Die McDonnell Douglas MD-11 von UPS: verunglückte beim Start.

UPS-UnglückCockpit-Aufnahmen der verunglückten McDonnell Douglas MD-11 mit KI rekonstruiert - Behörde reagiert alarmiert

Tonaufnahmen aus dem Cockpit eines verunglückten Flugzeugs dürfen in den USA nicht veröffentlicht werden. Öffentliche Behördenunterlagen machten nun aber eine Rekonstruktion der Stimmen aus der abgestürzten McDonnell Douglas MD-11 von UPS möglich. Das NTSB reagiert.

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Wenn Unfallermittler ein Unglück in der Luftfahrt untersuchen, veröffentlichen sie normalerweise einen oder mehrere Zwischenberichte und einen Abschlussbericht. Bei diesem abschließenden Bericht handelt es sich meist um ein Dokument mit viel Text sowie Bildern, Grafiken und Daten. Das National Transportation Safety Board NTSB bietet mehr.

Die Untersuchungsbehörde der USA veröffentlicht bei größeren Fällen zusätzlich ein sogenanntes Docket, eine Akten- und Dokumentensammlung zum Unglück. Die Menge an Informationen ist enorm. Zur Kollision eines Black-Hawk-Helikopters mit einer Bombardier CRJ 700 über dem Potomac River im Januar 2025 beispielsweise enthält das Docket 258 Dokumente, allein eines davon ist 1384 Seiten lang. Ebenfalls enthalten: eine abspielbare Simulation einer Cockpitanzeige (Cockpit Display of Traffic Information).

Daten aus Bild machen Ton-Rekonstruktion möglich

Bis vor Kurzem fand sich in manchem Docket auch etwas, das das NTSB als Sound Spectrum Imagery bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine visuelle Darstellung der Tonaufnahme des Stimmrekorders (Cockpit Voice Recorder, kurz CVR). Dieses statische Bild ergänzte eine Transkription der Gespräche und Geräusche aus dem Cockpit. Was das NTSB von Gesetzes wegen aber nicht veröffentlichen darf, ist die Tonaufzeichnung selber.

Doch jetzt ist etwas geschehen, womit die Behörde nicht gerechnet hat: Ein Twitter-Nutzer und Youtuber namens Scott Manley fand solch ein Spektrogramm im Docket zum Absturz der McDonnell Douglas MD-11 von UPS. Und meinte: Er sei sich nicht sicher, ob es eine gute Idee des NTSB sei, das Bild zu veröffentlichen, «da man aus den in diesem Bild kodierten Megabytes an Daten wahrscheinlich einen Großteil des Tonaufzeichnungsmaterials rekonstruieren kann».

Tonaufnahme aus Cockpit der MD-11 reskonstruiert

Ein weiterer Nutzer namens John McElhone antwortete: «Ich konnte die Tonaufnahme grob aus dem Spektrogramm rekonstruieren». Mithilfe des KI-Programmierassistenten Codex habe er für diese Rekonstruktion lediglich zehn Minuten gebraucht. McElhone veröffentlichte das Ergebnis nicht, erklärte aber, er habe das NTSB per E-Mail über all das informiert.

Laut dem Sender CNN soll eine nicht genannte Person aber ein so rekonstruiertes Audio-Dokument von den letzten 30 Sekunden des tödlichen Fluges veröffentlicht haben.

«Respekt gegenüber den Unfallopfern und ihren Familien»

Die Behörde reagierte. «Das NTSB ist sich bewusst, dass Fortschritte in der Bilderkennung und bei Berechnungsmethoden es Einzelpersonen ermöglicht haben, aus den im Rahmen von NTSB-Untersuchungen veröffentlichten Klangspektrum-Darstellungen annähernde Rekonstruktionen der Tonaufzeichnungen aus dem Cockpit zu erstellen, darunter auch im Rahmen der laufenden Untersuchung des Absturzes von UPS-Flug 5X2976 im vergangenen Jahr in Louisville, Kentucky», so die Behörde in einer Stellungnahme am 21. Mai. Sie schaltete das Docket-System ab. Ein NTSB-Sprecher erklärte gegenüber CNN: «Niemand war sich bewusst, dass man aus einem Bild Tonaufnahmen rekonstruieren kann.»

NTSB-Chefin Jennifer Homendy nannte solche Rekonstruktionen «äußerst beunruhigend». «Gesetze gegen die Veröffentlichung von Cockpitstimmenrekorder-Aufnahmen dienen dem Schutz der Privatsphäre, der Wahrung der Integrität der NTSB-Untersuchungen sowie dem Respekt gegenüber den Unfallopfern und ihren Familien in einer Zeit großer Trauer», so Homendy.

NTSB schaltet Dokumentensammlung wieder frei

Am folgenden Tag gab es ein Update: «Der Zugriff auf das Docket-System wurde nun für alle Untersuchungen wiederhergestellt, mit Ausnahme von 42 Untersuchungen, die noch geprüft werden», so das NTSB. Sobald diese Prüfungen abgeschlossen seien, einschließlich des Dockets zum UPS-Flug 5X2976, werde auch da der Zugriff wieder hergestellt.

Scott Manley, der auf das Problem aufmerksam gemacht hatte, kommentierte: «Um es klar zu sagen: Es gab keinen 'Fortschritt in der Bilderkennung', der erforderlich gewesen wäre.» Es handele sich um eine alte Idee, die nun durch KI-Unterstützung einfacher umzusetzen sei.

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