Blick auf die Piste 10/28 des Flughafens Noida: - Der Betrieb wird mit 8 Flügen pro Stunde langsam beginnen und schrittweise auf 10, 12, 15 Flüge erhöht werden - und dann nach Bedarf auch mehr.

Noida International AirportDelhis zweiter Flughafen ist startklar - mit Schweizer Know-how und indischer Wachstumsdynamik

Der vom Flughafen Zürich gebaute Noida International Airport ist bereit. Die Infrastruktur steht, die Betriebslizenz soll in Kürze eintreffen. Drei Airlines starten schon bald am zweiten Flughafen von Delhi, der dereinst 70 Millionen Passagiere jährlich zählen soll.

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«Für mich steht außer Zweifel, dass der Flughafen sehr schnell die volle Auslastung von Phase I erreichen wird», sagt Praveen Iyer. Er sitzt als Operativchef im Vorstand von Akasa Air, einem Neuling auf dem indischen Markt und einer der drei Fluggesellschaften, die zum Start Flüge ab dem Noida International Airport anbieten werden. Was den neuen Flughafen angeht, macht er sich keine Zukunftssorgen.

Noida ist eine 1976 gegründete Retortenstadt mit 650.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, rund 19 Kilometer südöstlich von New Delhi. Auch wenn ihr Name nicht so bekannt ist wie die anderer indischer Metropolen, sie ist eine Hochburg der aufstrebenden Wirtschaftsmacht Indien. In der Stadt haben sich unzählige IT-Unternehmen angesiedelt, hier werden Elektronikgüter gebaut, hier stehen Datenzentren und hier stehen Logistikzentren. Und im Umland wird in großem Stil Baumwolle angebaut.

Seit 2001 ist der Flughafen Noida ein Thema, jetzt ist er bereit

Das Bruttoinlandprodukt pro Kopf in der Region beträgt eine Million Rupien - rund 9700 Euro. Betrachte man die Kauftkraftparität, entspreche das einem ähnlichen Wert wie in Japan, schrieb die Zeitung The Indian Express kürzlich stolz. Davon will auch der Noida International Airport profitieren.

Schon 2001 wurde von der Politik das Projekt eines neuen Flughafens östlich von Delhi erstmals ins Spiel gebracht. Danach passierte zwar lange nichts. 2015 aber beschloss die Regierung des Bundesstaates Uttar Pradesh definitiv, den Plan weiterzuverfolgen und vier Jahre später wurde die Konzession für den Noida International Airport vergeben - an den Flughafen Zürich. Er baute den neuen Airport nicht nur, er wird ihn nach der Eröffnung auch 40 Jahre lang betreiben.

Air India Express, Akasa Air und Indigo starten zuerst

Auf dem großen Gelände des Noida International Airport - früher auch Jewar Airport genannt - wird zwar noch immer emsig gebaut. Die grundlegende Infrastruktur wie Rollwege, Start- und Landebahn, Vorfeld, Kontrollturm oder Terminal ist aber fertig. Auch der direkte Anschluss an die Autobahn ist fertig. Nur etwas fehlt noch: Die Betriebslizenz durch die indische Luftfahrtbehörde Directorate General of Civil Aviation DGCA. Sie soll in den nächsten Wochen eintreffen. «Danach können wir innerhalb von wenigen Wochen loslegen», sagt Operativchefin Kiran Jain.

Boeing 737 Max von Akasa Air: Die Airline wird in Noida starten.

Wie viele Flugzeuge Air India Express, Akasa Air und Indigo in Noida stationieren werden, ist noch nicht bekannt. «Es wird ein gradueller Aufbau werden», sagt Akasa-Vorstand Iyer und die Vertreter der beiden Airlines pflichten ihm bei. In einem ersten Schritt werde man vor allem Flüge zu anderen indischen Metropolen anbieten - also Zielen wie Bengaluru, Chennai, Hyderabad, Mumbai oder Kolkata. Danach werde man schnell auch Flüge zu kleineren Städten wie Ahmedabad, Nagpur oder Bhopal hinzufügen.

Der Flughafen Noida startet mit Zwölf-Millionen-Kapazität

Und auch internationale Verbindungen sind danach ab DXN, so der Iata-Code, geplant. «Das kommt schon nächstes Jahr», so Operativchefin Kiran Jain. Vor allem Strecken von Noida aus in die Golfregion und nach Saudi-Arabien seien sehr attraktiv. «Wir können eine Umsteigezeit von nationalen zu internationalen Flügen von 60 Minuten anbieten. Das ist einmalig», so die Managerin. Auch Flüge nach Amsterdam oder Frankfurt seien deshalb durchaus denkbar.

