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«Klar, dass es nicht profitabel wird»

Kingfisher musste aufgeben und dennoch drängen Tiger, Etihad und Air Asia auf den Markt. Ein Experte über Chancen und Risiken in Indien.

Kingfisher und Jet Airways: Sorgenkinder

Letztes Jahr schien es, als sei der Tiefpunkt im indischen Luftfahrtmarktes erreicht. War dieser Eindruck richtig?
Rishikesha T. Krishnan*: Nein, das kann man leider nicht sagen. Das Verkehrswachstum bleibt zum Vorjahr negativ. Das liegt einerseits am langsameren Wirtschaftswachstum und andererseits an den höheren Preisen. Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht.

Aber die Mittelklasse wächst und die Distanzen sind riesig. Zudem sind Zugsstrecken und Strassen in schlechtem Zustand. Wie kann es das sein, dass die Luftfahrt dennoch leidet?
Krishnan: Die Inder sind noch sehr empfindlich, was Preiserhöhungen angeht. Sobald die Tickets teurer werden, kann man zusehen, wie die Verkehrszahlen sinken. Die Fluggesellschaften realisieren nun aber, dass Effizienz der Schlüssel zum Überleben ist. Und darauf fokussieren sie sich auch.

Schaffen das alle, oder sehen wir noch mehr Groundings und Pleiten?
Krishnan: Momentan gibt es fünf Inlandsanbieter: Air India, Jet Airways, Indigo, Spicejet und Go Air. Air India gehört dem Staat, daher wird sie nicht schließen. Indigo, Spicejet und Go Air sind Billiganbieter, sie werden im Geschäft bleiben. Nicht so gut sieht es für Jet Airways aus. Sie scheinen massive Liquiditätsprobleme zu haben. In einem scharfen Kostensenkungsprogramm strich das Management viele Routen. Momentan setzt es die Hoffnung auf Unterstützung durch Etihad. Aber die Golfairline will eine Garantie der Regierung, keine weiteren Änderungen am Luftfahrtgesetz vorzunehmen.

Was haben die Airlines falsch gemacht?
Krishnan: Im Grunde haben die Billiganbieter nichts falsch gemacht. Aber Jet und Kingfisher fehlte es an Kapital. Und sie waren nicht effizient genug.

Sie nannten Kingfisher – das prominenteste Beispiel für ein Versagen am indischen Markt. Die Airline ging trotz einer modernen Vision unter – warum?
Krishnan: Kingfisher verstand den indischen Markt nicht. Es ist ein hartes Geschäft. Sie boten den Passagieren zwar viele Extras, doch das hatte einen Preis. Und den wollten die Reisenden nicht zahlen.

Die Fluglinien beschweren sich über die Restriktionen und die Gesetzgebung der Regierung. Zu Recht?
Krishnan: Ja. Die Gebühren an den Flughäfen sind zu hoch, der Treibstoff ist mitunter der teuerste der Welt. Außerdem zwingt die Regierung die Fluglinien, einen Teil ihrer Kapazität auf unprofitablen Routen zu nutzen – auch wenn dieses Gesetz gerade geprüft wird. Dennoch: Diese Faktoren existieren seit langem und man fragt sich, weshalb es überhaupt neue Airlines auf den Markt zog. Es war klar, dass das Geschäft nicht profitabel wird.

Kann man da nichts gegen tun?
Krishnan: Doch. Lobbyarbeit bei der Regierung leisten um gegen die Restriktionen vorzugehen, das ist ein Weg.

Wie wird die Entscheidung der Regierung, ausländische Investoren auf den Markt zu lassen, den Markt beeinflussen?
Krishnan: Es wird mehr Liquidität und Knowhow geben. Grundsätzlich sollte das positiv wirken. Doch noch scheuen ausländische Mitspieler aus Angst vor der Regulierung zurück.

Meinen Sie, dass Tiger Airways, Air Asia und Etihad in Indien bleiben?
Krishnan: Noch ist Tiger kein großer Anbieter am Markt, aber vielleicht ändert sich das. Etihad wartet gerade noch auf Zugeständnisse der Regierung. Air Asia will eine eigene Inlandsairline gründen. Ich weiß nicht, wie sie auf diese Idee kommen, aber es scheint ihnen ernst zu sein.

*Rishikesha T. Krishnan ist Professor für Unternehmensstrategie und Experte für die Branche am Indian Institute of Management in Bangalore

 



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