Die eine flog einst mit mehr als 500 Passagieren durch Japan, die andere gehörte zu den frühen Jumbo-Jets von Pan Am. Später wurden beide ausgemustert und landeten in Malaysia. Doch dort wartete weder der Schrottplatz noch ein Dasein als Ausstellungsstück auf sie. Die beiden Boeing 747 haben eine neue Aufgabe bekommen: Sie sind heute ein Hotel.
Die Flugzeuge stehen in Kempas in Johor Bahru, rund 20 Autominuten vom Senai International Airport entfernt, und bilden das Herzstück des 1975 Avenue & Hotel. Bove und Bey, wie die beiden Jumbos heute heißen, beherbergen jeweils neun Suiten. Zusammen mit 20 gewöhnlichen Zimmern in einem angrenzenden Gebäude kommt die Anlage auf 38 Unterkünfte. Nach jahrelanger Entwicklung können die Flugzeugsuiten inzwischen gebucht werden, wie das Portal Live and Let's Fly berichtet.
Vier Zimmerkategorien im Boeing-747-Hotel
Viel erinnert in den Suiten allerdings nicht mehr an eine dicht bestuhlte Flugzeugkabine. Es gibt vier Zimmerkategorien, die Premium, Business, Captain und Signature heißen und verschiedenen Ländern gewidmet sind. Darunter sind Malaysia, Japan, Korea, Mexiko, Indonesien, Thailand, Ägypten, Saudi-Arabien, China, Deutschland, Griechenland, Italien, Spanien und die Schweiz.
Die Captains Suite: Für Luftfahrtfans ein Traumort. 1975 Avenue Hotel
Besonders weit geht der Umbau bei den Premium Suites. Sie verteilen sich über zwei Ebenen und verfügen unter anderem über einen Schlafbereich, ein separates Wohnzimmer, eine freistehende Badewanne und eine Regenwalddusche. Und auch außerhalb der beiden Flugzeuge setzt das Projekt nicht gerade auf Jugendherbergsenniveau: Zur Anlage gehören unter anderem ein künstlicher Strand, Pools, Spa, Sauna, Fitnessstudio, Restaurants und Veranstaltungsflächen.
Besondere Boeing 747
Dass ausgerechnet diese beiden Flugzeuge erhalten geblieben sind, macht das Hotel auch für Luftfahrtfans interessant. Hinter einem der beiden steckt die frühere JA8143 von Japan Airlines JAL. Die Boeing 747 SR wurde 1980 an die japanische Fluggesellschaft ausgeliefert. Die Abkürzung SR steht für Short Range. Das Modell war eine speziell für kurze Strecken und besonders viele Reisende ausgelegte Version des Jumbo-Jets. Bis zu 533 Menschen fanden in dem Flugzeug Platz.
1998 endete die Zeit bei Japan Airlines. Nach mehreren Besitzerwechseln wurde die 747 schließlich am Flughafen Senai abgestellt. 2019 zerlegte man sie und transportierte sie auf das Gelände, auf dem sie heute als Hotel dient.
Erst Passagiere, dann Fracht
Der zweite Jumbo-Jet war bereits 1970 gebaut worden und wurde mit dem Kennzeichen N743PA an Pan Am ausgeliefert. Zeitweise vermietete Pan Am ihn an American Airlines. Bei Pan Am war die Boeing 747 unter anderem mit den Namen Clipper Derby und Clipper Black Sea unterwegs. 1992 erfolgte der Umbau der Boeing 747 zum Frachter, später flog sie noch für Tower Air und Logistic Air. Schließlich gelangte auch sie nach Malaysia.
Die Boeing 747 sind die Attraktion des Hotels. 1975 Avenue Hotel
Dass Flugzeuge nach dem Ende ihrer Karriere eine zweite als Hotelattraktion beginnen, gibt es auch in Europa. Allerdings kann das ganz unterschiedlich aussehen. Ein Beispiel steht bei Amsterdam. Dort ließ der Touristik-Konzern Corendon im Februar 2019 eine ausgemusterte Boeing 747 zu einem seiner Hotels transportieren. Allein der Weg dorthin sorgte für Aufsehen, denn der Jumbo musste unter anderem eine Autobahn überqueren.
In den Vogesen kann man in einer Caravelle übernachten
Das geht dagegen in Moyenpal in den französischen Vogesen. Dort steht keine 747, sondern eine Sud Aviation SE-210 Caravelle VI-N. Der Zweistrahler absolvierte Ende 1968 seinen Erstflug und war zunächst für JAT Airways unterwegs. Später flog er für Aérotour und Corse Air International. 1985 war nach rund 20.000 Flugstunden Schluss.
Karaoke-Bar, dann Hotel
Nach ihrer aktiven Zeit wurde die Caravelle auseinandergenommen und auf dem Landweg weitertransportiert. Bevor sie 2014 zum Hotel wurde, diente sie sogar als Karaoke-Bar. Heute befinden sich darin unter anderem vier Betten, eine Sitzecke und sanitäre Anlagen. Auch das teilweise ausgebaute Cockpit ist vom Zimmer aus zugänglich.
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