Letzte Aktualisierung: um 19:19 Uhr

Hersteller und Airlines

Ist die Geschäftsluftfahrt zu optimistisch?

Hersteller von Businessjets und Businesscharteranbieter geben sich euphorisch. Doch es gibt durchaus Risiken, die den Boom bremsen könnten.

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aeroTELEGRAPH

Dassault Falcon 7X: Die Branche ist optimistisch. Doch…

Lange Warteschlangen an Flughäfen in ganz Europa, annullierte Flüge und hohe Preise – Fliegen ist aktuell nicht immer ein Spaß. Warum also nicht einen Privatjet nehmen, damit dieser Stress drastisch reduziert wird? Genau das tun heute viele Leute, die es sich leisten können. Die Geschäftsluftfahrt boomt und die Branche ist begeistert.

Sowohl Flugzeughersteller als auch Dienstleister waren während der jüngsten Ebace sehr optimistisch. Und es gibt gute Gründe dafür. Viele Aufträge für neue Flugzeuge und viele Neukunden, die noch nie Geschäftsflugzeuge genutzt haben, sind hinzugekommen – oft junge Menschen, die mit Kryptowährungen und anderen neuen Arten von digitalen Geschäften gutes Geld verdient haben.

Alle haben mehr zu tun

Aufgrund der Lockdowns während er Pandemie standen zudem oftmals keine regulären Flüge zur Verfügung. Als kommerzielle Fluggesellschaften wieder in Betrieb genommen wurden, war die Anzahl der Ziele, Strecken und Frequenzen dramatisch geringer als vor der Pandemie und einige Ziele konnten kaum oder nur mit enormen Reisezeiten erreicht werden. Aus diesem Grund entscheiden sich Geschäftsreisende häufiger für die Nutzung von Geschäftsflugzeugen. Und neue Kunden sind geblieben.

Dassault, Textron und Boeing meldeten an der Ebace einen Auftragsanstieg von bis zu 20 Prozent gegenüber dem Niveau vor der Pandemie. Auch Embraer und Bombardier gaben an, gute Geschäfte zu machen. Auch die Businesscharteranbieter  melden ein signifikantes Wachstum. Beispielsweise berichtet Netjets, dass die Zahl der Flüge regelmäßig  700 pro Tag überschreitet- ein 40 Prozent höheres Flugvolumen als vor der Pandemie. Für 2022 erwartet Netjets, ihre Flotte um 75 Flugzeuge zu erweitern.

Viele könnten, tun es aber noch nicht

Der von einem tieferen Niveau startende Konkurrent Flexjet meldet ein signifikantes Wachstum von 180 Prozent für Europa. Vistajet hatte 2021 mit einem Wachstum von rund 60 Prozent im Vergleich zu vor der Pandemie ein Rekordjahr und erwartet eine Fortsetzung für dieses Jahr. Laut einer Umfrage von Jetnet IQ unter 500 Betreibern weltweit erwarten rund 80 Prozent, dass sich die in den letzten 12 bis 18 Monaten beobachtete erhöhte Auslastung  fortsetzen wird.

Weiter gibt es ein nicht zu unterschätzendes Wachstumspotenzial für mehr Geschäftsflieger. In der Branche wird allgemein anerkannt, dass nur 10 Prozent der Menschen, die es sich leisten können, in diesem Marktsegment zu fliegen, dies auch tun. Wenn dieser Prozentsatz auf 20 Prozent ansteigt, wird sich die Zahl der Flüge verdoppelt haben.

Es gibt auch Risiken

Doch es gibt auch Risiken. Weltweit kommt es zu einer Verknappung von Rohstoffen und daraus resultierenden steigenden Materialkosten. Außerdem ist es schwieriger, qualifiziertes technisches Personal zu gewinnen. Das bremst die Branche – sowohl Flugzeughersteller als auch Charteranbieter. Marine Eugène, Geschäftsführerin von Flexjet Europe, sagte gegenüber aeroTELEGRAPH: «Jeder in der Luftfahrtindustrie ist betroffen, und wir bemerken auch hier und da Verzögerungen, aber bisher ist es uns gelungen, die Auswirkungen teilweise abzumildern». Hinzu kommt die Gefahr einer Rezession.

Der derzeitige Boom wird zwar noch eine Weile anhalten, könnte aber irgendwann wieder abflachen. Denn die kommerziellen Fluggesellschaften erhöhen langsam wieder die Zahl der Ziele und Flüge. Zudem haben sich Online-Meetings und Fernarbeit in der Pandemie etabliert und werden nicht mehr verschwinden.