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Reichweitenproblem

Ist der Airbus A330 Neo eine Alternative zum A321 XLR?

Durch zusätzlichen Brandschutz wird der A321 XLR schwerer - und droht Reichweite zu verlieren. Nun bietet Airbus manchen Kunden offenbar den A330 Neo als Alternative an.

XLR steht für eXtra Long Range, extra lange Reichweite. Sie ist das Verkaufsargument des Airbus A321 XLR. Die A321-Neo-Variante mit Zusatztank soll als Schmalrumpfjet 8700 Kilometer weit fliegen. Auch deutsche Flughäfen setzten Hoffnung in das Modell, das auch mittelgroßen Airports wieder mehr Flüge beispielsweise in die USA bescheren könnte.

Hamburgs Flughafenchef Michael Eggenschwiler erklärte im Gespräch mit aeroTELEGRAPH im Februar: «In den USA ist die Bekanntheit Hamburgs und Norddeutschlands nicht so stark als Destination.» Wichtig sei für USA-Routen daher, dass die Abflüge ab Hamburg voll seien. «Und da wird kein Drehkreuz sind, ist es nicht einfach, das wirtschaftlich mit einer großen Maschine hinzubekommen. Der Airbus A321 XLR wird die US-Ostküste wirtschaftlich aber sehr stabil erreichbar machen.» Man spreche darüber mit verschiedenen Airlines.

Brandschutz machte Anpassungen nötig

Allerdings hat der A321 XLR auch ein Problem. Der Rear Centre Tank, der Zusatztank, der so viel Reichweite möglich macht, konnte nicht wie ursprünglich geplant umgesetzt werden. Er braucht nämlich – unter anderem nach einem Einspruch von Boeing – zusätzlichen Brandschutz. Und das bedeutet wohl auch zusätzliches Gewicht.

Zusätzliches Gewicht wiederum droht die Reichweite des A321 XLR zu reduzieren. Im Mai 2022 sagten Informanten der Nachrichtenagentur Bloomberg, die Verbesserungen des Brandschutzes würden die Reichweite womöglich geringfügig einschränken. Einige Käufer seien schon über mögliche Änderungen der Spezifikationen informiert worden.

Erstmals Zahlen zu Gewicht und Reichweite

Airbus äußerte sich stets beschwichtigend. Airbus-Verkaufschef Christian Scherer sagte im Sommer 2022 zu aeroTELEGRAPH: «Nein, die Reichweite wird nicht spürbar geringer sein.» Im Juni 2023 sagte Technikchefin Sabine Klauke im Interview dann: «Der Reichweitenvorteil der XLR wird unverändert da sein, wie geplant.»

Nun nennt die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Branchenquellen erstmals Zahlen. Laut ihren Informanten soll der XLR durch die Anpassungen 700 bis 800 Kilogramm schwerer sein, nachdem zuvor nur ein Anstieg von 200 bis 300 Kilogramm erwartet worden sein. Die Reichweite könnte dadurch um rund 370 Kilometer sinken.

Ist der Airbus A330 eine Alternative?

Airbus äußert sich nicht konkret und beschwichtigt wieder. Ein Sprecher erklärte gegenüber Reuters: «Airbus erwartet keine wesentlichen Auswirkungen auf den einzigartigen Reichweitenvorteil des XLR im Single-Aisle-Segment.»

Die Nachrichtenagentur berichtet derweil auch, Airbus hätte einigen A321-XLR-Kunden Angebote für den größeren Airbus A330 Neo als mögliche Alternative unterbreitet. Doch inwieweit sind die beiden Flugzeugmodelle überhaupt vergleichbar?

Unterschiede sind beachtlich

Der A330 Neo ist Airbus’ kleinstes klassisches Langstreckenmodell. Im Gegensatz zum A321 XLR hat es zwei Gänge. Der A330 Neo hat eine viel größere Reichweite – die kleinere Variante A330-800 von 15.094 Kilometern, der größere A330-900 von 13.334 Kilometern.

In den Airbus A321 XLR passen mit einer reinen Economy-Kabine bis zu 244 Reisende. Der A330-800 bringt es auf bis zu 406 Sitze, der A330-900 auf bis zu 460. Die Unterschiede sind also beachtlich. Der europäische Flugzeugbauer hat sich gegenüber Reuters nicht dazu geäußert, ob und falls ja wem er den A330 Neo als A321-XLR-Ersatz angeboten hat.

A321 XLR für neue Routen erwartet

Interessant sein dürfte solch ein Angebot allerdings für wenige A321-XLR-Kunden. Denn die meisten Airlines haben sich für das Modell entschieden, weil sie damit auch lange Routen bedienen wollen, auf denen sich tendenziell so wenige Reisende pro Flug finden, dass es mit bisherigen Langstreckenfliegern wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, sie zu fliegen.

Ein aktuelles Beispiel: Latam. Die chilenisch-brasilianische Airline möchte Lissabon in Portugal und Fortaleza in Brasilien verbinden. Latam-Vertriebschefin Aline Mafra sagte aber kürzlich, dass dies erst mit der Einflottung des Airbus A321 XLR möglich wird. «Das Großraumflugzeug, das wir heute haben, ist teuer im Betrieb», erklärt die Managerin. «Wir bräuchten also ein sehr effizientes Schmalrumpfflugzeug wie den A321 XLR.