Tom Hanks als Chesley Sullenberger.

Wunder vom Hudson im KinoDie erdrückende Einsamkeit des Captain Sully

Der Film über die spektakuläre Notlandung im Hudson kommt nun in deutsche Kinos. Echte Fans sollten ihn sehen.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Head of Mechanical Final Assembly PC-12 (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Lizenzierter Luftfahrzeugmechaniker Experimental Shop (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
.

Event Manager (m/f, 100%)

Vollzeit
IRF Reputation AG
Basel
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Luftfahrt

Chesley Sullenberger ist einsam. So einsam, dass man sich schämt, ihm dabei zuzuschauen. Einsam, obwohl er umgeben ist von Journalisten, obwohl seine Frau nur ein Telefonat entfernt ist, obwohl er sogar bei David Letterman auf der Couch sitzt. Einsam, obwohl die ganze Welt ihn als Helden feiert.

«Die unbekannte Geschichte hinter dem Wunder vom Hudson», verspricht Regisseur Clint Eastwood den Zuschauern seines Films «Sully» – der Spitzname Sullenbergers. Der amerikanische Pilot ist seit der Notwasserung eines Airbus A320 von US Airways im New Yorker Hudson River am 15. Januar 2009 nicht nur Aviatik-Fans ein Begriff.

«Habe ich falsch entschieden?»

Wirklich unbekannt ist die Geschichte zwar nicht – immerhin basiert sie auf dem Buch «Man muss kein Held sein», das Sullenberger gemeinsam mit dem Journalisten Jeffrey Zaslow verfasst hat. Eastwood gelang es dennoch, einen Luftfahrtfilm zu schaffen, den es so noch nicht gab. «Sully» bewegt – jedoch nicht primär wegen der spektakulären Szenen, die die Notwasserung im Hudson-River zeigen. Es ist die Einsamkeit von Sully gespielt von Tom Hanks, die den Kloß im Hals der Zuschauer immer größer werden lässt. Sein Trauma.

Die Frage, die ihn nicht los lässt und die er sich nicht laut zu stellen wagt: «Habe ich falsch entschieden?» Eines ist klar: Viel Zeit für Entscheidungen hatte Sully nicht. 238 Sekunden vergingen zwischen dem Moment, in dem ein Gänseschwarm in die Triebwerke des Flugzeugs prallte und dem Aufsetzen auf der Wasseroberfläche des New Yorker Hudson River. Beide Motoren fielen nach dem Vogelschlag aus. Der Lotse empfahl die Umkehr nach La Guardia oder eine Landung am Flughafen Teterboro. «Wir werden im Hudson enden», sind die letzten Worte des Kapitäns an ihn.

Böses, böses NTSB

Kapitän Sullenberger hatte entschieden, dass die Maschine für beide Alternativen zu tief flog – dass das riskante Manöver, das bisher immer Todesopfer zur Folge hatte, der einzige Ausweg war. Dass das National Transportation Safety Bureau NTSB ihm das zu Lasten legen könnte, wird genauso schnell klar. Schon in der ersten Sitzung die Fragen: «Haben Sie Probleme zu Hause?» «Wann haben Sie das letzte Mal Alkohol getrunken?» «Schlafen Sie genug?» Und das, obwohl alle 155 Insassen die Notwasserung überlebt haben.

Während Sully in der Öffentlichkeit weltweit als Held gefeiert wird, sieht er sich in den Räumen des NTSB am Pranger. Und das ist der Kern des Films. Auch wenn «Sully» den Anspruch hat, sehr nah an den Tatsachen zu bleiben – die Behörde kommt nicht wirklich gut weg. Dass das NTSB Unfälle untersucht und dabei alle Beteiligten intensiv befragt, ist die Pflicht der Behörde und es hilft, zukünftige Zwischenfälle zu vermeiden. Doch kein Film ist ein Film ohne einen Bösewicht. Und ein paar Gänse reichen dafür schlicht nicht aus. Das eine oder andere böse Grinsen, die eine oder andere hochgezogene Augenbraue hätten sich die Ermittler im Film dennoch lieber gespart.

Klassischer American Hero

So überspitzt die bösen Bürokraten daherkommen, so subtil und dadurch stark ist Hanks Darstellung von Sully. Er redet wenig, er ist stets kontrolliert. Und genau darin liegt die Stärke: Im fehlenden «ich liebe dich auch» nach dem Telefonat mit der Frau, im fehlenden «Danke», nachdem wildfremde Menschen ihn umarmen und hochleben lassen. Stattdessen immer die rastlosen Augen, die zu allen Seiten schauen, nicht zur Ruhe kommen. Augen, die Antworten auf die Frage suchen: «Habe ich falsch entschieden?»

Dass Sully sich diese Frage inzwischen mit einem deutlichen «Nein» beantworten kann, ist klar. Nach 18 Monaten Ermittlungen – die im Film eher wie zwei Wochen erscheinen – sah das auch das NTSB so. Und – viele Fans werden es ihm danken – Regisseur Eastwood lässt es sich trotz der ruhigen Stimmung des Films nicht nehmen, die spektakuläre Notlandung aus den verschiedensten Perspektiven gleich mehrfach abzuspielen und zu zeigen, wie beeindruckend Sullys Leistung war. Dass der Regisseur den Piloten als klassischen «American Hero» sieht, steht außer Frage.

Glaubwürdiges Psychogramm

Der Held selbst hat dafür allerdings seit jeher ganz andere Worte – die, so vermittelt Eastwoods Psychogramm glaubwürdig, mehr sind als nur falsche Bescheidenheit: «Ich habe meinen Job gemacht.» Genau deshalb lohnt es sich auch – oder gerade für Luftfahrtfans, den Film zu sehen, auch wenn sie alles über den Zwischenfall wissen. «Sully» kommt am Donnerstag (1. Dezember) in die Kinos in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Sehen Sie in der oben stehenden Galerie Bilder und Videos zu «Sully».

Mehr zum Thema

Was das Telefonbuch mit dem Namenswechsel von US Airways zu tun hat

Was das Telefonbuch mit dem Namenswechsel von US Airways zu tun hat

Die letzte Bemalung von US Airways. Sie ist nun bald Geschichte.

US-Airways plant historischen letzten Flug

Donald Trump: Der Milliardär will für die Republikaner Präsident werden.

Als Airline-Chef versagte Donald Trump

Schwein des Anstoßes: Die Frau musste das Flugzeug verlassen.

Schwein wird zum Unruly Passenger

Video

air new zealand syknest
Air New Zealand verschiebt den Start ihrer Schlafkojen für die Economy Class abermals. Eigentlich sollte Syknest 2026 endlich in der Boeing 787 abheben. Doch noch fehlt die Zertifizierung - da erneut eine Behörde bei der Zulassung nicht hinterherkommt.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
Gulfstream G400 von Baires Fly: Das Flugzeug mit der Kennung LV-JQW brachte Flavio Bolsonaro in die USA.
Eine rund 22 Jahre alte Gulfstream G400 von Baires Fly brachte Flávio Bolsonaro und seine Familie über Ecuador nach Miami. Die argentinische Charterfirma flog einst auch Javier Milei - und auch ihr Eigentümer hat Ärger mit der Justiz.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
lufthansa fra gate of the future 07
Lufthansa und der Flughafen Frankfurt testen im Terminal 1, wie ein Gate effizienter funktionieren kann und zugleich komfortabler für die Gäste wird. Dabei geht es sowohl um Lounge-Elemente, als auch darum, Bewegungen zu analysieren und einem Software-Wirrwarr Herr zu werden.
Timo Nowack
Timo Nowack