Flugzeug von Austrian Airlines: Die Sommersaison führt zu Stress.

ÜberlastungPersonal von Austrian Airlines klagt über Druck durch Vorgesetzte

Bei Austrian Airlines meldeten sich zuletzt viele Crewmitglieder als überlastet vom Dienst ab. Die Lufthansa-Tochter bittet die Betroffenen zum Gespräch. Das empfinden viele als Druck.

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Von wenig auf sehr viel in wenigen Wochen: Die Corona-Variante Omicron führte dazu, dass europäische Fluggesellschaften im vergangenen Winter ihr Angebot wieder deutlich zurückfahren mussten. Auf den Dämpfer folgte im Frühjahr dann der Buchungsboom.

Als viele Länder ihre Schutzmaßnahmen aufhoben, nutzten die Menschen das, um in Scharen Urlaub nachzuholen. Und so hatten viele Fluggesellschaften im Sommer schon wieder ein Angebot so üppig wie vor der Pandemie. Doch zugleich mangelte es an Personal. Das forderte die Angestellten bis ans Limit - und manchmal darüber.

«Angespannte Stimmung»

Das spürte auch Austrian Airlines. Die Stimmung sei «durchaus angespannt», erklärte im Juni Vorstandsvorsitzende Annette Mann im Interview mit aeroTELEGRAPH. «Bei gleichzeitigem Gehaltsverzicht und hoher Inflationsrate belastet das die Kolleginnen und Kollegen.»

Auch viele fliegende Mitarbeitende von Austrian Airlines brachte der Kickstart mit wieder richtig vollen Dienstplänen offenbar an den Anschlag. Und so meldeten sie sich auch mal als überlastet oder übermüdet vom Dienst ab. Im Branchenjargon spricht man davon, sie hätten sich unfit gemeldet. Die Zahl der Meldungen liege um ein Vielfaches über der üblichen Quote, erklären Kenner der Verhältnisse.

Ungewöhnliches Vorgehen bei Austrian Airlines

Sich unfit zu melden, ist bei Fluggesellschaften explizit erlaubt - weil es der Sicherheit dient, wenn gestresste und übermüdetes Kabinen- und Cockpitpersonal nicht fliegt. Die Mitarbeitenden müssen ihre Meldungen begründen und erklären, weshalb sie den Dienst nicht antreten können. Eine spezialisierte Stelle wertet die Meldungen aus, um Probleme im Betrieb zu erkennen.

Doch die österreichische Lufthansa-Tochter reagierte mit einer ungewöhnlichen Maßnahme auf die Vervielfachung der Meldungen wegen Überlastung. «Aktuell werden viele fliegende Kolleginnen und Kollegen zu Fürsorgegesprächen geladen», so ein Betroffener gegenüber aeroTELEGRAPH. «Selbst wenn man sich aufgrund der inzwischen unfliegbaren Dienstpläne auch nur ein Mal als unfit gemeldet hat, muss man bei einer Führungskraft vorsprechen.» Die Gewerkschaft Vida bestätigt die Zunahme.

Gewerkschaft befürchtet gegenteiligen Effekt

Fürsorgegespräche sind zur Prävention gedacht. Sie dienen dazu, frühzeitig Gesundheitsbelastungen zu erkennen, um danach Abhilfe zu schaffen und etwa Arbeitsabläufe oder Dienstpläne anpassen zu können. So sollen künftig Überlastungen verhindert werden.

Gemäß der Gewerkschaft empfinden die Pilotinnen und Piloten sowie das Kabinenpersonal von Austrian Airlines die aktuellen Gespräche ganz anders. «Die Kritik, die wir zunehmend dabei wahrnehmen, ist, dass die Betroffenen diese Fürsorgegespräche als Druck empfinden. Also genau das Gegenteil, was sie eigentlich bezwecken sollen», sagt Daniel Liebhart, bei der Gewerkschaft Vida für die Luftfahrt zuständig. Dies liege auch daran, dass Vorgesetzte und nicht die Fachstelle die Gespräche führen.

«Um Druck auf die Betroffenen auszuüben»

Die aktuellen Fürsorgegespräche würden beim fliegenden Personal von Austrian Airlines aufgrund von Überlastung geführt, so der Arbeitnehmervertreter. «Das liegt häufig an einer verfehlten Dienstplanung - insbesondere, wenn diese Gespräche, wie derzeit bei der Austrian, gehäuft auftreten», so Liebhart. Das Feedback aus den Gesprächen müsse beim Unternehmen zu Anpassungen führen.

«Passiert dies nicht, wird das Fürsorgegespräch lediglich als Vorwand genommen, um Druck auf die Betroffenen auszuüben», sagt Liebhart. Dies widerspreche klar dem Präventionsgedanken. «In einem Flugbetrieb würde dies ebenso dem Sicherheitsgedanken widersprechen, da jede Überlastung auch ein Sicherheitsrisiko beinhaltet.»

Austrian Airlines weist Vorwürfe von sich

Austrian Airlines sei die Gesundheit der Mitarbeitenden besonders wichtig, erklärt dagegen eine Sprecherin der Fluggesellschaft. Darum werde kein Besatzungsmitglied im Flugbetrieb eingesetzt, das sich unfit melde. «Die Sicherheit unserer Fluggäste und Crews hat immer Vorrang.»

Wenn in Einzelfällen die Sorge bestehe, dass es einem oder einer Mitarbeitenden nicht gut gehen könnte, «wird im Sinne der Fürsorgepflicht ein Fürsorgegespräch geführt, um das persönliche Wohlbefinden des jeweiligen Crew-Members zu verifizieren beziehungsweise um auf Basis von Erfahrungswerten Verbesserungen im operativen Bereich vornehmen zu können», so die Airline-Sprecherin weiter.

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