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Nur noch wenige Passagierflieger

Der Airbus A310 macht sich immer rarer

Wer nochmals an Bord eines Airbus A310 fliegen will, muss sich sputen. Mit Yemenia flottet eine weitere Airline den Langstreckenjet aus.

Instagram-Profile von Fluggesellschaften sehen meist so aus: Hochglanz-Bilder von Reisezielen, Fluggäste die es sich an Bord gut gehen lassen und hin und wieder Fotos von Flugzeugen, die in strahlend blauem Himmel majestätisch dahingleiten. Etwas anders präsentiert sich Yemenia. Die nationale Fluglinie des Staates im Süden der Arabischen Halbinsel postet täglich eine Tabelle, die den überschaubaren Tagesflugplan zeigt.

Wer genau hinsieht, entdeckt eine weitere Besonderheit. Zwischen den Flügen mit Airbus A320 tauchen gelegentlich Flüge mit einem Airbus A310 auf. Yemenia holte sich von Mitte der 1990er-Jahre bis 2009 insgesamt sechs Exemplare der Langstrecken-Version des Airbus A300 in die Flotte. Genau wie sein technisches Vorbild ist der A310 aber immer seltener am Himmel zu sehen. Auch die jemenitische Nationalairline plant ihr letztes Exemplar bald auszuflotten, wie sie vergangene Woche bekannt gab.

Nachfolger konnte nicht bleiben

Aktuell betreibt Yemenia nur noch einen Airbus A310. Die Fluglinie leidet unter dem seit 2015 im Land wütenden Krieg und musste in den vergangenen Jahren ihre anderen Exemplare mangels Ersatzteilen und Nachfrage außer Dienst stellen. Ein A310 ging schon 2009 beim tragischen Absturz von Yemenia-Flug IY626 verloren, bei dem von 153 Insassen nur eine damals minderjährige Passagierin überlebte.

Der Airbus A310 blieb für Yemenia in den letzten Jahren der einzige Flieger für Langstreckenflüge. Ihre drei moderneren Airbus A330 musste die Fluglinie vor fünf Jahren wegen Rechtsstreitigkeiten mit dem Leasinggeber zurückgeben. Der Zwist gipfelte in der Beschlagnahmung eines der A330 in Paris durch französische Behörden.  Heute verbleibt ihr nur noch der Airbus A310 mit der Registrierung 7O-ADR als Großraumflieger.

Altersmüder A310 wurde zur Zielscheibe von Anfeindungen

Das Flugzeug begann seine Laufbahn in Europa. Airbus lieferte es 1991 an Austrian Airlines aus. Der A310 ist einer der Flieger, mit denen die österreichische Gesellschaft erstmals seit der Ausflottung ihrer Boeing 707 und Douglas DC-8 in den 1970er-Jahren wieder auf die Langstrecke ging. Im Jahr 2000 ging er dann als Leasingflieger zu Yemenia. Nun ist für die 7O-ADR endgültig Schluss.

Ende vergangenen Monats (30. Juni) erlitt die Maschine bei einer Landung in Kairo zwei Reifenplatzer. Schon zuvor musste sich die Airline neben Korruptionsvorwürfen auch den Vorwurf schlechter Wartung gefallen lassen. Wie die Nachrichtenseite Hamrin News berichtet, wies der Vorstandvorsitzende von Yemenia, Ahmed Masood Al-Alwani, erneute Anschuldigungen nach dem Vorfall zurück. Zugleich verkündete er jedoch, dass seine Fluggesellschaft ihren letzten A310 bald in Rente schickt und diesen mit einem weiteren Airbus A320 ersetzt. Wann das genau geschehen soll, sagte er nicht.

Airbus´ erster Flop

Damit wird der A310 am Himmel noch rarer. Bei der Auslieferung des letzten Exemplars im Jahr 1998 war das Flugzeug bereits selten. Airbus baute gerade einmal 255 Exemplare des Fliegers, der an die Erfolge des A300 anknüpfen sollte. Doch das Konzept des mit 47 Meter kürzeren Rumpfes, der tauglich für Langstrecken war und bis zu 240 Plätze bot, floppte. Der A310 ist bis heute die am schlechtesten verkaufte zivile Modellreihe des europäischen Flugzeugherstellers.

Heute fliegen noch ungefähr 30 Exemplare des Klassikers, dessen Jungfernflug 1982 stattfand, mit Passagieren. Dabei scheint der A310 vor allem als Arbeitstier von Armeen immer noch gefragt zu sein. Die deutsche Luftwaffe übernahm nach der Wiedervereinigung mehrere A310 aus den Beständen der ehemaligen Interflug, der staatlichen Airline der DDR. Von diesen Fliegern besitzt sie heute noch ein Exemplar. Doch sie übernahm auch von Lufthansa und Condor ausrangierte A310.

Als Staatsflieger gefragt

Zuerst wurden diese in der Flugbereitschaft als Regierungsflieger und Truppentransporter eingesetzt. Nach der Einführung von zwei Airbus A340 als Staatsflieger wurden die meisten A310 der Luftwaffe zum Multirollen-Arbeitstier umgebaut. Mit Ausnahme des einzigen letzten DDR-A310 können die anderen vier A310 wahlweise als Tankflugzeug, fliegendes Lazarett oder Truppentransporter eingesetzt werden.

Im April durfte einer der A310 der Luftwaffe aber für einen Flug nochmals in seine alte Rolle zurück schlüpfen. Nachdem die beiden Airbus A340 der Flugbereitschft von mehreren Pannen geplant wurden, griff Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen für eine Reise zum Uno-Sicherheitsrat in New York vorsichtshalber auf einen der längst grau getarnten A310 zurück.

Aus Europa bereits verschwunden

In anderen Ländern ist es jedoch noch ein gewöhnliches Bild, wenn Politiker eine Staatsreise an Bord eines Airbus A310 antreten. So wird insgesamt fast ein weiteres Dutzend Airbus A310 in Frankreich, Kanada, Spanien und Pakistan als Truppentransporter und Staatsflieger eingesetzt.

Normale Passagiere haben ebenfalls noch eine Chance, an Bord des selten gewordenen Zweistrahlers mitzufliegen. Etwas weniger als 20 Exemplare stehen noch in Diensten von Fluggesellschaften. Nachdem Azores Airlines im vergangen Oktober als letzter europäischer A310-Betreiber den A310 in Rente schickte, fliegen nur noch die sechs Exemplare der kanadischen Air Transat in westlichen Sphären. Die Gesellschaft plant aber bereits, das Modell bis Sommer 2020 mit Airbus A321 Neo LR zu ersetzen.

Auch als Frachter weniger Erfolg

Enthusiasten bleibt für einen Mitflug in einem A310 dann nur noch der Weg in den Nahen Osten. Mit sieben Fliegern ist die iranische Mahan Air heute der größte A310-Betreiber der Welt. Da das Land aufgrund des Wirtschaftsembargos nur kaum Zugang zu neuen Passagierfliegern hat, werden diese A310 notgedrungen noch eine Weile im Dienst bleiben. Eine weitere Handvoll A310 fliegen bei Taban Air und Iran Air sowie bei Ariana Afghan Airlines.

Noch länger dürften die Frachter im Dienst bleiben. Als Cargo-A310 fliegen drei Exemplare beim amerikanischen Logistikriesen Fedex. Royal Jordanien Cargo (ein Exemplar) und die türkische ULS Airlines Cargo (drei Exemplare) setzen den A310 aktuell ebenso noch für den Warentransport ein.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie Aufnahmen von aktuellen und ehemaligen Betreibern des Airbus A310.



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