Flieger von Azul: Die Airline sieht sich in einer starken Position.

Gegen deren WillenAzul will Latam Brasil übernehmen

Spannung in Brasilien: Azul hat offenbar Interesse am nationalen Geschäft von Latam. Die winkt ab und will Stärke demonstrieren. Allerdings hat sie ein Problem.

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Wenn eine Krise nicht nur Einzelne brutal trifft, sondern die ganze Branche, arbeiten sogar Konkurrenten zusammen. So starteten Azul Linhas Aéreas und Latam Brasil im Juni 2020 unter dem Eindruck der Corona-Krise eine Codeshare-Partnerschaft für 50 Inlandsstrecken in Brasilien. Nicht mal ein Jahr später ist schon das Ende der Zusammenarbeit in Sicht.

In jeweils eigenen Pressemitteilungen teilen die Fluggesellschaften mit, nach dem 22. August keine Codeshare-Partner mehr zu sein. Beide betonen, es habe sich um eine Lösung während der Krise gehandelt, die durch die aktuelle Erholung nicht mehr notwendig sei.

Azul hat Finanzberater engagiert

Spannend ist aber vor allem, was Azul noch schreibt. Man gehe «aus dieser Krise in einer führenden Position in Bezug auf Liquidität, Wiederherstellung des Netzwerks und Wettbewerbsvorteile hervor», erklärt Airline-Chef John Rodgers. Diese «starke Position» wolle man nutzen, um diese Konsolidierung in der Region voranzutreiben.

«Am Ende des ersten Quartals 2021 haben wir Finanzberater eingestellt und sondieren aktiv Konsolidierungsmöglichkeiten», so Rodgers weiter. Azul sei zum jetzigen Zeitpunkt «in der besten Position sind, um strategische Alternativen zu verfolgen».

Gläubiger als Verhandlungspartner

Laut der brasilianischen Zeitung Valor Econômico soll Azul den Plan haben, Latams Geschäft in Brasilien zu übernehmen. Deren Brasilien-Chef Jerome Cadier erklärte zwar, es werde keinen Verkauf und keine Trennung vom chilenischen Teil des Konzerns geben. Allerdings will Azul laut den Informationen in erster Linie auch gar nicht Latams Management von dem Plan überzeugen, sondern die Gläubiger des Unternehmens.

Latam ist seit Mai vergangenen Jahres zahlungsunfähig und hat sich in den USA, wo sie börsennotiert ist, in Gläubigerschutz begeben. Im Juli 2021 muss sie nun ihren Restrukturierungsplan vorlegen. An dieser Stelle will Azul ins Spiel kommen.

Latam will Stärke zeigen

Das Management von Latam bringt sich derweil in Stellung, indem es selber Stärke betont. In der Mitteilung zum Codeshare-Ende heißt es, man wolle den Betrieb in Brasilien bis Dezember 2021 wieder auf 90 Prozent des Niveaus vom Dezember 2019 hochfahren. Dazu werde man das Inlandsnetzwerk in Brasilien mit sieben Airbus A320 zu stärken und 750 Pilotinnen und Flugbegleiter anstellen. Außerdem plane man, die Frachterflotte in der Region von 11 auf 21 Boeing 767 aufzustocken, so Latam weiter.

Vor der Corona-Krise hatten zunächst vier Airlines den brasilianischen Inlandsmarkt unter sich aufgeteilt. Doch dann schied Avianca Brasil aus. So blieben Ende 2019 Gol Linhas Aéreas mit einem Marktanteil von 38,6 Prozent, Latam mit 37,7 Prozent und Azul mit 23,3 Prozent. Bei den internationalen Flügen ab Brasilien liegt Latam (65,5 Prozent Anteil) vor Azul (22,5 Prozent) und Gol (12 Prozent).

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