Letzte Aktualisierung: 12:58 Uhr

Italienischer Flugzeugbauer

Piaggio Aerospace ist insolvent

Der traditionsreiche italienische Flugzeugbauer hat einen Insolvenzantrag gestellt. Der Turboprop-Flieger Avanti brachte Piaggio Aerospace ebenso wenig den Erfolg wie ein unbemanntes Aufklärungsflugzeug.

Piaggio Aerospace ist einer der ältesten Flugzeugbauer der Welt. 1922 hob die Piaggio P1 zum ersten Mal ab. Seit 2015 kontrolliert die Investmentgesellschaft Mubadala aus Abu Dhabi das italienische Unternehmen komplett. Trotz der langen Tradition und der Finanzen vom Golf hat der Hersteller nun am Donnerstag (22. November) aber Insolvenz angemeldet.

Piaggio Aerospace wird von italienischen Medien mit den Worten zitiert, die schwierige Entscheidung sei gefallen, da das Unternehmen durch anhaltende Unsicherheiten und die aktuellen Marktbedingungen finanziell nicht mehr überleben könne. Der Flugzeugbauer habe beim Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung einen Antrag für ein spezielle Verfahren gestellt, heißt es weiter. Es wird nicht liquidiert, sondern steht nun unter Gläubigerschutz. Ziel ist es mit neuen Strukturen und befreit von altem Ballast neu starten zu können. Es wurde ein Sonderverwalter eingesetzt.

Avanti Evo und P.1HH keine Erfolge

Piaggio ist vor allem bekannt für die P180 Avanti – ein spezielles Flugzeug. Die Turboprop-Triebwerke sind als Druckpropeller nach hinten gerichtet und der Flieger besitzt zusätzlich kleine Tragflügel an der Nase. Seit 1990 produziert das Unternehmen mit Sitz in Genua das Flugzeug, das oft militärisch oder polizeilich genutzt wird. Die neueste Variante, die Avanti Evo, vermarktet Piaggio als Businessflugzeug. Aufgrund schleppender Verkäufe verkündeten die Italiener 2017 eine Reihe von Maßnahmen, um den Flieger konkurrenzfähiger zu machen.

Auch Piaggios anderes Standbein blieb hinter den Erwartungen zurück: das unbemannte Aufklärungsflugzeug P.1HH Hammerhead. Erste Auslieferungen waren für den Sommer geplant, es ist jedoch unklar, ob sie wirklich stattfanden. Unterstützung von der italienischen Regierung für die Entwicklung einer P.2HH blieb aus.

Gewerkschaften fürchten um Stellen

Piaggio und Mubadala hatten 2017 einen Fünfjahres-Plan aufgestellt, um die Firma wieder auf Kurs zu bringen. Im Mai 2018 bekamen die Italiener eine Finanzspritze in Höhe von 255 Millionen Euro. 2019 wollten sie wieder aus den roten Zahlen kommen und bis 2022 die Produktion auf 30 Avanti Evo pro Jahr steigern. All das ist nun in weite Ferne gerückt. Italienische Gewerkschaften sehen bis zu 1200 Arbeitsplätze bei Piaggio Aerospace in Gefahr.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie Aufnahmen der Modelle von Piaggio.

Schön, dass Sie hier sind. Unsere erfahrenen Journalisten bieten Ihnen 365 Tage pro Jahr Nachrichten und Hintergründe. Gratis. Das wird so bleiben. Um unser Angebot weiter zu verbessern, haben wir ein Vielleser-Programm gestartet. Damit finanzieren wir aufwendige Recherchen und die Umsetzung neuer Ideen. Ihr Beitritt hilft, den unabhängigen Luftfahrtjournalismus zu stärken. Und nebenher profitieren auch Sie. Jetzt Mitglied werden!



Die Redaktion behält sich das Recht vor, Kommentare zu moderieren und zu kürzen. Kritische Diskussionen sind willkommen. Beschimpfungen oder Kommentare mit rassistischem, sexistischem, themenfremdem, rein politischem oder beleidigendem Inhalt hingegen werden entfernt. Es besteht kein Recht auf Veröffentlichung. Über die Entscheide der Moderatoren wird keine Korrespondenz geführt.