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Selbststandig boarden, Zeit sparen

Eigentlich könnte alles so einfach sein: Wenn Passagiere selbstständig an Bord gehen, spart das einiges an Zeit - zeigt das Beispiel JAL.

Hideyuki KAMON/Wikimedia/CC

Kabine von JAL: Hier kommen die Passagiere besonders schnell an Bord.

Check-In, Sicherheitsüberprüfung und dann noch das Einsteigen. Alles Prozeduren, die einiges an Zeit in Anspruch nehmen – und an den Nerven zerren. Beim Checkin haben Passagiere immerhin die Möglichkeit, das Ganze schon am Vorabend im Internet zu erledigen, Sicherheit ist etwas, worauf wohl jeder Fluggast viel Wert legt. Bliebe das Boarding als zentrales Problem. Airlines probieren immer wieder neue Methoden aus, wie sie ihre Passagiere am schnellsten in den Flieger bekommen. Zuletzt sorgte American Airlines für Aufsehen, als sie das Vorgehen umstellte. Doch was eigentlich für eine Effizienzstiegerung sorgen sollte, raubte sowohl den Passagieren als auch den Flugbegleitern den letzten Nerv (aeroTELEGRAPH berichtete). Und selbst Wissenschaftler haben sich schon damit auseinander gesetzt, wie man die Reisenden möglichst stressfrei in die Kabine schafft – nur hört keine Fluggesellschaft darauf.

Aber eigentlich sollten sich alle ein Beispiel an Japan Airlines (JAL) nehmen. Self Boarding lautet die Lösung für das Zeitproblem. Laut Strategiechef Hideyuki Isomura kann die Fluggesellschaft damit 500 Passagiere in nur zehn Minuten an Bord bringen. Wie das funktioniert: Alle Aspekte des Abflugs werden kombiniert, der Passagier wird dadurch viel selbstständiger beim Einteilen seiner Zeit bis zum Abflug. Der Schlüssel dabei ist aber das Web Checkin. 20 Minuten weniger brauchen die Reisenden dadurch, um ihre Taschen loszuwerden, rund 15 Minuten weniger beim Sicherheitscheck, 10 Minuten sparen sie beim Einsteigen.

Vier Boardingutensilien

Das System gibt es bereits seit 2005. Die automatischen Gates öffnen sich, wenn ein Passagier eines von vier Boardingutensilien nutzt: den Boardingpass aus Papier, den auf ihrem Mobiltelefon, den Chip auf seiner Vielfliegerkarte oder die App, die er sich auf das Smartphone laden kann. So können die Reisenden, je nach Belieben, bis zu 15 Minuten vor Abflugzeit den Flieger betreten. Und die Methode scheint Früchte zu tragen: JAL’s Pünktlichkeitsrate von rund 90 Prozent ist branchenweit sehr beachtlich.

Auch in Europa und den USA testet man die Methode schon aus. Das größte Problem stellen dabei allerdings Sicherheitsbedenken dar. Pilotprogramme gibt es dennoch. So hat etwa Delta am McCarran International Airport in Las Vegas ein vergleichbares System ausprobiert. Das ist allerdings noch nicht ganz so technisiert wie das von JAL: Die Reisenden können den Strichcode ihres Boardingpasses einscannen, damit das Gate sich öffnet. Und das scheint einige Probleme zu bergen.

Ungeduld ist das größte Problem

Das größte davon ist die Ungeduld der Passagiere. «Die Positionierung des Strichcodes scheint eine größere Herausforderung zu sein, als man zunächst denkt», so Samuel Ingalls, Zuständiger des Flughafens in Las Vegas gemäß Msnbc.com. Offenbar wischen die meisten Reisenden die Tickets am Scanner vorbei, als würden sie einen Strichcode an der Supermarktkasse einlesen. Dabei sei es viel einfacher, das Papier still zu halten.

Doch ein anderes Problem führte dazu, dass das Pilotprogramm vorerst wieder stillgelegt wurde: Die Regeln der US-Luftfahrtbehörde FAA sehen vor, dass das Personal der Airline mit den Passagieren, die in den Reihen mit Notausgängen Platz nehmen, ein persönliches Gespräch führen, bevor sie an Bord gehen. Tun diese das selbstständig, wird es schwer, diese Vorgabe zu erfüllen. Ingalls ist trotzdem optimistisch, dass der Test Früchte tragen wird: «Wir stehen gerade erst am Anfang.»



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