Unfallermittler am Absturzort der Boeing 767 von Amazon Air: Das Flugzeug ging plötzlich in des Sturzflug über.

Absturz einer Boeing 767 in TexasPilot von Atlas Air verheimlichte schlechte Leistungen

Ein Unfallbericht zum Absturz einer Boeing 767 von Atlas Air im Auftrag von Amazon Air kritisiert besonders den Kopiloten. Dieser fiel in Vergangenheit mit schlechten fliegerischen Leistungen auf.

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Luftfahrt

Ende Februar stürzte eine  Boeing 767 von Amazon Air im Bundesstaat Texas ins Meer. Die Frachtmaschine befand sich im Anflug auf den Flughafen Houston, als das Flugzeug aus einer Höhe von annähernd 1800 Meter in einen Sturzflug überging und in eine Bucht stürzte. Die beiden Piloten sowie ein weiterer Insasse kamen dabei ums Leben. Nun hat die amerikanische Unfallermittlungsbehörde NTSB einen ersten detaillierten Untersuchungsbericht vorgelegt.

Eine Ursache für den Absturz nennen die Ermittler noch nicht. Der Bericht gibt jedoch Einblicke in die Geschehnisse im Cockpit und offenbart Missstände bei den Einstellungspraktiken der amerikanischen Atlas Air, welche im Auftrag von Amazon den Flug durchführte. Dabei stellt die Behörde allen voran die fliegerischen Fähigkeiten des Kopiloten in Frage. Bei den Ermittlungen haben die Ermittler eine beachtliche Reihe gescheiterter Prüfungs- und Fortbildungsversuche festgestellt.

Kapitän versuchte Abfangmanöver

Der Kopilot war während des Unglücksflugs als sogenannter Pilot Flying für das Steuern der Boeing 767 zuständig. Nachdem ein versehentliches Auslösen eines Schalters den Schub der Triebwerke vermutlich auf Startleistung setzte, hob sich die Nase der Boeing 767 leicht an. Laut des Berichts befürchtete der Kopilot daraufhin ein Überziehen des Flugzeuges und drückte die Nase nach unten - eine für diesen Fall übliche Überzieh-Warnmeldung des Cockpits blieb aus.

Im Bericht legen die Ermittler nahe, dass der Kopilot dabei seine Orientierung sowie sein Auffassungsvermögen über die Situation verlor. Als sich das Flugzeug bereits wieder im Horizontalflug befand, glaubte der Pilot, die Boeing befinde sich noch immer im Steigflug, und drückte die Nase mit vollem Schub weiter nach unten. In den letzten Sekunden vor dem Aufprall soll der Kapitän versucht haben, das Flugzeug wieder nach oben zu ziehen.

Flugverlauf der Boeing 767  Bild: NTSB

«Mangel an Verständnis darüber, wie unsicher er war»

Bei ihren Untersuchungen fand die NTSB heraus, der der Kopilot bei Atlas Air sowie auch bei vorherigen Fluglinien in Simulatortrainings vermehrt durch schlechte Leistungen aufgefallen war. Vor der Einstellung bei der Fracht- und Chartergesellschaft war der Mann bei mehreren kleineren Regionalfluglinien als Erster Offizier eingestellt. Zwei der Airlines musste der Mann bereits nach wenigen Wochen verlassen, weil er im Flugtraining ungenügende Leistungen erbrachte.

Bei der letzten Fluglinie vor Atlas Air wurde der Pilot nicht für die Fortbildung zum Flugkapitän zugelassen. Das NTSB befragte für ihre Untersuchungen damalige Fluglehrer. Laut einem Ausbilder besaß der Erste Offizier einen «Mangel an Verständnis darüber, wie unsicher er war», geht aus dem Bericht hervor. Aus «Karrieregründen» verließ der Pilot die Fluglinie und wechselte zu Atlas Air.

Erster Offizier verschwieg gescheiterte Trainings

Bei der Bewerbung bei Atlas Air verschwieg der Erste Offizier sein Scheitern bei den beiden Fluglinien, die ihn aufgrund der schlechten Trainingsleistungen nur für wenige Wochen beschäftigten. Damit verstieß er gegen Vorschriften der amerikanischen Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA). Diese schreibt Piloten bei Bewerbungen eine lückenlose Darlegung ihres fliegerischen Werdegangs vor.

Gegenüber Atlas Air begründete der Erste Offizier die Lücken mit «Beurlaubungen und Studium», sagt das NTSB. Die Fluglinie glaubte ihm das und stellte ihn ein. Bei Fluglinien ist es üblich, dass Piloten vor der Einstellung eine eigene Simulatorprüfung der Airline bestehen. Ein leitender Fluglehrer von Atlas Air sagt gegenüber den Ermittlern, dass die Fluglinie ihn mit dem Wissen über die gescheiterten Trainings bei den anderen Fluglinien nicht eingestellt hätte.

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