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Aktionäre stimmen für Staatshilfe

Lufthansa hofft auf geringes Interesse an Slots

Auch die Aktionäre geben grünes Licht für Lufthansas staatliches Hilfspaket. Die Fluggesellschaft hofft derweil darauf, vielleicht doch keine Slots abgeben zu müssen.

Airbus

Flügelspitze eines Airbus A350 von Lufthansa: Der Weg für Staatshilfe ist frei.

Zuerst sagte die Europäische Kommission Ja zum deutschen Hilfspaket für Lufthansa, dann die Aktionäre des Konzerns. Am frühen Donnerstagabend (25. Juni) stimmten bei der virtuellen außerordentlichen Hauptversammlung 98 Prozent des anwesenden Kapitals für die Staatshilfen. Damit wurde die notwendige Zweidrittelmehrheit locker erreicht. Eine Insolvenz von Lufthansa ist somit vom Tisch.

Zuvor musste Lufthansas Konzernführung mehr als fünf Stunden Fragen der Aktionäre beantworten. Hatte das Unternehmen zur regulären virtuellen Hauptversammlung Anfang Mai nur 246 Fragen von den Anteilseignern erhalten, waren es nun 638 Fragen – plus Unterfragen. Dabei ging es ihnen nicht nur um das staatliche Hilfspaket, sondern um alle möglichen Themen bis hin zur Wiedereröffnung der Lufthansa-Lounges und zu persönlichen schlechten Erfahrungen mit der Lufthansa-Hotline.

Stundenlanger Frage-Marathon

Alleine die Verlesung und Beantwortung der Fragen des größten Aktionärs Heinz Hermann Thiele dauerten 34 Minuten. Die meisten seiner Anliegen formulierte der 79-Jährige in komplizierten Schachtelsätzen mit vielen Verweisen auf Paragraphen und Absätze. Die Flugbegleiterin, welche die Fragen vortrug, hatte verständlicherweise Probleme, dies flüssig zu tun. Dem Ganzen zu folgen, war für die Zuhörer teilweise eine Herausforderung.

Spannend waren die Antworten der Lufthansa-Führung rund um die 24 Slots, welche die Airline aufgrund von EU-Auflagen täglich in Frankfurt und in München an Wettbewerber abgeben muss. Es wurde deutlich, dass der Konzern durchaus noch Hoffnungen hegt, dass sich kein Abnehmer findet und er die Zeitnischen für Starts und Landungen behalten kann.

Hoffen auf geringer Interesse an Slots

So sagte Vorstandsmitglied Michael Niggemann, die Slots müssten angeboten werden, «das heißt aber noch nicht, dass sie abgegeben werden». Weiter erklärte er, «wenn sich Erwerber für die Lufthansa-Slots finden lassen», müssten sich diese Interessenten zuerst einmal in einem Bieterverfahren um die Slots bemühen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erklärte: «Die Slots müssen überdies von Lufthansa nur abgegeben werden, wenn der Bieter keine gleichwertigen Slots über den Prozess der regulären Slot-Koordination erhält.» Gefragt nach den wirtschaftlichen Belastungen bei einer Abgabe der Slots sagte Spohr, in der Zeit vor Corona hätte dies «vermutlich zu Ergebnisbelastungen in zweistelliger Millionenhöhe geführt». Nun rechne man aber mit einer langsamen Erholung der Branche, einer geringeren Knappheit an Slots und daher auch mit geringeren Effekten für das Ergebnis.

Schwierige Gespräche mit Verdi

Die Lufthansa-Vorstände erklärten bei der Hauptversammlung immer wieder, dass es keine umsetzbaren Alternativen zum Staatseinstieg bei Lufthansa gebe. Ohne das Paket drohe die Insolvenz. Und bei den Details habe sich der Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesrepublik nicht auf andere Möglichkeiten als das jetzige Paket eingelassen.

Spohr sagte, man werde «für die Rückzahlungen hart arbeiten müssen». Um diese «enorme Belastung» zu bewältigen, seien auch schmerzhafte Maßnahmen wie die Senkung der Personalkosten notwendig. Mit der Gewerkschaft Ufo habe man in dieser Hinsicht schon eine Einigung gefunden, mit der Vereinigung Cockpit sei man auf einem guten Wege, nur mit Verdi verliefen die Gespräche bisher enttäuschend.



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