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Luftfracht in der Corona-Krise

Lufthansa will 747 als Frachter einsetzen

Weil in Passagierfliegern auch Fracht mitgeführt wird, fehlt nun Kapazität für Waren. Airlines werden kreativ, um den Engpass zu beseitigen.

Lufthansa

Boeing 747 von Lufthansa:  Frachtnachfrage wegen Coronavirus.

Eigentlich überlegte sich Lufthansa Cargo schon, ihre MD-11 F in diesem Sommer vorzeitig auszumustern. Dies geht aus einem internen Schreiben hervor, das aeroTELEGRAPH vorliegt. Nun behält die Frachtairline die dreistrahligen Jets doch wie geplant bis Ende 2020.

Weil die Muttergesellschaft Lufthansa als Folge der Corona-Krise mit einem steigenden Bedarf von Warentransporte rechnet, will sie ihre Frachtkapazitäten aufstocken. Dabei kommt Lufthansa Cargo ins Spiel. Wie die Zeitung Bild berichtet, prüft die der Konzern aber auch, mit ihren Boeing 747 reine Frachtflüge durchzuführen.

Branche betont Wichtigkeit von Luftfracht

«Lufthansa wird alles dafür tun, um auch die Lieferketten für die Versorgung der deutschen Bevölkerung aus der Luft aufrechtzuerhalten. Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Luftbrücke für ganz Deutschland», sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Dienstag (16. März) gegenüber dem Blatt. In der aktuellen Krisensituation komme der Logistik und damit auch der Luftfracht «eine besondere Bedeutung für viele Tausende Betriebe, die auf Zulieferungen angewiesen sind, zu», schrieb die Fluglinie einen Tag zuvor.

Ähnlich äußerten sich am Montag der Luftfahrtkoordinator der deutschen Regierung und der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft BDL bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin. Besonders die Luftfracht müsse als wirtschaftlich relevantes Instrument weitestgehend intakt bleiben, sagten sie.

Iata warnt vor Kapazitätsengpässen

Die Nachfrage nach reinen Frachtflügen wird in nächster Zeit auf der ganzen Welt steigen. Allen voran zeitkritische Güter wie Medikamente oder frische Nahrungsmittel werden oft per Flugzeug transportiert. Mit dem massiven Einbruch der Kapazitäten im Passagierverkehr fallen aber auch Transportmöglichkeiten weg, da im Rumpf auch Fracht mitgeführt wird.

Experten schätzen, dass der Anteil des Frachtraums von Passagierfliegern an der gesamten Kapazität bei etwa 50 Prozent liegt. Genau dieses Angebot fehlt nun weitgehend. Davor warnte am Montag der internationale Zivilluftfahrtverband Iata. Ihr Generaldirektor Alexandre de Juniac ruft Regierungen weltweit auf, Frachtflüge und deren Personal von Beschränkungen zu befreien.

Auflockerung von Nachtflugverboten

Der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer sprach sich am Montag für eine Lockerung von Nachtflugverboten an deutschen Flughäfen aus, berichtet das Magazin Focus. Dies soll neben Rückholaktion für Touristen auch Frachtflügen zu Gute kommen – wegen Einschränkungen im Schiffsverkehr nehmen diese ebenfalls zu. Flughäfen wie Frankfurt, Düsseldorf oder Berlin-Tegel haben ihre Nachtflugverbote gelockert.

Vergangene Woche begann Singapore Airlines’ Billigtochter Scoot, mit ihren Passagierfliegern reine Frachtflüge von Singapur nach China durchzuführen. Die Passagiersitze der Boeing 787 bleiben dabei leer. Korean Air wird ab kommendem Wochenende einige Passagierflieger für Frachtflüge nach China nutzen – von 145 Flugzeugen stehen bei der Nationalairline Südkoreas 100 still.

Immer mehr Airlines funktionieren Passagierflieger um

IAG-Chef Willie Walsh denkt ebenfalls darüber nach, einige der stillgelegten Passagierflieger der Gruppe als Frachter zu nutzen. «Wir wollen versuchen, einen möglichst großen Teil unserer Kapazitäten für kritische Lieferungen, die in die ganze Welt verschickt werden müssen, verfügbar zu halten», sagt der Manager dem Magazin Flightglobal. Die Gruppe um British Airways und Iberia plant, im April und Mai etwa 75 Prozent ihrer Flotte stillzulegen.



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