Letzte Aktualisierung: um 17:44 Uhr

Brasilien

Besuch des Präsidenten hat Folgen für Azul

Brasiliens Staatspräsident Jair Bolsonaro trat überraschend in ein Linienflugzeug und begrüßte die Passagiere. Dabei tat er etwas, was für Azul noch teuer werden könnte.

Es waren gemischte Reaktionen, die Jair Bolsonaro auslöste. Als er am Freitag (11. Juni) am Flufghafen von Vitória in ein Flugzeug von Azul trat, das bereit zum Abflug nach Campinas war, machten einige Besatzungsmitglieder und Reisende Selfies mit dem Staatspräsidenten. Andere Passagiere waren weniger angetan vom Überraschungsbesuch. «Fora Bolsonaro» (Raus mit Bolsonaro), schrien sie von hinten nach vorne.

Andere gingen noch weiter. «Genocida» (Genozid) schrieen sie dem Präsidenten von Brasilien lautstark ins Gesicht. Sie spielten damit darauf an, dass Bolsonaro die Covid-19-Pandemie zuerst völlig negierte und sie später verharmloste und nur zögerlich Maßnahmen gegen sie ergriff. In der Folge wurde Brasilien heftig heimgesucht, worunter die arme Bevölkerung besonders leidet. Nur Indien und die USA weisen mehr Erkrankte auf, nur die USA verzeichnen mehr Tote.

Gesundheitsstandards nicht eingehalten

Wer sich so verhalte, soll doch mit dem Esel reisen, rief Bolsonaro den Kritikern entgegen. Der Fall ist für ihn damit abgeschlossen. Für Azul könnte er jedoch noch Folgen haben.

Die brasilianische Gesundheitsbehörde will die Fluggesellschaft befragen. Denn der Staatspräsident hat bei seinem Besuch an Bord zwischenzeitlich seine Maske nach unten gezogen. Der Flugkapitän müsse «sicherstellen, dass die Gesetze eingehalten werden, einschließlich der Gesundheitsstandards», kommentierte die Agência Nacional de Vigilância Sanitária Anvisa. In Brasilien gilt in Terminals und Flugzeugen eine Maskenpflicht.

Flugkapitän droht Verweis

Damit nicht genug. Eine Anwältin strengt eine Sammelklage gegen Azul an, weil die Fluggesellschaft die Gesundheitsregeln nicht eingehalten hat. Sie rief bereits Passagiere des Fluges auf, sich bei ihr zu melden. Azul selbst wollte sich zuerst nicht zum Fall äußern.

Inzwischen erklärte die Fluglinie, sie überlege sich, den Flugkapitän zu maßregeln, weil er den Präsidenten beim Besuch des Flughafens an Bord gebeten und danach die Einhaltung der Maskenpflicht nicht überwacht habe.



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