Das Caravelle-Hotel bietet ein sehr großzügiges Zimmer.

Besondere ÜbernachtungDas Caravelle-Hotel in den Vogesen

In einer kleinen Ortschaft im südwestlichen Ausläufer der Vogesen steht ein ganz besonderes Ein-Zimmer-Hotel. Es ist in einer Sud Aviation Caravelle untergebracht.

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Moyenpal steht bei Weltenbummlern nicht zuoberst auf der Liste der noch zu besuchenden Orte – was durchaus verständlich ist. Verschlafen kommt der Ortsteil der rund 2600 Seelen-Gemeinde Xertigny daher und liegt rund 50 Kilometer westlich von Freiburg im Breisgau. Hier im französischen Département Vosges deutet wenig auf Weltstadtflair hin. Einen Flughafen sucht man vergeblich.

Und doch gibt es für uns Luftfahrtfans einen guten Grund, sich nach Moyenpal zu begeben: Neben friedlich weidenden Wisenten sticht ein Schmuckstück ins Auge, ein weiß-roter Flieger.  Es handelt sich um eine Sud Aviation SE-210 Caravelle VI-N. Im kleinen Ort wurde sie mit der Seriennummer 233 zum Hotel umfunktioniert.

Eine unvergessliche Nacht in der französischen Einsamkeit

Ihren Erstflug hatte die Caravelle von Moyenpal am 26. Dezember 1968. Ihre Laufbahn startete sie bei JAT Airways mit dem Kennzeichen YU-AHG, ehe sie  1978 ins französische Register aufgenommen wurde. Sie bekam das Kennzeichen  F-BYCY. Der laute Zweistrahler flog danach für Aérotour und schließlich für Corse Air International. Sie war ausgestattet mit zwei Avon 532-Triebwerken von Rolls-Royce, die im Jahre 1985 in Paris-Orly endgültig verstummten, denn hier endete die fliegerische Geschichte der F-BYCY nach rund 20.000 Flugstunden.

In Paris wurde die Caravelle schließlich auseinandergenommen, ehe sie auf dem Landweg zu ihrem neuen Zuhause verschoben wurde. Bevor sie im Jahre 2014 zu einem Hotel umgebaut wurde, war sie noch als Karaoke-Bar im Einsatz. Heute dient der Flieger als witzige Möglichkeit, eine Nacht in der französischen Einsamkeit zu verbringen. Man kann sie über die Farm Aventure in Chapelle-aux-Bois buchen.

Ein Zimmer mit Cockpit

Mit dem Schlüssel in der Hand fährt man mit dem Auto nochmals rund fünfzehn Minuten von der Farm  nach Moyenpal, wo die Caravelle bereits auf einen wartet. Unter dem Flügel an der Nase vorbei fährt man zur Eingangstür – sofern man nicht schon unter der Tragfläche von der Maschine derart entzückt ist, dass man zur Fotokamera greift. Hinter der Tür befindet sich ein schmuck eingerichtetes Zimmer mit direktem Zugang zum Cockpit, einer Sitzecke und insgesamt vier Betten.

In der Mitte des Flugzeugs sind die sanitären Anlagen verbaut. Das Cockpit ist teilweise ausgebaut. Auch von den Triebwerken ist lediglich noch die Verschalung da, Räder wurden komplett abgenommen. Nach einer ruhigen Nacht – die gleich neben der Caravelle vorbeiführende Straße behindert dies gar nicht – öffnet man die Tür und schaut dem Rumpf entlang zum Heck. Wie oft steigt man frühmorgens schon aus einer Caravelle?

Dieser Text von Raphael Joggi stammt von unserem Partner Jetstream, dem internationalen Luftfahrtmagazin.

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