Letzte Aktualisierung: um 18:12 Uhr

Zulassung verspätet sich

Comac verpasst selbst gesetztes Ziel für C919

Der chinesische Hersteller hat erst einen Teil der nötigen Tests durchgeführt. Deshalb verschiebt sich die Zulassung und Auslieferung der Airbus-A320-Neo- und Boeing-737-Max-Konkurrentin Comac C919 weiter.

Comac

Werbung von Comac für die C191: Der Jet soll nun 2022 zugelassen werden.

Das Projekt ist von nationaler Bedeutung. Denn die Comac C919 ist das erste vollständig in China entwickelte große Verkehrsflugzeug. 2008 stellte der staatliche Hersteller Comac das Konzept vor, acht Jahre später hätten die ersten Kunden ihre Jets erhalten sollen. Dazu kam es nicht.

Technische Probleme plagten das Programm. Und so fand der Erstflug erst 2017 statt. Und die erste Auslieferung wurde immer wieder hinausgeschoben. Ursprünglich für 2016 geplant, strebte Comac zuletzt eine Zulassung für Ende 2021 an. Erstbetreiberin OTT Airlines, eine Tochter von China Eastern, hätte Anfang 2022 ihre erste C919 bekommen sollen. Aber auch diesen Termin kann Comac nicht einhalten.

Comac und Luftfahrtbehörde haben Personal aufgestockt

Die Ankündigung kommt nicht vom Hersteller Comac selbst, sondern von der Civil Aviation Administration of China CAAC. Yang Zhenmei, Chefin der Zulassungsabteilung der chinesischen Luftfahrtbehörde, sagte vergangene Woche gemäß der staatlichen Nachrichtenagentur Sina, für die C919 habe man 3273 Tests bei 276 Testreihen vorgesehen. Bisher habe man erst 1694 Tests bei 34 Testreihen abgearbeitet.

Comacs C919-Chefingenieur Wu Guanghui meinte kürzlich ebenfalls, dass es 2022 werde. Und dann fügte er an: «Die Fortsetzung des Zertifizierungsprozesses bis 2022 bedeutet, dass sich auch die Auslieferung der C919 bis mindestens nächstes Jahr verzögern wird.» Die CAAC und Comac haben inzwischen das Personal aufgestockt, um die Zulassung kommendes Jahr sicher zu schaffen.

Exportkontrollen der USA als Problem

Damit wird die Verspätung der C919 nochmals größer, die bereits jetzt fünf Jahre beträgt. Ein Grund dafür könnten die verschärften Exportkontrollen der USA sein. Diese hatte der damalige Präsident Donald Trump Ende 2020 in Kraft gesetzt. Daher hat Comac Probleme mit Verspätungen von Zulieferern und fehlenden Ersatzteilen.

Dennoch erachten selbst westliche Beobachter den neuen chinesischen Kurz- und Mittelstreckenflieger als ernsthafte Konkurrenz für Airbus mit dem A320 Neo und Boeing mit der 737 Max. «Die C919 wird ein gutes Flugzeug sein», sagt Willie Walsh. Der Iata-Generaldirektor und ehemalige Chef von IAG glaubt, dass Comac in der Zukunft ein «glaubwürdiger globaler Konkurrent» von Airbus und Boeing sein werde.

Bis zu 168 Sitzplätze

Comac weist aktuell bereits 815 Bestellungen aus. Diese stammen zwar fast ausschließlich aus China selbst. Doch die Käufer brauchen nach ihren C919-Orders keine zusätzlichen Flugzeuge mehr von anderen Herstellern. Die Aufträge, welche für die Comac C919 platziert wurden, entgehen also perspektivisch Airbus und Boeing.

Die Comac C919 ist 39 Meter lang und weist eine Spannweite von 35,8 Meter auf. Sie wird von zwei Leap-1C-Triebwerken des französisch-amerikanischen Herstellers CFM angetrieben und kann bis zu 4075 Kilometer weit fliegen. In einer Spezialausstattung beträgt die Reichweite gar 5555 Kilometer. In einer Zweiklassen-Konfiguration finden in der C919 158 Reisende Platz, in einer Einklassen-Konfiguration 168.



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