Ein Airbus A320 von Aeroflot: Die westlichen Sanktionen haben massive Auswirkungen auf die russische Luftfahrt.

HackerangriffRusslands Luftfahrt «am Rande des Zusammenbruchs»?

Die Ukraine will durch einen Cyberangriff an sensible Daten der russischen Luftfahrtbehörde gekommen sein. Die zivile Luftfahrt des Landes befinde sich kurz vor dem Kollaps, belegten die gehackten Daten.

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Mit harten Sanktionen gegen Russland reagierte der Westen auf den Angriff auf die Ukraine. Und sie treffen auch die Luftfahrt. Der massive Ersatzteilmangel lässt die russische Luftfahrtbehörde und Fluggesellschaften erfinderisch werden. Es werden selbst erstellte Wartungsanweisungen herausgegeben sowie eigene Ersatzteile produziert. Was bisher stets fehlte, war ein Gesamtbild der Auswirkungen - bis jetzt.

Denn das ukrainische Verteidigungsministerium hat mitgeteilt, dass der Geheimdienst des Landes eine erfolgreiche Cyberoperation gegen die russischen Zivilluftfahrtbehörde Rosaviatsiya durchgeführt habe. Dabei sei man in den Besitz «einer großen Menge vertraulicher Dokumente» gekommen. Der zivile Luftfahrtsektor Russlands stehe «am Rande des Zusammenbruchs», urteilen die Ukrainer.

Fliegen in Russland werde gefährlicher

Unabhängig überprüfen lassen sich die veröffentlichten Daten nicht. Die ukrainische Behörde hat, um die Behauptungen zu untermauern, Screenshots mehrerer Dokumente veröffentlicht und einige Fakten aufgelistet. Demnach wurden Flugreisen in Russland seit Kriegsbeginn drei Mal gefährlicher. Gab es in den ersten neun Monaten von 2022 noch 50 Zwischenfälle, sind es gemäß den Daten der Luftfahrtbehörde für den gleichen Zeitraum 2023 schon 150.

Russische Fluggesellschaften hätten vorrangig Probleme mit Triebwerken und Fahrwerken. Aber auch weitere wichtige Elemente wie Hydrauliksysteme, Landeklappen und Software würden die Airlines vor Herausforderungen stellen, schreibt Rosaviatsiya.

Nur noch 30 Prozent Original-Reparaturen

Vor Kriegsausbruch setzten russische Fluggesellschaften vorrangig auf Flugzeuge von Airbus, Boeing und Embraer. Laut der gehackten Daten sollen es etwa 820 zivile Flugzeuge ausländischer Hersteller gewesen sein. Während schon damals rund zehn Prozent der Reparaturen mit nicht originalen Ersatzteilen und nicht zertifizierten Anweisungen durchgeführt wurden, liegt diese Quote jetzt bei rund 70 Prozent.

Wenn Fluggesellschaften an Original-Ersatzteile kommen, werden diese meist aus China, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran importiert. Der Iran spielt laut der Veröffentlichung auch eine wichtige Rolle für die russische Luftfahrt. Aufgrund des Mangels an Wartungskapazitäten und Fachkräften versuche Moskau, die Wartung in den Iran zu verlagern. Allerdings leidet auch der Iran unter eigenen Sanktionen, weswegen auch dort die Arbeiten ohne die entsprechende Zertifizierung ausgeführt würden.

Flugzeugkannibalismus nimmt zu

Im Sommer 2022 sorgte Russland für Verwunderung als bekannt wurde, dass Aeroflot einen fast fabrikneuen neuen Airbus A350 ausgeschlachtet hatte, um an Ersatzteile zu kommen, mit denen sie andere der Airbus-Jets reparieren konnte. Laut den gehackten Geheimdienstdaten soll diese Form des Flugzeugkannibalismus dazu geführt haben, dass bis Mitte 2023 mehr als 35 Prozent der Flugzeuge in Russland als Ersatzteilspender dienen.

Statt westlichen Maschinen setzt die russische Führung auf Flugzeuge aus der heimischen Produktion. Aber auch diese Maschinen sorgen wohl für Probleme. So soll es allein im Januar 2023 zu 34 Zwischenfällen mit dem Superjet 100 gekommen sein. Auch zahlreiche Antonov An-2 seien zwangsgegroundet,  da Motoren fehlen - sie werden in Polen hergestellt.

Russland bestreitet den Angriff

Rosaviatsiya bestreitet den Hackerangriff. Die Behörde sagte, dass es sich bei dem Vorfall um einen einfachen DDoS-Angriff (Distributed Denial of Service) handele und «keine Auswirkungen auf die Arbeit der Luftfahrtindustrie im Land» habe.

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