Anderswo war die Stimmung deutlich schlechter. Lufthansa, Luftfahrtverbände und Gewerkschaften kritisierten die Entscheidung scharf. Sie warnten davor, dass künftig noch mehr Passagiere über Dubai statt über deutsche Drehkreuze reisen könnten. Auch Arbeitsplätze seien gefährdet. Doch offenbar war das viel Lärm um Nichts. Zumindest vorerst.
Emirates kämpfte Jahre um Verkehrsrechte
Denn jetzt will ausgerechnet Emirates vorerst gar nicht kommen. «Wir werden im Moment nicht nach Berlin fliegen», sagte Airline-Chef Tim Clark am Mittwoch (21. Oktober) auf der Luftfahrtkonferenz World Routes in Frankfurt. Das berichtet die Zeitung Handelsblatt. Dabei hatte die Golfairline jahrzehntelang um zusätzliche Verkehrsrechte gekämpft. Bisher bedient die Fluggesellschaft Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg. An diesen vier Flughäfen konnte sie ihre Frequenzen grundsätzlich nach Belieben erhöhen. Ein fünftes Ziel war dagegen tabu.
Nun ist Berlin zwar grundsätzlich möglich, allerdings nicht ohne Einschränkungen. Die neue Vereinbarung erlaubt einer Airline aus den Emiraten höchstens sieben Flüge pro Woche zu einem fünften deutschen Flughafen. Gleichzeitig muss sie darauf verzichten, an ihren vier bisherigen Standorten weiter zu wachsen. Und zwar auf unbestimmte Zeit.
Emirates dürfte an anderen Standorten nicht mehr wachsen
Für Emirates bedeutet das eine Abwägung. Die Airline könnte zwar täglich von Dubai nach Berlin fliegen. Dafür wäre es ihr aber beispielsweise nicht mehr möglich, in München eine dritte tägliche Verbindung aufzunehmen. Mit den zusätzlichen Verkehrsrechten gewinnt sie also eine neue Stadt, verliert dafür aber Spielraum an ihren bestehenden deutschen Zielen.
Hinzu kommt eine weitere Einschränkung: Vom fünften deutschen Flughafen aus sind Weiterflüge in andere Länder ausgeschlossen. Emirates dürfte also Dubai mit Berlin verbinden, von dort aber nicht etwa nach New York weiterfliegen. Solche Verbindungen fallen unter die sogenannten Verkehrsrechte der Fünften Freiheit. Emirates hat sie in Deutschland früher genutzt, etwa mit Flügen von Dubai über Hamburg nach New York.
Unklarheit bei Emiraten über das Abkommen
Gerade bei diesem Punkt soll es nun Unklarheiten geben. Nach Informationen des Handelsblatts verstehen Deutschland und die Emirate bestimmte Formulierungen offenbar unterschiedlich. Clark erklärte, man müsse sicherstellen, dass der Geist der Vereinbarung und ihre Übersetzung korrekt seien. Erst wenn Klarheit herrsche, werde Emirates Berlin anfliegen.
Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung. Schließlich hatte die Bundesregierung die zusätzlichen Rechte im September eingeräumt, obwohl sich die deutschen Airlines vehement dagegen gewehrt hatten. Nun scheint die Einigung ausgerechnet der Fluggesellschaft, um die sich der ganze Streit drehte, noch nicht zu passen.
Kommt Emirates, Etihad oder Flydubai?
In Stein gemeißelt ist das Ganze sowieso nicht. Weder Emirates noch Berlin werden übrigens in der Vereinbarung ausdrücklich genannt. Die Rechte könnte also auch eine andere Airline aus den Emiraten nutzen, etwa Etihad oder Flydubai. Ebenso wäre statt Berlin ein anderer deutscher Flughafen möglich. Stuttgart hatte ebenfalls Interesse angemeldet. Gut möglich also, dass der einzige Flieger von Emirates erst einmal das Modell im Berliner Rathaus bleibt.
Sie lesen uns regelmäßig? Dann werden Sie Teil der Menschen, die unsere Arbeit möglich machen. Ihr Abo stärkt unabhängigen Luftfahrtjournalismus und sorgt zugleich für ein werbefreies Leseerlebnis. Und das für den Preis von weniger als einem Getränk am Flughafen. Jetzt hier klicken und abonnieren