Letzte Aktualisierung: um 21:46 Uhr

Ian Moore, Vistajet

«80 Prozent unserer Kundschaft kompensieren ihre Flüge»

In der ersten Jahreshälfte verbuchte Vistajet ein Kundenwachstum von über 50 Prozent. Was die Pandemie damit zu tun hat, und warum die Privatjetairline sehr zuversichtlich in die Zukunft schaut, erklärt Kommerzchef Ian Moore.

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Vistajet

Ian Moore: «In der ersten Hälfte dieses Jahres haben wir 53 Prozent mehr neue Mitglieder als im Jahr 2020».

Sie leben in London, Vistajet sitzt in Malta und ist auf der ganzen Welt aktiv. Wie viel fliegen Sie selbst noch im Vergleich mit vor der Pandemie?
Sicher deutlich weniger. Früher waren es sicher 200 Flüge pro Jahr, während der Pandemie eher 20. Aber es geht wieder aufwärts, und ich genieße es, Kunden und Teams wieder persönlich zu treffen.

Ganz ehrlich: Genießen Sie das auch ein bisschen?
Wir haben in den letzten zwei Jahren zwei kleine Kinder bekommen. In normalen Zeiten hätte ich sie sicher nicht so viel gesehen. Während es also für das Unternehmen und den Sektor eine Umstellung war, ist es für mich persönlich ein sehr seltenes Privileg.

Fliegen Sie auch manchmal auf Linienflügen?
Ja – ich bin sogar ziemlich dran gewöhnt. Ich bin nicht ganz so wichtig wie die meisten unserer Kunden (lacht).

Wir müssen nicht 300 Leute in einen 100-Millionen-Dollar-Jet setzen, um rentabel zu sein. Die Kundinnen und Kunden zahlen pro Flugzeug.

Und wie ist ein Linienflug im Vergleich mit dem Privatjet?
Während der Pandemie ist es selbst auf Linienflügen ziemlich ruhig gewesen – ich bin hauptsächlich zwischen Europa und den USA gereist, bevor ich vor kurzem zurück nach London gezogen bin. Das Angebot an kommerziellen Flügen unterscheidet sich jedoch stark von dem des privaten Sektors. Wo es früher fünf Flüge pro Tag gab, gibt es jetzt vielleicht nur noch einen – höchstens – und Linienflüge werden gestrichen. Ich denke, das ist einer der Vorteile von Unternehmen wie Vistajet. Wir müssen nicht 300 Leute in einen 100-Millionen-Dollar-Jet setzen, um rentabel zu sein. Die Kundinnen und Kunden zahlen pro Flugzeug.

Würden Sie bestätigen, dass die Businessfliegerei als Gewinnerin aus dieser Pandemie herausgeht?
Ja und nein. Denn viele der Einschränkungen, unter denen die Fluggesellschaften leiden, betreffen auch uns. Aber eben: Wir haben nicht das Auslastungsproblem, mit dem viele Fluggesellschaften zu kämpfen hatten und immer noch haben. Denn viele Unternehmen und Privatpersonen, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, sind bisher kommerziell geflogen, vielleicht in der First. Sie fliegen auch weniger, aber viele der neuen Kunden, die wir in den letzten Jahren bei Vistajet begrüßen durften, waren Kunden, die in der Vergangenheit keine reguläre Privatfluglösung hatten, die aber diese Garantie für Flug, Service und Reichweite benötigen. Und so lernen sie unseren Service und unsere Vorteile kennen.

Wie zeigt sich das in den Geschäftszahlen?
In der ersten Hälfte dieses Jahres haben wir 53 Prozent mehr neue Mitglieder als im Jahr 2020, 67 Prozent mehr verkaufte Stunden im Vergleich zu 2020 und 41 Prozent mehr als im Jahr 2019. Nicht alle von ihnen fliegen sofort; wir verkaufen Dreijahresverträge. Aber das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und sie langfristig planen. Wenn wir auf die jüngste Vergangenheit zurückblicken, war das dritte Quartal ein weiteres Rekordquartal für Vistajet: Die Zahl der Flüge stieg um 35 Prozent gegenüber 2020 und um 19 Prozent gegenüber dem Niveau vor der Pandemie 2019. Die Menschen haben Lust zu reisen. Und sie merken: Businessfliegerei ist viel mehr als das Klischee von Kaviar und Champagner.

