Blick auf Lindau.

Alpen Air über dem BodenseeAuf einem Rundflug mit der wohl kleinsten Airline Deutschlands

Auf der Aero Friedrichshafen wurden die Flugzeuge ausgestellt und bewegten sich nicht – außer das von Alpen Air. Die kleine deutsche Airline hob ab und zeigt, wie sich die Allgemeine Luftfahrt wirklich anfühlt. Ein kurzer Flug, der lange im Kopf bleibt.

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In Friedrichshafen traf sich die Luftfahrtwelt: Auf der größten Messe für die Allgemeine Luftfahrt wurden Mitte April Hunderte Flugzeuge vom Segelflugzeug über Ultraleicht bis hin zu imposanten Businessjets gezeigt. Viele Besuchende und Ausstellende reisen sogar selbst per Flugzeug zur Aero Friedrichshafen an. Nur geflogen wird auf der Messe nicht, die Flieger stehen. Nur ein Unternehmen hebt tatsächlich ab: Alpen Air.

Alpen Air bot über die gesamten Messetage knapp 20-minütige Rundflüge über den Bodensee an. «Wir sind hier, weil die Messe uns gefragt hat, und die Messe schätzt es, weil hier sonst keiner in die Luft geht», sagt Simon Ambrosius, einer der beiden Gründer und Pilot bei Alpen Air. Die Airline betreibt eine Cessna T206H mit dem Kennzeichen D-ELME.

Cessna 206T von Alpen Air mit eigener Lackierung

Wir haben das Angebot getestet. Es ist ein kurzer Weg vom Stand von Alpen Air auf dem Gelände der Aero Friedrichshafen bis zur Cessna. Neben mir sind noch vier andere Männer dabei. Damit ist der Elf-Uhr-Flug ausgebucht, sagt Ambrosius mit einem kurzen Blick auf seine Liste. Die Cessna von Alpen Air hat Platz für fünf Passagiere. Aber zuerst: Ausweise raus. Auch hier gilt, was in der großen Luftfahrt selbstverständlich ist: ein kurzer Security-Check, Dokumente werden abgeglichen, alles wird notiert.

Unser Pilot ist heute aber nicht Ambrosius, sondern Moritz Reuter, der andere Mitgründer von Alpen Air. Die Cessna steht um die Ecke, im Hintergrund ist die riesige Zeppelinhalle am Flughafen Friedrichshafen. Das Heck der Maschine ist in schwarz gehalten und trägt das Unternehmenslogo: zwei stilisierte Berge, darüber ein Kreis für die Sonne. Das Design hat eine ähnlich seriöse Ausstrahlung wie das der Lufthansa. Ambrosius und Reuter sind auch ausgebildete Airline-Piloten.

Mit dem Kopfhörer gehts schon los

Bevor es losgeht, gibt es eine kurze Sicherheitseinweisung und eine Erklärung zur Funktionsweise der Headsets. Alpen Air setzt auf moderne Bose-Kopfhörer mit Noise Cancelling. Dann werden die Plätze verteilt. Einsteigen müssen wir nacheinander, sonst gerät die Cessna aus dem Gleichgewicht. «Ihr seid ja fürsorglich zueinander», sagt Reuter zu den beiden Männern in der letzten Reihe, die sich beide gegenseitig mit den Sicherheitsgurten helfen.

Die Türen werden geschlossen und Reuter beginnt, die Checkliste durchzugehen. Ich setze den Kopfhörer auf – ein leises Knacken, dann sofort Stimmengewirr: Deutsch und Englisch mit spanischen und italienischen Akzenten. Die Messe macht sich auch im Funkverkehr bemerkbar. Reuter fragt die Rollfreigabe an, der Kontrollturm antwortet. «Alrighty», sagt unser Pilot. Wir warten zehn Minuten. Dann kommt die Freigabe, und wir rollen los.

Der Himmel über dem Bodensee zeigt sein schönstes Blau

Vor der Piste folgt noch ein Motorcheck. Reuter zieht die Umdrehungen hoch, der Motor brummt auf. Alles okay. Die Starterlaubnis kommt, wir rollen auf die Piste und die Cessna hebt ab. Schnell steigen wir auf rund 1600 Fuß, rund 500 Meter. «Höher fliegen wir auch nicht», sagt unser Pilot. Ein Blick nach unten: Die Messehallen werden kleiner, und dann sind wir bereits über dem Bodensee.

Das Wetter ist traumhaft. Strahlend blauer Himmel, kein Wölkchen, im Hintergrund die Schweizer Berge. Wir fliegen mit rund 250 Kilometern pro Stunde über Friedrichshafen, an der Insel Mainau vorbei, in Richtung Bregenz. Kurz vor dem Pfänder, dem Hausberg der österreichischen Stadt, taucht der Zeppelin auf. Wir passieren ihn auf gleicher Höhe. Unser Pilot übernimmt dabei die Rolle des Reiseleiters und weist uns auf die Highlights entlang der Route hin.

Alpen Air, die wahrscheinlich kleinste Airline Deutschlands

Und dann drehen wir eine Schleife über dem Bodensee und es geht zurück nach Friedrichshafen. Wir reihen uns in den Landeanflug ein, als sich der Tower-Lotse meldet: ob wir einen Low Approach fliegen wollen. Das bedeutet: Piste anfliegen, in knapp zwei Metern über dem Boden durchrauschen, wieder durchstarten. Reuter zögert keine Sekunde, sagt aber, er mache nur mit, wenn der Lotse ein Video drehe.

Es wirkt, als würden wir landen, links die Messehallen, rechts der Kontrollturm. Doch statt aufzusetzen, zieht die Cessna wieder nach oben, eine letzte Schleife über dem See. Dann geht es endgültig runter: sanfte Landung, langsames Ausrollen, zurück zur Parkposition. Bevor wir aussteigen dürfen, holt Reuter noch einmal die Checkliste hervor und hakt jeden Punkt ab. Erst dann öffnen sich die Türen der Cessna von Alpen Air.

Alpen Air, die wahrscheinlich kleinste Airline Deutschlands

Die Passagiere sind glücklich. Reuter sagt, genau das sei das Schöne an seinem Job: Man macht Menschen zufrieden und habe morgens einen Grund, früh aufzustehen. Alpen Air wurde 2021 von den beiden Piloten gegründet und verfügt über ein eigenes Luftverkehrsbetreiberzeugnis (Englisch: AOC). Sie ist wohl die kleinste Airline Deutschlands.

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