluggesellschaften sind seither gezwungen, ihre bestehenden Flotten so lange wie möglich am Leben zu halten, unter anderem durchs Russland,Russ stillgelegter Maschinen oder über inoffizielle Importkanäle.

Parallel dazu kehren auch ausländische Flugzeuge zurück in den Dienst. Rossiya Airlines baut aktuell ihre Flotte von Boeing 747 aus, die sie aus dem Nachlass der insolventen Transaero übernommen hatte. Zwei dieser Großraumflugzeuge sind bereits wieder im Einsatz. Ein drittes, rund 24 Jahre altes Exemplar wurde im November 2025 reaktiviert. Ein viertes soll bis 2027 folgen. Teile der Aufarbeitung könnten dabei laut Berichten in mit Russland verbündeten Staaten wie dem Iran erfolgen.

Staat kürzt Mittel für Wartung und Flottenausbau

Die Reaktivierungswelle fällt in eine Phase massiver Kürzungen staatlicher Mittel. Laut eines Entwurfs des russischen Haushaltsplans für die Jahre 2026 bis 2028 sollen die Ausgaben für die zivile Flugzeug- und Hubschrauberproduktion 2026 um den Faktor 1,6 sinken – von 139,6 Milliarden Rubel (rund 1,47 Milliarden Euro) auf 85,7 Milliarden Rubel (etwa 0,90 Milliarden Euro). Subventionen für die Erneuerung der Flotten russischer Fluglinien sollen vollständig gestrichen werden, nachdem sie 2025 noch bei 1,3 Milliarden Rubel (rund 14 Millionen Euro) lagen.

Auch die Unterstützung für Wartung und Instandhaltung wird gekürzt: von 6,1 Milliarden Rubel (etwa 64 Millionen Euro) auf 3,6 Milliarden Rubel (rund 38 Millionen Euro). Lediglich das Mittelstreckenprojekt MS-21 soll mehr Geld erhalten - die entsprechenden Zuschüsse sollen 2026 um 25 Prozent steigen.

Mehr als 100 Flugzeuge könnten bis 2030 verschwinden

Wie angespannt die Lage ist, zeigen Zahlen der russischen Luftfahrtbehörde Rosaviatsiya. Demnach betrieben russische Airlines im Oktober 2025 noch 1088 Flugzeuge. Rund 67 Prozent waren ausländischer Bauart. Der Chef der Behörde, Dmitry Yadrov, warnte bereits davor, dass in den kommenden Jahren viele Flugzeuge außer Dienst gestellt werden könnten. Bis 2030 könnten mehr als 100 ausländische Flugzeuge aus den Flotten verschwinden.

Eigentlich sollte ein staatliches Programm diese Lücke schließen. Vorgesehen war, zwischen 2023 und 2025 insgesamt 127 neue Flugzeuge an russische Airlines auszuliefern – darunter Superjets, Il-114-Turboprops und Tu-214. Tatsächlich kamen in diesem Zeitraum jedoch lediglich zwölf Superjets und eine Tu-214 hinzu. Letztere wird laut der Nachrichtenagentur Reuters nicht im kommerziellen Linienverkehr eingesetzt, sondern von Vizepremier Denis Manturow genutzt.

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