Aufgefrischte Kabine: Lufthansa City Airlines setzt auf den Lufthansa-Standard.

Umrüstung auf Lufthansa-StandardSo macht Lufthansa City Airlines aus ihren vier Airbus A319-Veteranen moderne Flugzeuge

Sie sind alt, wirken aber wieder wie neu. Die vier Airbus A319 von Lufthansa City Airlines bekommen neue Toiletten, größere Küchen und eine modernere Kabine. Was das konkret bedeutet, erklärt der Projektverantwortliche.

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Mittlerweile taucht der Iata-Code VL an immer mehr Flughäfen Europas auf. Er steht für Lufthansa City Airlines, die jüngste Airline des Lufthansa-Konzerns. Sie konzentriert sich auf den europäischen Zubringerverkehr zu den Drehkreuzen München und Frankfurt. Den Betrieb nahm sie im Juni 2024 auf, mit der ersten Verbindung von München nach Birmingham. Im ersten vollen Geschäftsjahr 2025 führte Lufthansa City Airlines rund 16.000 Flüge durch, beförderte etwa zwei Millionen Passagiere und bediente 27 Ziele.

Rund 21 Monate nach dem Erstflug stehen die Zeichen weiter auf Wachstum. Im Februar hat sie nach München in Frankfurt ihre zweite Basis eröffnet. Bis Herbst soll die Frankfurter Flotte auf sieben Airbus A320 Neo wachsen. In München hat die Airline aktuell zehn Airbus A320 Neo und vier Airbus A319 stationiert. Der ganz große Aufschlag soll noch kommen: Im Dezember 2023 hatte der Konzern 40 Airbus A220-300 für die Airline bestellt.

Die vier Airbus A319 haben eine lange Geschichte

Im Herbst erwartet die Airline die ersten A220. Bis es soweit ist investiert die Airline in ihre bestehenden Flugzeuge und stattet ihre vier Airbus A319 mit einem neuen Interieur aus. «Wir rüsten die A319 mit der vollwertigen Lufthansa-Kabine aus, um das Passagiererlebnis zu vereinheitlichen und unseren Crews effizientere Arbeitsabläufe zu ermöglichen», erklärt Daniel Leitzbach, Projektleiter für den Umbau bei Lufthansa Aviation im Gespräch mit aeroTELEGRAPH.

Airbus A319 von Lufthansa City Airlines: Bekommt ein neues Interieur.

Das Unternehmen ist zuständig für den Einbau und übernimmt seit dem 1. Dezember 2025 administrative und technische Funktionen für City Airlines. Die vier A319 mit den Kennungen D-ABGH, D-ABGK, D-ABGP und D-ASTX sind im Schnitt rund 18 Jahre alt, waren schon für zahlreiche Airlines unterwegs, unter anderem Air Berlin, LGW, Belair, Niki und zuletzt Eurowings. «Die Flugzeuge hatten bislang eine 150-Sitzplätze-Touristen-Konfiguration», so Ingenieur Leitzbach. Das ist gut, aber entspricht nicht dem Lufthansa-Standard.

City-Airlines-Flugzeuge bekommen Lufthansa-Standard

Die Flugzeuge werden nun auf den Lufthansa-Standard umgerüstet. Doch was umfasst dieser Standard konkret? Zum einen erhalten die Airbus A319 eine zusätzliche Toilette. Der Lufthansa-Standard sieht vor, dass pro 50 Passagiere eine Toilette verfügbar ist. Zudem werden die Flugzeuge mit einer größeren Bordküche ausgestattet, die zusätzliche Öfen und mehr Stauraum bietet.

Damit kann Lufthansa das Business-Class-Angebot flächendeckend und ohne Kompromisse anbieten. Die Umbauten kommen also sowohl den Reisenden als auch dem Personal zugute. «Früher mussten die Crews oft improvisieren, weil die Infrastruktur nicht optimal war», erklärt der Ingenieur.

Neue Träger in Bodenstruktur, neue Farbe für Seitenpaneele

Die Umbauten erfolgen parallel zum sogenannten C-Check. Dieser umfasst eine vollständige Überprüfung der Flugzeugstruktur, der Avionik, der Triebwerke, der Hydraulik, der Elektrik sowie weiterer Systeme. Dazu wird das Flugzeug teilweise zerlegt, um alle relevanten Komponenten zu inspizieren und zu warten. Ein idealer Zeitpunkt also für die Modernisierungspläne von Lufthansa City Airlines an den vier Flugzeugen.

«Wir bauen alles aus, bis nur noch das Skelett übrig bleibt», erklärt Leitzbach. «Sitze, Küchen, Toiletten, Seitenwände. Alles wird ausgebaut». Im nächsten Schritt wird die Bodenstruktur angepasst, damit die Struktur die neuen Elemente wie Küchen, Stauraum und Toiletten auch tragen kann. «Im vorderen und hinteren Bereich der Kabine haben wir die Bodenstruktur komplett ausgetauscht. Je nach A319 waren es bis zu zehn Träger, wobei ein Träger schon mal fünf Meter lang sein kann. Die alten Träger müssen zunächst entfernt werden. Anschließend wird das Bohrmuster auf den neuen Träger übertragen, um ihn schließlich einzunieten».

