Letzte Aktualisierung: um 22:02 Uhr

ACAE CJ-1000A

Neues Triebwerk soll China unabhängig machen

Der chinesische Flugzeugbauer will sein eigenes Triebwerk entwickeln, um nicht von anderen abhängig zu sein. Russland geht denselben Weg.

Seit längerer Zeit tüftelt man in China an eigenen Flugzeugen. Mit der ARJ21 schickte der Flugzeugbauer Comac 2016 ein erstes Modell ins Rennen. Die neuste Kreation trägt die Bezeichnung C919 und soll Airbus und Boeing mit ihren A320 und 737 bedrängen.

Noch ist Comac dabei aber auf ausländische Lieferanten und Technologie angewiesen. Um weniger davon abhängig zu sein, entwickelt Aero Engine Cooperation of China seit rund zehn Jahren ein eigenes Turbofantriebwerk namens CJ-1000A. Es wird der neue Antrieb für die Comac C919 sein. Das sieht zumindest der von der Regierung gegebene Fünfjahresplan 2021 bis 2025 vor, der dieser Tage verabschiedet wurde.

Angst vor Exportverbot

Bisher wurde der Kurz- und Mittelstreckenflieger vom Leap-1C-Triebwerk der französischen Herstellerin CFM angetrieben. Zuletzt geriet die Volksrepublik aber in Not, als die Regierung der Vereinigten Staaten in Erwägung zog, die Lieferung wichtiger Teile in das Land zu unterbinden. Zwar darf China nun doch die benötigten Teile in den USA kaufen. Dennoch wird die Zukunft im CJ1000A gesehen, das sicher vor Sanktionen und Exportverboten ist.

Das CJ-1000A wird 3,29 Meter lang sein und hat einen Durchmesser von 1,95 Meter. Das Nebenstromverhältnis soll größer als 9:1 werden und der maximale Schub wird mit 98 bis 196 Kilonewton angegeben.

China-Eastern-Tochter wird Erstbetreiber

Der Wunsch nach Motoren der Marke Eigenbau ist nicht neu. Schon längere Zeit forschen Institutionen der chinesischen Regierung an Triebwerkstechnologien. Im Jahr 2019 klagte die US-Regierung chinesische Geheimdienste an, über Hacker Informationen und Details zur Triebwerksforschung entwendet zu haben. China wies die Anschuldigungen zurück.

Die Comac C919 ist auf einem guten Weg, noch dieses Jahr ihre Zulassung zu bekommen. Die ersten Exemplare sollen an die China-Eastern-Tochter OTT Airlines gehen. Erst vergangene Woche stockte die staatliche Airline ihre Bestellung von fünf auf zehn Flugzeuge auf. Sie hält auch noch Optionen auf 15 weitere Exemplare. Eingesetzt wird der Flieger auf Strecken von Shanghai nach Peking, Guangzhou, Shenzen und Chengdu.

Bisher vor allem inländische Kunden

Laut dem Nachrichtenportal China Daily freut sich Comac schon über 730 Bestellungen. Ein Großteil der Orders stammen allerdings aus China. Viele Airlines, die den Flieger auf dem Einkaufszettel haben, sind zudem in staatlicher Hand.

Beim Versuch, den europäischen und amerikanischen Konkurrenten nahezukommen, ist China nicht alleine. Noch vor ein paar Jahrzehnten begeisterte die sowjetische Luftfahrt mit zahlreichen Flugzeugmodellen aus dem Hause Tupolev, Ilyushin oder Antonov. Eine Weile war es still um die Ostblockflieger, mit dem Superjet 100 und der Irkut MS-21 meldete sich Russland aber wieder zu Wort.

Russland fliegt mit eigenem Antrieb

Wie auch die Comac C919 hob die MS-21 im Mai 2017 zum ersten Mal ab. Damals wurde sie vom PW1000G angetrieben, ein Triebwerk von Pratt & Whitney, dass man auch am Airbus A320 Neo findet. Vergangenen Dezember gelang den Russen dann der Durchbruch. Die Irkut MS-21 hob zum ersten Mal mit dem in Russland gefertigten Triebwerk Aviadvigatel PD-14 ab.

Dieser Flug gilt als Meilenstein auf dem Weg in die unabhängige Luftfahrt. Präsident Vladimir Putin persönlich ehrt die Entwickler des Triebwerks und zeichnet den Chefdesigner mit dem Verdienstorden für das Vaterland aus. Das selbst entwickelte Triebwerk erhielt im Februar die Freigabe für die Serienproduktion.

Weitere Projekte auch im Bereich Triebwerke

Neben dem Triebwerk und der MS-21 ist Russland aber noch in weitere bedeutende Projekte involviert. Gemeinsam mit dem Nachbarland China wird der Großraumflieger Craic CR929 entwickelt, um dem A350 und der Boeing 787 Konkurrenz zu machen. Abheben soll der neue Langstreckenjet erstmals 2025. Auch für ihn ist ein eigenes Triebwerk vorgesehen, das russische und chinesische Ingenieure zusammen entwickeln sollen.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Aufnahmen der Comac C919.

 



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