Flieger am Bodensee-Airport Friedrichshafen: Der Flughafen bekommt finanzielle Unterstützung.

Darlehen an Bodensee-Airport«Müssen Friedrichshafen helfen, über Delle zu kommen»

Im Interview erklärt Landrat Lothar Wölfle, warum der Bodenseekreis dem Flughafen Friedrichshafen mit einem Darlehen hilft. Und er sagt auch, ob er in eine neue Intersky investieren würde.

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Mit dem Aus der Heimairline Intersky ist der Bodensee-Airport Friedrichshafen in Schieflage geraten. Er spürt er den Ausfall der Flüge finanziell stark. Die österreichische Regionalairline war für 115.000 Reisende oder 19 Prozent der Passagiere verantwortlich. Gleich hoch war zumindest offiziell der Anteil bei den Gebühreneinnahmen. Gewisse Experten gehen aufgrund der hohen Anzahl der Intersky-Flugbewegungen von einem weitaus höheren Einnahmenanteil aus. Nun bekommt Friedrichshafen Geld vom Landkreis, von der Stadt und vom Bundesland.

Der Bodenseekreis beteiligt sich zusammen mit der Stadt Friedrichshafen und dem Bundesland Baden-Württemberg an einem Darlehen von 3,5 Millionen Euro an den Flughafen. Warum?

Lothar Wölfle*: Der Flughafen Friedrichshafen hat für die gesamte Region eine besondere infrastrukturelle Bedeutung. Der Bodenseekreis ist eine der stärksten, innovativsten und prosperierendsten Wirtschaftsregionen in Deutschland und obendrein eine der beliebtesten Tourismusdestinationen. Deshalb brauchen wir, braucht unsere Wirtschaft, gute Anschlüsse an die deutschen Metropolen und nach Europa.

Aber kann der Flughafen wirklich auf eigenen Füssen stehen – schmeißt man da nicht gutes Geld schlechtem Geld hinterher?

Ich verstehe nicht, was mit dieser Frage gemeint ist. Wir haben als einer der großen Gesellschafter eine Verantwortung gegenüber dem Unternehmen und den dort beschäftigten Menschen. Das Unternehmen ist im Kern gesund. Der Bedarf an guten Verbindungen nach Deutschland und Europa ist da. Die schwarze Null war bis vor dem Wegfall der Intersky ein realistisches Ziel. Nun müssen wir dem Unternehmen helfen, über diese Delle hinweg zu kommen.

Kann der Flughafen ohne Heimanbieter wirklich selbsttragend sein?

Dass ein Regionalflughafen eine bei ihm stationierte Fluggesellschaft hat, war bisher auch schon die absolute Ausnahme und kann nicht als Standard betrachtet werden. Entscheidend ist, dass ein Airport viele attraktive Verbindungen anbietet und somit die entsprechenden Verkehre generiert werden. Damit verdient das Unternehmen dann auch Geld.

Im Umfeld des Bodensee-Airports gibt es aber drei andere Flughäfen, mit Stuttgart und München gar zwei große. Sind das nicht zu viele?

Das entscheidet der Markt. Für unsere Wirtschaft und unsere touristischen Gäste sind direkte Anbindungen an den Bodensee beziehungsweise die wichtigen Destinationen in Deutschland und Europa entscheidend.

Welche Auflagen sind an das Darlehen geknüpft?

Es gibt keine besonderen Auflagen. Allerdings wollen wir gegenüber der Gesellschafterversammlung beantragen, in einem Gutachten die Konzeption zur künftigen wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Regionalflughafens prüfen zu lassen.

Wäre es für den Bodenseekreis auch eine Möglichkeit, in eine neue Bodensee-Airline zu investieren?

Das ist für uns keine Option.

* Lothar Wölfle (CDU) ist Landrat des Landkreises Bodenseekreis. Der Kreis ist mit 39,38 Prozent zusammen mit der Stadt Friedrichshafen (ebenfalls 39,38 Prozent) größter Aktionär des Bodensee-Airports Friedrichshafen.

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