Condors künftige D-ANRR am 14. Oktober bei Airbus in Toulouse: einer der überprüften und verzögerten A330 Neo.

Werkzeugfund im HöhenleitwerkAirbus A330 Neo von Condor muss genauer inspiziert werden und verspätet sich

Ein im Höhenleitwerk entdecktes Werkzeug hat die Produktion des A330 Neo im Sommer lahmgelegt. Nun empfiehlt Airbus auch Kontrollen bei bereits ausgelieferten Flugzeugen. Betroffen sind auch alle A330-Neo-Flotten von Condor und ITA Airways.

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Anfang September wurde bekannt: Airbus hat im Juni und Juli keine A330 Neo ausgeliefert, da der Flugzeugbauer ein Qualitätsproblem im Bereich des Höhenleitwerks gefunden hatte. Anschließend überprüfte der Konzern die A330 Neo, die sich in der Produktion befanden. Gegenüber aeroTELEGRAPH sagte damals ein Airbus-Sprecher zunächst: «Es besteht derzeit keine Notwendigkeit für Inspektionen von in Betrieb befindlichen Flugzeugen.»

Doch damit war die Geschichte nicht zu Ende. Anfang Oktober wurde bekannt, das Qualitätsproblem habe darin bestanden, dass Airbus ein Werkzeug in einem Höhenleitwerk gefunden habe. Der Hersteller rate Airlines nun auch zu Überprüfungen von bereits ausgelieferten Airbus A330 Neo.

Airbus bestätigt Werkzeugfund in A330 Neo

Jetzt wurde Airbus noch konkreter. «Die Erkenntnisse aus diesem Fund haben uns dazu veranlasst, zwei Entscheidungen zu treffen», so Julien Puyou, Chef der Langstreckenflugzeug-Programme, am Dienstag (13. Oktober) vor Medien in Toulouse über den Werkzeugfund in einem A330-Neo-Höhenleitwerk. «Die erste war, die Produktion anzuhalten, bis wir alle Flugzeuge überprüft haben.» Daher habe die Produktion praktisch den gesamten Sommer stillgestanden.

«Die zweite Entscheidung, die wir getroffen haben, betrifft die bereits produzierten Flugzeuge», sagte der Manager. Ein unmittelbares Sicherheitsrisiko bestehe für die Flugzeuge nicht. «Wir können nachweisen, dass ein Flugzeug auch dann sicher betrieben werden kann, wenn sich ein solches Werkzeug in einem der heute fliegenden Flugzeuge befindet», so Puyou. Das habe man gegenüber den zuständigen Stellen belegt.

«Leider passieren Fehler, und das ist auch uns passiert»

«Wir besprechen derzeit mit ihnen, welche Strategie am besten geeignet ist, um die bereits im Einsatz befindlichen Flugzeuge zu überprüfen», sagte der Airbus-Manager. Mitte November werde man sich erneut dazu äußern. Zuvor wurde berichtet, dass Europas Flugsicherheitsagentur Easa keine «unmittelbare Sicherheitsbedenken» hat und die Behörde bis Mitte November über das weitere Vorgehen entscheiden will.

Puyou sagte nun, man habe den Betreibern Überprüfungen bei der nächsten Wartung empfohlen. Darauf angesprochen, dass die Empfehlung für Exemplare gilt, die zwischen 2021 und Ende Mai 2026 gebaut wurden, sagte er, Airbus habe vorsichtshalber einen großen Zeitraum gewählt. «Wir ziehen es vor, pessimistisch zu sein und so viele Flugzeuge wie möglich zu überprüfen», so der Manager. «Die ganze Branche arbeitet daran, solche Fremdkörper aus Flugzeugen fernzuhalten. Leider passieren Fehler, und das ist auch uns passiert.»

Alle A330 Neo von Condor und ITA in der Zeit ausgeliefert

Von Anfang 2021 bis Ende Mai 2026 hat Airbus insgesamt 139 Airbus A330 Neo ausgeliefert, darunter auch alle 16 von Lufthansa-Group-Beteiligung ITA Airways und alle 18 von Condor.

Die deutsche Fluggesellschaft bestätigt auf Anfrage von aeroTELEGRAPH, dass ihre Airbus-A330-Neo-Flotte grundsätzlich von den angekündigten Maßnahmen betroffen ist. «Im Rahmen der regulären Wartung wurden bereits Kontrollen durchgeführt», erklärt eine Condor-Sprecherin. «Nach aktuellem Stand wurden bei keinem Flugzeug der Condor-A330-Neo-Flotte entsprechende Auffälligkeiten oder Befunde festgestellt.»

Details zum künftigen Prüfprozess noch nicht bekannt

Wie diese bisherigen Prüfungen im weiteren Prüfprozess berücksichtigt würden und ob zusätzliche Kontrollen erforderlich seien, werde derzeit mit Airbus und der Easa abgestimmt, so die Airline-Sprecherin. «Die weiteren Prüfungen werden entsprechend den Vorgaben des Herstellers und der zuständigen Behörden geplant und umgesetzt.»

Von Airbus selber überprüft wurden und werden die Jets, die sich in der Produktion befanden, als der Fehler auffiel - auch einer für Condor. Der A330-900 mit der Seriennummer 2143 und dem Testkennzeichen F-WWYH war schon Anfang Juli fertig lackiert und mit Triebwerken bei Airbus in Toulouse zu sehen, steht aber bis heute dort und ist noch nicht geflogen.

Condor bekommt D-ANRR erst in zweiter November-Hälfte

Das Flugzeug, das künftig das Kennzeichen D-ANRR tragen wird, «wurde von Airbus während der Produktion im Rahmen der laufenden Untersuchungen zusätzlich überprüft», so die Sprecherin. Man sei über zu Verzögerungen bei den Auslieferungen informiert worden.

Zwar übergibt Airbus bereits wieder Airbus A330 Neo an Kunden (einen im August, zwei im September), doch die künftige D-ANRR muss noch warten: «Nach aktuellem Planungsstand ist die Auslieferung für die zweite Novemberhälfte vorgesehen», sagt die Condor-Sprecherin. ITA Airways antwortete auf eine Anfrage von aeroTELEGRAPH zur eigenen A330-Neo-Flotte und den empfohlenen Überprüfungen bis zum Erscheinen des Artikels noch nicht.

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