Einbau ist wie Tetris

Während die Arbeiten im Flugzeug durchgeführt werden, werden auch Arbeiten außerhalb ausgeführt. Die Seitenpaneele und Gepäckfächer werden gereinigt und neu lackiert. Die Sitze werden überprüft. «Ist irgendwo etwas abgebrochen? Gibt es irgendwo Dreck – kann man den wegputzen? Muss man Teile tauschen? Sind die Sitzpolster noch in Schuss? Funktioniert der Kippemechanismus? All das wurde überprüft», erklärt der Projektleiter.

Airbus A319 Lufthansa City Airlines: Der Konzern hat die vier Jets modernisieren lassen.

«Die Neonröhren und Linsen der Kabinenbeleuchtung altern mit der Zeit», sagt Leitzbach. «Die werden jetzt alle ersetzt, damit alles wieder frisch aussieht». Wenn Paneele und Gepäckfächer wieder installiert sind und die Kabine leer ist, beginnt der Einbau der großen Elemente: Toiletten und Bordküche. Diese ins Flugzeug zu bekommen, sei nicht ganz einfach, so Leitzbach: «Das ist wie Tetris».

City Airlines setzt auf aufbereitete Küchen

«Die neue Toilette ist zu groß für die Flugzeugtür. Deshalb bauen wir sie in Einzelteilen ein und setzen sie im Flugzeug wieder zusammen.» Damit sie überhaupt Platz hat, wurde eine ganze Sitzreihe entfernt. Dadurch gibt es jetzt nur noch 144 Sitze im Flugzeug. Der Komfort wird insgesamt also besser, sagt Leitzbach. Die neuen Toiletten sind modern und platzsparend. Sie haben ein schlankes Design und LED-Beleuchtung.

Für die Küchen setzt Lufthansa City Airlines auf aufbereitete Küchen. «Diese Module wurden zuvor in anderen Flugzeugen der Lufthansa Group eingesetzt, fachgerecht eingelagert und anschließend von der Herstellerfirma in der Schweiz technisch generalüberholt», sagt Leitzbach. Erst nach dieser umfassenden Aufarbeitung werden die Küchen von Bucher Leichtbau verbaut. «Das spart Zeit, Geld und ist nachhaltig», so der Ingenieur.

«Am Ende fertige Kabine, aber bis dahin ein langer Weg»

Nach dem Einbau der größten Module folgt das Furnishing, as Einrichten. Die Flugzeuge bekommen einen neuen, dunkleren Teppich, der dem aktuellen Lufthansa-Farbkonzept entspricht. Ebenso ist die dunkelblaue Rückwand mit dem Kranich-Symbol neu. Es folgt der Einbau der Sitze. Zuletzt wird die Notfallausrüstung platziert und unzählige Aufkleber mit Hinweisen für die Crews und Passagiere angebracht. «Am Ende sieht man eine fertige Kabine, aber bis dahin ist es ein langer Weg», sagt der Ingenieur.

Bevor die Maschinen wieder in den Liniendienst gehen, steht ein umfangreiches Testprogramm an. «Jede Toilettenspülung, jedes Leselicht, jeder Ofen wird geprüft», erklärt Leitzbach. Und das unter realen Bedingungen auch im Flug. Techniker haben den Rückflug nach München begleitet, um alles unter realen Bedingungen zu testen. Besonders kritisch sind laut Leitzbach Spaltmaße. «Ein Flugzeug setzt sich im Flug. Türen oder Schalter, die im Hangar noch funktionierten, können sich später verstellen».

Lufthansa hat erheblich in die vier Airbus A319 investiert

Lufthansa City Airlines bezieht auch ihre Crews mit ein. «Wir bitten um Feedback nach den ersten Flügen», sagt der Projektleiter. «Manche Dinge zeigen sich erst im Betrieb. So musste etwa eine Tür in der vorderen Galley nachjustiert werden, weil sie sich nach mehreren Flügen nicht mehr richtig schließen ließ», nennt er als Beispiel.

Die Vorbereitung eines solchen Umbaus dauert bis zu einem Jahr. «Man muss Anbieter auswählen, viele Details mit Airbus abstimmen und das Material beschaffen. Insgesamt benötigt man umfassende Expertise aus verschiedensten Fachbereichen.», erklärt Henning Jochmann, Head of Technical Fleet Management bei Lufthansa Aviation. Ein halbes Jahr vor dem Umbau gibt es den «Design Freeze». Das ist der Moment, ab dem nichts mehr verändert werden darf.

Zwei A319 sind fertig, zwei kommen noch

Das Material für eine einzelne Umrüstung wird in über 150 sogenannten «Material-Kits» angeliefert. Zu jedem Kit gehören verschiedene Bauteile. Das reicht von kleinen Bauteilen, wie Aufkleber oder Schrauben, bis hin zu sperrigen Kisten mit Trägern, Lavatories oder neuen «Overhead-Bins». «Die Materialmenge, die wir für den Umbau eines Flugzeugs benötigt haben, füllt die Fläche eines Flugzeug-Parkplatzes», so Jochmann. Zu den genauen Kosten wollten sich der Manager nicht äußern, nur so viel: Der Konzern habe erhebliche Mittel investiert, um den vier Airbus A319 ein modernes Kabinendesign zu verpassen.

«Am Ende geht es darum, dass alles nahtlos funktioniert, für Passagiere und Crews», fasst Leitzbach das Projekt abschließend zusammen. Und während die ersten Maschinen bereits im Liniendienst sind, arbeiten die Teams weiter: Zwei sind fertig, zwei kommen.

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