Cockpit und Medikamente: Das NTSB hat neue Zahlen zu tödlichen Unglücken.

Piloten und PilotinnenImmer mehr Medikamenten- und Drogennachweise bei tödlichen Flugunfällen in den USA

Die amerikanische Behörde für Unfalluntersuchungen analysiert seit vielen Jahren, wie viele tödlich verunglückte Piloten und Pilotinnen Medikamente oder Drogen im Blut hatten. In der neuesten Erhebung zeigt sich: Die Zahl der Nachweise steigt.

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Wenn in den USA ein Flugzeug verunglückt, sind schnell Menschen mit dem Schriftzug NTSB auf der Warnkleidung vor Ort. Es handelt sich um Ermittlerinnen und Ermittler des National Transportation Safety Board NTSB. Doch die Untersuchungsbehörde ist nicht nur schnell da und untersucht die Unglücke. Sie stellt auch langfristige Analysen an.

Dazu gehören auch Untersuchungen zum Nachweis von Substanzen bei tödlich verunglückten Piloten und Pilotinnen. Der Begriff Substanzen (im Englischen drugs) umfasst sowohl Medikamente als auch illegale Drogen. Das NTSB hat solche Untersuchungen für die Zeiträume von 1990 bis 2012 und von 2013 bis 2017 angestellt. Und jetzt, Mitte Mai 2026, hat die Behörde ihre neueste Analyse für die Jahre 2018 bis 2022 veröffentlicht.

Substanzen bei mehr als der Hälfte der Opfer nachgewiesen

In diesen fünf Jahren kamen in den Vereinigten Staaten bei Unfällen in der Zivilluftfahrt 984 Pilotinnen und Piloten ums Leben, für 930 von ihnen lagen toxikologische Daten vor. 906 waren Piloten (97,4 Prozent), 24 waren Pilotinnen (2,6 Prozent). Das Durchschnittsalter lag bei 57 Jahren - ein Jahr höher als bei der Untersuchung der Jahre 2013 bis 2017.

Das zentrale Ergebnis: 52,8 Prozent der tödlich verunglückten Menschen im Cockpit wurden positiv auf mindestens eine Substanz jeglicher Art getestet, 27,7 Prozent auf zwei oder mehr Substanzen. Zum Vergleich: Zwischen 2013 und 2017 waren es 47,1 Prozent und 24,4 Prozent. Davor lagen die Werte noch deutlich niedriger.

Spitzenreiter Diphenhydramin, Zuwachs bei Marihuana

«Zu den identifizierten Substanzkategorien, die am häufigsten nachgewiesen wurden, zählten Herz-Kreislauf-Medikamente, sedierende Antihistaminika, nicht-sedierende rezeptfreie Medikamente, cholesterinsenkende Mittel, Medikamente gegen Prostata- oder Erektionsprobleme sowie illegale Drogen», schreibt das NTSB. Antihistaminika werden gegen Allergien, Schlafstörungen und Reiseübelkeit eingesetzt, und sedierend bedeutet, dass sie das zentrale Nervensystem dämpfen und dadurch oft auch müde machen.

Der Nachweis von Substanzen, die potenziell die Flugtauglichkeit beeinträchtigen, stieg von 28,0 auf 28,6 Prozent an. Dabei blieb das sedierende Antihistaminikum Diphenhydramin das am häufigsten nachgewiesene Medikament in dieser Kategorie. Der Nachweis illegaler Drogen stieg von 5,0 auf 7,4 Prozent - primär bedingt durch einen Zuwachs bei Delta-9-Tetrahydrocannabinol, dem wichtigsten psychoaktiven Inhaltsstoff von Marihuana.

Welche Crews die wenigsten Nachweise hatten

Wie häufig Substanzen nachgewiesen wurden, stand mit mehreren Faktoren in Zusammenhang, darunter Alter und Lizenz der Person sowie Art des Flugbetriebs. So wurden beispielsweise Medikamente, die potenziell die Flugtauglichkeit beeinträchtigen, sowie Medikamente, die auf potenziell beeinträchtigende Erkrankungen hinweisen, bei älteren Pilotinnen und Piloten häufiger nachgewiesen.

Bei Cockpitcrews, die kommerzielle Charterflüge durchführten, wurden seltener Substanzen aller Art nachgewiesen als bei Flügen der Allgemeinen Luftfahrt. In Bezug auf die Lizenz gab es bei Verkehrs- sowie Berufspilotinnen und -piloten (Airline Transport Pilot, Commercial Pilot) die wenigsten Nachweise.

Änderungen bei Tests kann auch Einfluss haben über Jahre

Das NTSB erklärt einschränkend, dass Veränderungen bei der Empfindlichkeit von Tests sowie bei den Testprotokollen durchaus zu einigen der beobachteten Anstiege beigetragen haben könnten. Außerdem betont die Behörde, dass der Nachweis von Substanzen nicht zwangsläufig auf eine Beeinträchtigung der Flugtauglichkeit hinweist. «Vielmehr dokumentiert die Studie Trends beim Nachweis von Substanzen und liefert den Kontext zum Verständnis von Faktoren, die die Flugsicherheit beeinflussen können», schreibt das NTSB.

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