In der ersten Phase wird Noida eine Kapazität von zwölf Millionen Passagieren pro Jahr haben. Sehr schnell wollen die Verantwortlichen aber in Phase II wechseln, die dann bereits 30 Millionen Reisende jährlich ermöglicht. Mit den Phasen III und IV steigt die Kapazität dann auf 50 und 70 Millionen. Das man sie nie erreichen wird, daran zweifelt kaum einer.

Am Indira Gandhi International Airport sind Slots knapp

Ihr Angebot auf zwei Flughäfen im Großraum Delhi zu verteilen, davor haben die drei Airlines keine Angst. London habe fünf Flughäfen, New York drei und Tokio zwei. Da vertrage es auch in der indischen Kapitale mit ihren 21 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern einen zweiten, erklären sie. «Am Indira Gandhi International Airport kann man schlicht nicht mehr groß wachsen, da die Slots - Zeitnischen für Starts und Landungen - bereits knapp sind» so Akasa-Manager Iyer.

Das Terminal des neuen Flughafens: Er bietet 10 Gates mit Fluggastbrücken und 15 weitere auf dem Vorfeld.

750 Millionen Franken (rund 815 Millionen Euro) hat der Flughafen Zürich in das Projekt Noida International Airport investiert. Er setzt dabei nicht nur auf die starke Wirtschaftskraft der Region. In seinem Einzugsgebiet - faktisch die gesamte Region östlich von Delhi - weist eine Bevölkerung von 60 bis 95 Millionen auf. Sie umfasst auch Großstädte wie Agra, Ghaziabad, Mathura oder Meerut. Auch touristische beitet die Region viel. In ihr liegen Sehenswürdigkeiten wie der Taj Mahal oder die Geburtsstätte des Gottes Krishna.

Die Nachfrage nach Flügen wächst in Indien rasant

Damit aber nicht genug. Der indische Markt wächst dank größer werdender Mittelschicht und Wirtschaftskraft insgesamt rasant. Die Iata sagt in den kommenden 20 Jahren ein Wachstum von durchschnittlich 5,6 Prozent pro Jahr voraus. «Dies wird bis 2044 zu zusätzlichen 425 Millionen Passagierflügen pro Jahr führen», schreibt sie in einer aktuellen Studie. Das sei fast einer Verdreifachung gegenüber 2024. Davon wird auch Noida profitieren.

So wird der Flughafen in Phase IV aussehen.

Dank der hohen Wirtschaftskraft ist Noida auch für Fracht interessant. Der Flughafen Zürich hat am Flughafen Noida ein 27.000 Quadratmeter großes Luftfrachtterminal gebaut. In einem weiteren Schritt solleine Lager- und Logistikzone entwickelt werden. Bereit zum Start beträgt seine Umschlagkapazität über 250.000 Tonnen pro Jahr.

Noida: Schweizer Effizienz mit indischer Herzlichkeit

Das Terminal des Noida International Airport, das in Phase I über 25 Gates verfügen wird, ist mit modernster Technik ausgestattet. Passagiere werden mit Gesichtserkennung ins Terminal gelangen und am Gate einsteigen können. Beim Check-in stehen neben klassischen Schaltern viele Self-Service-Kioske und Automaten zur selbstständigen Gepäckaufgabe bereit. Nur bei der Sicherheitskontrolle stehen noch alte Scanner. Denn die moderne Technologie CT-Scanner ist in Indien vorerst noch nicht zugelassen.

Letzte Arbeiten vor der Eröffnung.

«Wir verbinden hier Schweizer Effizienz mit geradlinigem Design, digitalerm Zugang, intuitiver Gestaltung mit indischer Herzlichkeit», kommentiert Jain. So setzen man bei Farben, Speisenauswahl und Kunstwerken, aber auch beim einzigartigen Ansatz in Sachen Gastfreundschaft und Kundenservice ganz auf Heimisches.

Pisten von Noida und Zürich heißen gleich

Dass in Noida viel Zürich steckt, das merkt man als Passagiere nicht. Es ist ein moderner, großzügiger indischer Flughafen. Dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit: Die Piste des neuen Airports ist genau gleich ausgerichtet wie die Hauptbahn des Schweizer Flughafens sie heißen deshalb beide 10/28. Im Endausbau wird es indes zwei Pisten geben: 10L/28R und 10R/28L. Und viele zusätzliche Rollwege, ein viel größeres Vorfeld, ein deutlich erweitertes Terminal. Auch eine U-Bahn-Linie zum Airport soll dann stehen. In Indien ist halt alles etwas größer.

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