Flughafen Incheon: Hier leben die Männer seit einer ganzen Weile.

Flucht vor KriegsdienstFünf Russen sitzen seit Monaten am Flughafen Seoul fest

Sie flüchteten wegen der Teilmobilmachung nach Korea. Doch die fünf jungen Russen wussten nicht, dass das Land die meisten Asylanträge ablehnt. Nun sitzen sie am Incheon Airport fest.

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«Ich würde mich freiwillig zum Kampf melden, wenn uns jemand angreift und meine Lieben in Gefahr bringt», sagt Vladimir Maraktayev der Zeitung Korea Times. Aus diesem Grund habe er bereits 2019 den obligatorischen Militärdienst in Russland absolviert. Er sehe nichts Falsches darin, sein Land zu verteidigen.

«Aber es ist eine ganz andere Geschichte, wenn mein eigenes Land der Aggressor ist. Ich werde niemals Waffen ergreifen, um in die Ukraine zu gehen und unschuldige Menschen zu töten», so der junge Russe. Aus diesem Grund machte er sich am Abend des 24. September 2022 mit anderen jungen Männern aus der Nachbarschaft auf den Weg.

Verweigerung des Militärdienstes reicht nicht als Grund

Sie alle hatten im Zuge der russischen Teilmobilmachung den Marschbefehl erhalten. Sie überquerten die Grenze zur Mongolei und fuhren weiter in die Hauptstadt Ulaanbaatar. Von dort flog Maraktayev nach Manila auf den Philippinen. Und nach einem kurzen Aufenthalt schließlich weiter nach Seoul.

Den dortigen Flughafen hat er jedoch seither nicht verlassen können. Sein Schicksal teilet er mit vier weiteren russische Männer, die wegen der Teilmobilmachung ebenfalls nach Korea geflohen sind. Für das Land, so Maraktayev, spreche in seinen Augen, dass dort auch Politiker zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie korrupt sind. Das sei in Russland unvorstellbar.

Anwälte helfen den Männern

Weniger vorteilhaft ist die Asylpolitik des Landes. Denn Korea lehnt den Löwenanteil der Asylanträge ab. Im Jahr 2021 etwa lag die Aufnahmequote für Geflüchtete bei 1,3 Prozent. Schlecht für die fünf Russen: Das Justizministerium ist der Ansicht, dass die Vermeidung des Militärdiensts kein triftiger Grund ist, den Asylantrag zu überprüfen.

Zurück nach Russland wollen die Männer aber auch unter keinen Umständen. Sie leben daher seit Monaten im Warteraum der Abflughalle des Flughafens Seoul-Incheon und ernähren sich von Lebensmitteln, die das Justizministerium zur Verfügung stellt: ein Muffin und eine Packung Saft zum Frühstück und Abendessen sowie Reis mit Huhn zum Mittag- oder Abendessen. Viel Geld bleibt ihnen nicht, weil sie das meiste für ihre Flucht ausgegeben haben.

Auch unterstellte Meinungen sollen zählen

Mithilfe von Anwälten der Organisation Advocates for Public Interest Law haben die fünf Männer beim Verwaltungsgericht Incheon Beschwerde gegen das Justizministerium eingereicht. Sie haben es aufgefordert, seine Entscheidung über die Nichtverweisung aufzuheben. «Diese Männer werden in ihrem Heimatland aufgrund ihrer wahrgenommenen politischen Meinung verfolgt, was sie für einen Asylstatus nach internationalen Standards qualifiziert. Das Ministerium sollte sich dessen bewusst sein», so ihr Anwalt, Lee Jong-chan.

Verfolgung aufgrund der «gefühlten politischen Meinung» bedeutet, dass Menschen nicht nur wegen ihrer tatsächlichen Meinungen, sondern auch wegen Meinungen, die ihnen ihre Verfolger unterstellen, zum Ziel politischer Verfolgung werden können. Das wäre in Russland bei Kriegsdienstverweigerern wohl der Fall. Laut Lee wird das Gerichtsurteil voraussichtlich Ende dieses Monats ergehen.

Hoffnung auf vorübergehende Aufnahme

Wenn sich das Gericht auf die Seite der fünf Männer stellt, werden ihnen G-1-Visa ausgestellt. Die garantieren ihnen einen vorübergehenden Aufenthalt in Korea, bis sie ein offizielles Überprüfungsverfahren durchlaufen. Wenn das Gericht gegen sie entscheidet, droht ihnen im schlimmsten Fall die Abschiebung ins Heimatland.

Und dort drohen ihnen wohl schwere Strafen. Mindestens einer der Männer war laut der Korean Times aufgrund seiner Kritik an der Regierung auch bereits einmal in Haft.

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