Tupolev ist derzeit vor allem mit der Vergangenheit beschäftigt. Der russische Flugzeugbauer hat zuerst einige eingelagerte Flugzeuge wieder flottgemacht und fährt jetzt die Produktion seines Mittelstreckenflugzeuges Tu-214 hoch. Der Erstflug des ersten neu gebauten Exemplars fand Ende letzten Jahres in Kazan statt.
Von zuletzt rund einem Exemplar pro Jahr auf eine Massenproduktion umzustellen, ist eine Notwendigkeit. Denn wegen der westlichen Sanktionen sind russische Fluggesellschaften auf heimische Flugzeuge angewiesen, um ihre Flotten ausbauen und erneuern zu können. Doch das Vorhaben gestaltet sich schwierig. Denn nicht nur müssen westliche Komponenten ersetzt werden. Die Tu-214 muss auch leichter werden, um sparsamer zu sein.
Fokus liegt auf der Tupolev Tu-214, aber ...
Die Tupolev Tu-214 sei derzeit der Hauptfokus seines Unternehmens, erklärte Manager Alexey Shadanov vergangene Woche beim 20. russischen Venture-Forum in Kazan. Ab 2027 plant der Hersteller, zwölf Exemplare pro Jahr zu bauen, ab 2028 schon 20. Gleichzeitig höre das Konstruktionsteam jedoch nicht auf an neuen Projekten und Technologien zu arbeiten, sagte er weiter. Man kooperiere dabei mit «führenden Brancheninstituten und Forschungszentren» und berücksichtige «alle globalen Trends».
Und dabei bestätigte er erstmals ein Projekt, an dem bei Tupolev gerade gearbeitet wird. Der russische Hersteller, der Teil des staatlichen Flugzeugbaukonzerns UAC ist, der wiederum dem staatlichen Technologiekonzern Rostec gehört, entwirft derzeit ein neues Langstreckenmodell, das mit den Fliegern von Airbus und Boeing konkurrieren soll. Sein aktueller Name: Tu-454.
... gearbeitet wird auch an der neuen Tu-454 ...
Viel ist noch nicht bekannt über den Zweistrahler, den Tupolev als eine «vielversprechende Entwicklung» bezeichnet. Die Reichweite der Tu-454 soll, so berichten russische Medien, bei etwa 15.000 Kilometern liegen, die Kapazität bei bis zu 350 Passagieren. Und als Antrieb sollen dem neuen Langstreckenflieger PD-26-Triebwerke von Aviadvigatel dienen.
... und an einem neuen Triebwerk
Allerdings gibt es dabei noch Widersprüche. Vizepremier Denis Manturov sagte einmal, das PD-26 werde Flugzeuge bis zu einem maximalen Startgewicht von 100 Tonnen antreiben. Das würde allerdings kaum für einen Langstreckenflieger mit Platz für 350 Passagiere reichen. Der A350-900 weist ein maximales Startgewicht von 283 Tonnen auf. Er nannte jedoch weder die endgültigen Parameter des Triebwerks noch den Zeitplan.
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