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Nachfolger für Antonov An-2

Russland plant Nachfolger für Traktor der Lüfte

Russland will alte Kurzstreckenflieger ersetzen. Hersteller Ural Works stellt dafür nun ein neu entwickeltes Turbopropflugzeug vor, das die legendäre Antonov An-2 beerben soll.

Antonov ist vor allem bekannt für seine riesigen Frachtflugzeuge wie die An-124 oder die gigantische An-225. Das meist gebaute Modell des ukrainischen Herstellers ist jedoch der Kurzstreckenflieger An-2. Mit rund 18.000 hergestellten Exemplaren übertrifft er sogar die Douglas DC-3.

Obwohl die Einführung der Antonov An-2 vor 72 Jahren erfolgte, hat der Doppeldecker als Zubringer- und Transportflugzeug in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion noch nicht ausgedient. Denn er gilt als extrem stabil und pflegeleicht. In den vergangenen Jahren wurden in Russland und der Ukraine zwar modernisierte Varianten mit Turboproptriebwerken und modernisierten Cockpits vorgestellt. Erfolge sind sie aber nicht.

Drittes neues Regionalflugzeug für Russland

Das soll sich nun ändern. Ural Works of Civil Aviation kündigte an, ein Turbopropflugzeug als Ersatz für die immer älter werdenden An-2 zu entwickeln. Zuvor gewann das einstige Wartungsunternehmen, das inzwischen auch kleinere Flugzeuge in Lizenz und im Auftrag produziert, eine Ausschreibung des russischen Industrie- und Handelsministeriums für einen An-2-Nachfolger in größerer Stückzahl.

Bisher setzte Russland vor allem auf Neuauflagen der Let L-610 und der Ilyushin Il-114, um die alternden Regionalflugzeuge heimischer Fluggesellschaften zu ersetzen. Mit dem Nachfolger der Antonov An-2 soll jetzt aber ein vollständig neues Flugzeug entwickelt werden, das nur noch in seiner Konfiguration an den Vorläufer erinnert.

Stark an Vorbild angelehnt

Der noch unbenannte Nachfolger soll laut Ural Works ein leichtes Mehrzweckflugzeug mit ähnlichen Leistungswerten wie die An-2 werden. Genau wie der Vorgänger wird das neue Flugzeug ein Spornrad-Fahrwerk besitzen, bei dem das Hauptfahrwerk vorne liegt. Die Doppeldecker-Auslegung der An-2, aufgrund der kleineren unteren Flügel streng genommen ein Eineinhalbdecker, weicht einem einzigen großen Flügelpaar, welches das Flugzeug auf den Schultern tragen wird.

Mit einer Reisegeschwindigkeit von 300 Kilometer pro Stunde soll das neue Flugzeug mindestens 1500 Kilometer weit fliegen, bei bleibenden Reserven für 45 Minuten Flugzeit. Dabei soll es Platz für neun Passagiere bieten – in Zukunft soll auch die Möglichkeit für den Einbau von zwölf Sitzplätzen bestehen. Als Nutzlast strebt Ural Works für die neue An-2 zwei Tonnen an.

Immun gegen Witterung

Genau wie beim Vorgänger legen die Entwickler wert auf günstige Anschaffungs- und Betriebskosten. Die Kosten eines Serienmodells sollen bei etwa 120 Millionen Rubel oder umgerechnet 1,7 Millionen Euro liegen. Laut Ural Works soll das Flugzeug problemlos ohne Hangar als Witterungsschutz auskommen. Zudem wird es so konstruiert, dass sich Wartungsarbeiten auch fern von Flughäfen einfach durchführen lassen.

Für den Nachfolger des Traktors der Lüfte, wie die An-2 genannt wird, ist neben Passagier- und Frachttransporten auch der Einsatz als Such- und Rettungsflugzeug vorgesehen sowie als Agrar- und Militärflieger. Der Flugzeugbauer schätzt den Bedarf für sein neues Flugzeug auf mindestens 230 Exemplare ein.

Russland will Nachfolger schnell auf den Markt bringen

Der Zeitplan für die Entwicklung ist ambitioniert. Bis Ende 2020 soll der erste Prototyp produziert werden, für Mitte 2021 ist die Erprobung geplant und 2022 will der Hersteller die Zulassung erreichen, heißt es in einer Mitteilung von Ural Works. Ab 2023 soll die Serienproduktion anlaufen. Darauf einigte sich das russischen Industrie- und Handelsministerium per Vertrag mit dem Hersteller.

In der oben stehenden Bildergalerie erfahren Sie mehr über die Antonov An-2 und den geplanten Nachfolger.



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