Denn ausgerechnet in einer heiklen Phase der Spannungen mit Iran musste die alte Air Force One noch einmal ran. Wie der TV-Sender ABC News berichtet, drängte der Secret Service Präsident Donald Trump dazu, die Türkei nach dem Nato-Gipfel nicht mit der neu umgerüsteten Boeing 747-8 zu verlassen, die Katar den USA geschenkt hatte. Stattdessen sollte der Präsident zunächst mit einer der alten Boeing VC-25A starten, wie die Boeing 747-200 im Staatsdienst der USA genannt werden.
Alte Air Force One hat bessere Sicherheitsfähigkeiten
Einen konkreten Hinweis auf eine unmittelbare Bedrohung soll es nicht gegeben haben. Die Empfehlung sei vielmehr aus Vorsicht erfolgt. Eine Rolle spielten laut ABC News Unterschiede bei den Sicherheitsfähigkeiten der Flugzeuge. Trump selbst bestritt zwar, dass Sicherheitsbedenken der Grund für den Flugzeugwechsel gewesen seien. Gleichzeitig sagte er auf Nachfrage, er stehe bei Iran «auf Platz eins der Abschussliste».
Auch der Ablauf passte nicht ganz zu einem normalen Präsidentenflug. Passagiere an Bord der alten Air Force One wurden angewiesen, die Fensterblenden geschlossen zu halten. Zudem schaltete das Flugzeug laut Flugdaten seinen Transponder erst über dem Schwarzen Meer nahe Istanbul ein. Trump erklärte später, das könne daran gelegen haben, dass es sich wohl um einen «gefährlichen Flug» gehandelt habe.
Ab Großbritannien flog Trump mit der Air Force One aus Katar
Die neu umgerüstete Boeing 747-8 war zuvor bereits in Richtung des britischen Luftwaffenstützpunkts Mildenhall geflogen. Offiziell erklärte Trump, dort sollten Angehörige des Militärs das Flugzeug besichtigen. Später stieg er in Großbritannien in den neuen Jumbo-Jet um und flog mit ihm weiter zurück in die USA.
Katarische Air Force One: Auch schon unterwegs. U.S. Air Force
Die Boeing 747-8 aus Katar soll die alten Präsidentenflugzeuge eigentlich übergangsweise ersetzen. Sie wurde in Texas seit September umgerüstet, um Sicherheits-, Kommunikations- und andere Anforderungen für den Transport des US-Präsidenten zu erfüllen. Die Kosten dafür sollen nach Schätzungen der Air Force um die 400 Millionen Dollar liegen.
Schnelle Umrüstung der Boeing 747-8 sorgte für Fragen
Doch die schnelle Umrüstung sorgt in Washington für Fragen. Viele Details sind geheim. Gleichzeitig bezweifeln Kritiker, dass die 14 Jahre alte 747-8 bereits dieselben Schutz- und Kommunikationsfähigkeiten bietet wie die jahrzehntelang bewährten VC-25A. Eine Gruppe demokratischer Senatoren forderte zuletzt mehr Transparenz von der Air Force und dem beteiligten Unternehmen L3 Harris.
Für die alte 92-9000 ist das Comeback besonders kurios. Sie wurde im Dezember 1990 an die United States Air Force ausgeliefert und gehört gemeinsam mit der 82-8000 zu den beiden klassischen Präsidentenjets. Air Force One werden sie nur genannt, wenn der Präsident an Bord ist. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist daraus längst der Name der Flugzeuge geworden.
Alte Air Force One ist über 38 Jahre alt
Die 92-9000 steht eigentlich unmittelbar vor der Ausmusterung. Der Jumbo-Jet hatte seinen Erstflug bereits im Oktober 1987 und ist damit mehr als 38 Jahre alt. Dass er erst Jahre später ausgeliefert wurde, lag an der umfangreichen Umrüstung zum Regierungsflugzeug. Wie viele Stunden und Flüge er in seinem Dienst absolviert hat, ist nicht öffentlich bekannt. Die US-Luftwaffe veröffentlicht dazu keine Daten.
Die Boeing 747-8 aus Katar ist dagegen nur eine Übergangslösung. Langfristig sollen zwei andere Boeing 747-8 als neue Präsidentenflugzeuge dienen, VC-25B genannt. Dieses Umbauprogramm liegt allerdings deutlich hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Eigentlich sollten die neuen Flugzeuge bereits 2024 ausgeliefert werden, inzwischen wird frühestens 2028 damit gerechnet.
Neue Boeing 747-8 trägt US-Lackierung
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