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Zwischenfälle an Flughäfen

Sieben Mal war es in den USA knapp – alleine seit Anfang des Jahres

In den letzten Wochen kam es in den USA zu einer unheimlichen Serie von sieben Beinahe-Kollisionen. Das alarmiert Fachleute. Die Fälle im Überblick.

Der amtierende Chef der Luftfahrtbehörde der USA versucht zu beruhigen. «Kann ich der amerikanischen Öffentlichkeit sagen, dass wir sicher sind? Die Antwort ist, dass wir es sind», sagte Billy Nolen kürzlich bei einer Anhörung im Senat. Aber er fügte an: «Wenn die Frage lautet: Können wir besser sein? Dann lautet die Antwort: Absolut!»

Daran arbeite man, so Nolen. Die Federal Aviation Administration FAA hat Mitte Februar erklärt, sie werde «die Struktur, die Kultur, die Prozesse, die Systeme und die Integration der Sicherheitsbemühungen des US-Luftfahrtsystems untersuchen». Und schon bald will sie entscheiden, ob es zusätzliche Maßnahmen braucht. Auslöser war eine unheimliche Häufung von Zwischenfällen.

Ungewöhnliche Häufung in kurzer Zeit

Einige haben weltweit Schlagzeilen gemacht. Andere waren bisher kaum bekannt, wie eine Auswertung des Magazins Fortune ergeben hat. Nicht weniger als sieben Mal kam es alleine seit Anfang des Jahres zu Beinahe-Kollisionen an Flughäfen der Vereinigten Staaten. Glücklicherweise ist dabei nie etwas passiert. Doch Fachleute sind dennoch aufgeschreckt, weil die Häufung in so kurzer Zeit ungewöhnlich ist. Doch was ist wann und wo passiert?

Boston, 27. Februar: Embraer E190 von Jetblue und Learjet

Eine vorläufige Untersuchung der Federal Aviation Administration hat ergeben, dass kurz vor 19.00 Uhr Ortszeit die Flugsicherung der Besatzung eines privaten Learjets anwies, auf Landebahn 9 zu fahren und zu warten. Zur  gleichen Zeit war eine Embraer E190 von Jetblue im Anflug auf Landebahn 4R, welche Piste 9 kreuzt. Die Crew des Learjets wiederholte die Anweisungen deutlich, begann aber trotzdem mit dem Startlauf. Die Besatzung von Jetblue reagierte und leitete einen Steigflug ein.

Burbank, 22. Februar: Embraer E175 von Skywest und Bombardier CRJ 900 von Mesa

Die Cockpitbesatzung einer Bombardier CRJ 900 von der Mesa Airlines im Anflug bekam von der Flugsicherung die Erlaubnis, auf Piste 33 des kalifornischen Flughafens zu landen. Zugleich erteilte sie einer Embraer E175 von Skywest die Erlaubnis, auf der Piste zu starten. Der landenden Flieger gab aber eine Kollisionswarnung aus und die Crew brach die Landung ab.

Austin, 4. Februar: Boeing 737 von Southwest und Boeing 767 F von Fedex

Wenige Minuten nachdem eine Boeing 767 F von Fedex Express die Erlaubnis zur Landung auf 18 L in dichtem Nebel erhalten hatte, bekam eine Boeing 737-700 von Southwest die Erlaubnis, auf Piste 18 L zu starten. Die Cockpitcrews wurden von der Flugsicherung auf die anderen Flieger hingewiesen. Als die Boeing 767 die Nebeldecke durchstach, bemerkten die Crew und der Kontrollturm, dass Kollisionsgefahr herrschte. Den Start konnte die Boeing 737 aber nicht mehr abbrechen. Die Boeing 767 F startete durch und überflog den startenden Jet.

Honolulu, 23. Januar: Boeing 777 von United und Cessna 208 B von Kamaka Air

Die Boeing 777-200 von United landete auf Piste 4R. Der Tower gab der Cockpitbesatzung die Anweisung, auf Rollweg K anzuhalten und nicht über auf Landebahn 4L zu rollen. Denn dort landete gerade eine Cessna 208B von Kamaka Air.

New York-JFK, 27. Februar: Boeing 737 von Delta und Boeing 777 von American Airlines

462 Meter trennten die beiden Flugzeuge im heikelsten Moment. Eine Boeing 737-900 von Delta Air Lines hatte am Flughafen New York-JFK gerade den Startlauf gestartet. Da rollte eine Boeing 777-200 von American Airlines über die Piste. Im letzten Moment gab der Kontrollturm der Crew der Delta-Maschine die Anweisung, den Start abzubrechen».

Baltimore, 12. Januar: Boeing 737 und Fahrzeug

Auf der Straße für Rettungseinsätze war ein Fahrzeug unterwegs. Die Flugsicherung gab ihm die Erlaubnis, Piste 10 zu überqueren, aber hielt es an, vor Piste 15 R anzuhalten. Der Fahrer bestätigte falsch und erklärte, auch Piste 15 R zu überqueren. Der Kontrollturm bemerkte den Fehler nicht und so rollte der Wagen über die Piste, auf der gerade eine Boeing 737 startete. Im heikelsten Moment trennten 50 Meter das Fahr- und das Flugzeug, das bereits auf 270 Kilometer pro Stunde beschleunigt hatte.

Santa Barbara, 9. Januar: Boeing 737 und Fahrzeug

Auf Piste 7 war ein Fahrzeug unterwegs, das eine Kontrollfahrt durchführte. Die Flugsicherung erteilte zugleich einer Boeing 737 die Erlaubnis, dort zu landen. Im letzten Moment wurde die Cockpitbesatzung angewiesen, durchzustarten. Der Jet flog mit einem Abstand von 30 bis 60 Meter über das Fahrzeug hinweg.