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Istanbul New Airport

Ist Istanbuls neuer Airport bereit für die Eröffnung?

In drei Tagen soll er eröffnet werden. Doch auf der Baustelle des Istanbul New Airport gibt es noch einiges zu tun.

Eigentlich ist es ein wenig paradox. Am 29. Oktober feiert die Türkei ihren Nationalfeiertag – die Ausrufung der Republik im Jahr 1923 durch Mustafa Kemal Atatürk. Und ausgerechnet am 29. Oktober soll rund 35 Kilometer nordwestlich der Millionenmetropole am Bosporus der neue Flughafen eröffnet werden, der den nach dem Nationalheld benannten bisherigen Istanbul Atatürk Airport ersetzt. 200 Millionen Passagiere soll er einmal pro Jahr aufnehmen – er wäre damit der größte Flughafen der Welt.

Bis jetzt läuft das Projekt unter dem Namen Istanbul New Airport. Der Iata-Code des neuen Flughafens wird zu Beginn ISL* lauten. Nach vollendetem Umzug vom Atatürk Airport wird dessen Code IST übernommen. Ist das vielleicht auch ein Hinweis auf einen möglichen Transfer des Namens vom alten zum neuen Flughafen? Das will noch niemand beantworten. «Ich habe selbst noch keine Ahnung, wie der Flughafen heißen wird», sagt Geschäftsführer Kadri Samsunlu wenige Tage vor der Eröffnung. Die Namensgebung liege ganz bei der Regierung. «Wir alle werden das am Montag erfahren», fügt er bei einer Tour des neuen Flughafens an.

Große Eröffnung, kleiner Start

Am Montag reisen der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und zahlreiche andere Politiker aus Ankara zum neuen Airport an der Schwarzmeer-Küste. Wirtschaftsvertreter und Politiker aus aller Welt sind eingeladen, um zu feiern, dass der neue Flughafen seinen Betrieb offiziell startet – zumindest ein bisschen. Denn: Der ganz große Umzug vom Atatürk Airport verschiebt sich um zwei Monate. In Istanbul redet man von einem sanften Start. Zu Beginn werden nur einige wenige Flüge ab dem neuen Flughafen starten – sie gehen nach Ankara, Antalya, Baku, Ercan in Nordzypern und Izmir. Erst Ende Dezember kommt dann der Big Bang.

Und da muss vor allem Turkish Airlines eine logistische Meisterleistung gelingen. In den letzten beiden Tagen des Jahres soll innerhalb von 48 Stunden der komplette Betrieb vom alten auf den neuen Flughafen übergehen. Chef Ilker Ayci erklärte bei einer Konferenz im vergangenen Monat selbst: Der Umzug bereite ihm «Kopfzerbrechen». Ein Filmteam soll den Umzug begleiten. «Wir werden das irgendwann anschauen und sagen: Wir müssen verrückt gewesen sein! Haben wir das echt gemacht?», so der Manager.

Vier Bauphasen

Tatsächlich ist es noch schwer, sich vorzustellen, dass auf dem 76 Millionen Quadratmeter großen Gelände schon in zwei Monaten ein ähnlich emsiges Treiben wie am Atatürk Airport herrscht – dessen Gesamtfläche übrigens nur 12 Millionen Quadratmeter groß ist. Noch fahren hier keine Flugzeuge über die Pisten, sondern LKW und Bagger. Im Innenraum wird noch geschraubt und gehämmert, ein Großteil des Gebäudes ist gesperrt.

Leitungen sind noch nicht angeschlossen und auch an den Fassaden wird da und dort noch gebaut. Dort wo Grünflächen für optische Abwechslung zwischen dem Beton sorgen werden, erblickt man braune Erde. Auch Geschäfte findet man hier noch nicht. Das soll sich bald ändern. Die Konzession für den Betrieb der Dutyfree-Läden hat sich der deutsche Konzern Heinemann für 25 Jahre gesichert.

Hoffnung auf neue Airlines

Der Bau ist in insgesamt vier Phasen unterteilt. Phase 1 soll Ende des Jahres abgeschlossen sein, wenn der große Umzug stattgefunden hat. Dann hat der neue Flughafen eine Fläche von etwas mehr als 40 Millionen Quadratmetern und eine Kapazität von 90 Millionen Passagieren. Bis 2023 soll diese auf 150 gesteigert werden. Phase 4 soll dann zwischen 2026 und 2028 stattfinden. Sie beinhaltet den Bau einer sechsten Piste und eine Steigerung auf 200 Millionen Passagiere. Ob diese Phase gestartet wird, hängt davon ab, ob das Passagierwachstum so ausfällt, wie es sich die Flughafenbetreiber vorstellen.

Die Flughafenbetreiber hoffen außerdem, mit dem neuen Flughafen auch wieder mehr Fluggesellschaften für sich zu gewinnen. «Wenn die Infrastruktur da ist, kommen vielleicht Fluglinien zu uns, die es bisher nicht tun», so Geschäftsführer Samsunlu. Er würde sich etwa nordamerikanische Airlines wünschen. Derzeit fliegt von dort kein heimischer Anbieter in die Türkei.

Vor allem Kanada scheint der Manager im Auge zu haben. «Air Canada stellte die Flüge vor zwei Jahren ein» sagt er. «Es wäre schön, wenn es einen Neustart gäbe.» Das Verhandeln wird ihm aber sicher leichter fallen, wenn er den Namen des Flughafens weiß, für den er verantwortlich ist.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie Aufnahmen aus dem neuen Flughafen von Istanbul.

* In der ersten Version des Artikels stand hier fälschlicherweise ISJ, der zuerst vorgesehene Code.



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