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Embraer E2 leiser als Airbus A220

Auch Helvetic Airways hat bald einen Flüsterjet

Die Schweizer Regionalairline flottet bald ihre erste Embraer E190-E2 ein. Helvetic Airways entschied sich auch wegen der geringen Lärmemissionen für den brasilianischen Jet.

Sie sei der neue «Flüsterjet», erklärte Swiss stolz, als sie vor drei Jahren ihre erste C-Series in die Flotte aufnahm. Und Hersteller Bombardier versprach bis zu vier Mal geringere Lärmemissionen im Vergleich zu aktuellen Flugzeugen der gleichen Größe. Das war ein wichtiges Argument für den Regionalflieger, der inzwischen Airbus A220 heißt.

Rund um den Flughafen Zürich und damit das Drehkreuz von Swiss gibt seit Jahren eine Gruppe von Anwohnern, die sich heftig über Fluglärm beschwert. Als sich Helvetic Airways nach neuen Flugzeugen als Ersatz für ihre Embraer E190 umsah, war deshalb klar, dass neben den Kernkriterien Preis und Betriebskosten auch die Lärmemissionen ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung sein werden. Denn sie hat wie Swiss ihre Basis in Zürich.

Durchgesetzt gegen den Airbus A220

«Wir fliegen zudem an viele Flughäfen in Europa, die von dicht besiedelten Gebieten umgeben sind», ergänzt Geschäftsführer Tobias Pogorevc im Gespräch mit aeroTELEGRAPH. Überall dort würden die Diskussionen um Fluglärm und lärmabhängige Gebühren in Zukunft nochmals zunehmen, ist er überzeugt. «Wer leisere Flugzeuge hat, ist da im Vorteil.» Dasselbe gelte beim CO2– Ausstoß. Auch dort würden die Vorschriften laufend strenger, an Emissionen gebundene Gebühren würden zunehmend zum Thema.

Am Ende entschied sich Helvetic Airways für die Embraer E190-E2. Zwölf Exemplare orderte die Schweizer Regionafluggesellschaft fest. Das erste wird im Oktober in Zürich eintreffen und das Kennzeichen HB-AZA tragen. Durchgesetzt hat sich der neue Regionalfliegers aus Brasilien gegen den Airbus A220, der bis zuletzt noch in der Auswahl stand.

Kleinerer Lärmteppich

In der Evaluierung punktete die E190-E2 nicht zuletzt auch beim Lärm. Sie ist rund halb so laut wie die von Helvetic aktuell noch eingesetzte Vorgängerversion E190. Sie soll aber auch nochmal rund zehn Prozent leiser als der Airbus A220-100 sein, wie Embraer verspricht. Für die Anwohner um den Flughafen Zürich bedeutet das eine markante Verringerung der Beschallung, wie erste Simulationen (siehe Grafik unten) zeigen.


Simulation des Lärmpegels eines Starts auf Piste 28 am Flughafen Zürich einer Embraer E190 (links) und Embraer E190-E2.       Grafik: Embraer/Montage aeroTELEGRAPH

Nicht nur die Anwohner werden aber weniger von den neuen Helvetic-Flugzeugen hören, auch die Passagiere. In der Kabine ist die E190-E2 deutlich leiser als andere Regionalflugzeuge und gemäß Embraer auch deutlich leiser als der Airbus A220. «Am Boden, beim Start, auf Reiseflughöhe, bei der Landung – unsere E2-Jets sind überall weniger laut», sagt Programmchef Fernando Antonio Oliveira. Man habe sehr viel in die Isolierung der Kabine investiert, erklärt er.

Kampf mit dem Wal

Ein Problem aber teilt die Embraer E2 mit dem A220. Beide nutzen die PW1000G-Triebwerke von Pratt & Whitney. Und die machen vor allem beim Landeanflug manchmal heulende Geräusche, die Anwohner schon mit Brunftruf eines Schwertwals verglichen haben. Auch bei Embraer weiß man davon. «Pratt & Whitney arbeitet an einer Lösung», so Oliveira.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Aufnahmen der ersten Embraer E190-E2 von Helvetic Airways.



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