Sondern?
Durch uns sparen die Menschen unglaublich viel Zeit und Stress, wenn sie an einen bestimmten Ort wollen. Wir fliegen nicht nur an die superprofitablen kommerziellen Ziele, sondern eben genau dahin, wo unsere Gäste hin wollen. Für sie ist Zeit unfassbar wertvoll. Und das ist auch für die Umwelt gut.

Wir fliegen direkter, verbrennen dadurch weniger Treibstoff.

Privatjets sind gut für die Umwelt? Das müssen Sie jetzt näher erklären.
Wer vor der Pandemie unterwegs war, hat es sicher erlebt: Wollte man an eines der großen Drehkreuze wie Heathrow, Frankfurt, Amsterdam, JFK, dann musste man teils kreisen, weil es so voll war. Oder man musste am Boden lange rollen und warten, bis man abheben konnte. Wir fliegen direkter, verbrennen dadurch weniger Treibstoff.

Was tun Sie bei Vistajet sonst noch für die Nachhaltigkeit?
Wir tun wirklich eine Menge. Wir werden das erste Unternehmen der Geschäftsluftfahrt sein, das bis 2025 vollständig klimaneutral ist – 25 Jahre vor den Zielen der Branche.

Wie wollen Sie das denn schaffen?
Wir engagieren uns auf mehreren Ebenen: Wir haben ein globales Programm für nachhaltigen Flugtreibstoff für alle Kunden auf der ganzen Welt; wir haben die nachhaltigsten und technologisch fortschrittlichsten Flugzeuge, die derzeit auf dem Markt sind – unser Global 7500 ist der erste Geschäftsreisejet mit einer Umweltproduktdeklaration; wir optimieren unsere Flugrouten, um den Treibstoffverbrauch zu senken; wir investieren in Künstliche Intelligenz für ein optimiertes Flottenmanagement; wir arbeiten mit den führenden Nachhaltigkeitsexperten Sky NRG und South Pole zusammen; wir haben nachhaltige Produkte an Bord; wir stellen auch am Boden auf erneuerbare Energien um und durch unser zertifiziertes Klimaschutzprogramm kompensieren 80 Prozent unserer Kunden ihre Flüge.

Wenn wir Flugzeuge kaufen können, sind sie verfügbar, anders als vielleicht einige der Mittelstreckenjets.

80 Prozent? Sie kennen sicherlich die Zahlen vieler Airlines. Bei Lufthansa liegt die Rate unter einem Prozent. Wie bekommen Sie das hin?
Wir müssen zweimal so hart arbeiten, um in unserem Business akzeptiert zu werden. Und das geht unseren Kunden nicht anders. Sie wissen, wie es wahrgenommen wird, wenn man mit einem Privatjet fliegt. Hinzu kommt: Auch sie haben Kinder und Enkelkinder, für die sie sich eine bessere Welt wünschen. Darüber hinaus ist ein detailliertes Umweltengagement auch etwas, worauf viele neue Kunden achten.

Was hat sich am Service wegen Corona geändert?
Wir hatten ein paar Einschränkungen, aber wahrscheinlich nicht so viele wie die Fluggesellschaften. Seit Beginn der Pandemie haben wir unsere strengen Sicherheitsstandards erhöht, und diese wurden im Laufe der Zeit immer weiter angepasst. Eine Sache, die abgeschafft wurde, ist das Händeschütteln der Piloten: intern und mit den Gästen. Wie die Passagierinnen und Passagiere bedient werden möchten, hängt aber zu einem Großteil von ihren Wünschen ab.

Wenn Sie ein Wachstum in den nächsten Jahren erwarten – wie wird sich das in der Flotte zeigen? Aktuell fliegt Vistajet mit über 70 Flugzeugen. Wie viele werden es in fünf Jahren sein?
Bis Ende 2022 planen wir, mit der Erweiterung unserer Global 7500- und Challenger 350-Flotte, über 90 Flugzeuge zu haben. In den Folgejahren könnte sich das ändern, wenn wir weiter wachsen. Das ist ein weiterer Vorteil gegenüber Linienfluggesellschaften: Wenn wir Flugzeuge kaufen können, sind sie verfügbar, anders als vielleicht einige der Mittelstreckenjets.

Ian Moore ist ist Chief Commercial Officer von Vistajet. Er ist verantwortlich für die globale Marktexpansion, Handelsverhandlungen, Vertrieb, Marketing, Kundendienst und Produktlieferung. Davor war we bei der Business-Jet-Tochter von der indischen Tata für Marketing und Verkauf zuständig. Begonnen hat der Australier seine Karriere in der Privatluftfahrtbranche im Jahr 2002 bei Netjets.



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