Ilyushin 114-300: Zweiter Anlauf soll nicht wieder ein Flopp werden.

Neuauflage des RegionalfliegersRussland macht vorwärts mit Projekt Il-114

Die Neuauflage des Turbopropfliegers Ilyushin Il-114 kommt voran. Ein erstes wichtiges Bauteil ist fertig und eine erste Fluglinie zeigt nun Interesse.

Top-Jobs

Hahnair

Document Control Manager (all genders)

Düsseldorf
Feste Anstellung
Hahn Air Lines GmbH
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
Hahnair

Prozessmanager (all genders)

Düsseldorf
Feste Anstellung
Hahn Air Lines GmbH
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
Pilatus Logo

Crossmedia Marketing Content Redakteur (a)

Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Flugzeugwerke AG
Schweiz
Vollzeit
Top jobs
Flightkeys

Subject Matter Expert (f/m/o)

Vienna
Feste Anstellung
Luftfahrttechnologie
Flightkeys GmbH
Österreich
Vollzeit
Top jobs

Flügelmittelkästen sehen etwas verloren aus, wenn sie entblößt in den Werkshallen der Hersteller auf den Einbau warten. Dabei sind die eckigen Bauteile enorm wichtig: Sie sind die Schnittstelle zwischen den Tragflächen und dem Rumpf. Um diese Aufgabe zu stemmen, sind sie eine der stabilsten Stellen von Flugzeugen.

Lohnenswert ist die Entwicklung der Kästen meist nur, wenn aus einem geplanten Projekt auch Wirklichkeit werden soll. Der russische Luftfahrtkonzern UAC hat für seine geplante Ilyushin Il-114-300 nun genau dieses wichtige Bauteil fertiggestellt. Wie das Fachportal Russian Aviation Insider berichtet, wurde der erste Flügelmittelkasten des neu aufgelegten Regionalfliegers mit Turboprop-Triebwerk im Werk der UAC-Tochter Voronezh Aircraft Production Association Vaso gebaut.

Datum des Jungfernflugs noch nicht bestimmt

Im September wird der Kasten zur Endfertigung nach Lukhovitsy in der Nähe von Moskau geliefert, wo Prototyp Nummer Eins entstehen wird. Wann dieser abheben wird, ist bislang nicht klar. UAC sieht die Lieferung aller für die Il-114-300 benötigten Komponenten bis 2021 vor.

Im Plan ist vorgesehen, dass 40 Prozent der Bauteile in Voronezh produziert werden. Dort arbeitet UAC auch am neuen Transporter Il-112, der vergangenen April seinen Jungfernflug angetreten hatte. Genau wie die Il-114-300 ist er mit zwei Turboproptriebwerken ausgestattet.

Jakutien erwägt Il-114 für seine Airline

Die Endfertigung in Lukhovitsy erfolgt in einem Werk der weiteren UAC-Tochter Mikojan-Gurewitsch Mig. Wo die restlichen Komponenten entstehen, sagte UAC bislang nicht. Jüngste Aussagen zu einem Erstflug kamen vor zwei Monaten von Mig-Chef Ilya Tarasenko. Im November 2020 soll die Ilyushin Il-114-300 nach Aussagen des Managers das erste Mal abheben.

Im vergangenen September erklärte Russlands Industrie- und Handelsminister Denis Manturov, dass erste Bestellungen im Jahr 2022 aufgenommen werden. Nach früheren Plänen sind für 2023 die ersten Auslieferungen geplant. Einen ersten Interessenten konnte die Il-114-300 bereits finden. Die Regierung der nordrussischen Republik Sakha - auch als Jakutien bekannt - sucht neue Flugzeuge für ihre eigene Fluglinie Polar Airlines.

Erste Absichtserklärung in der Tasche

Bisher betreibt die Airline Turbopropflieger vom Typ Antonov An-24, die sich wegen ihrer Robustheit besonders für den Einsatz nördlich des Polarkreises anbieten. Doch die einst für das Militär entwickelten Transporter werden zunehmend älter. Die Regierung möchte für ihre Fluglinie bis 2029 insgesamt 23 neue Flugzeuge einflotten. Für drei Il-114-300 hat Polair Airlines dieser Tage eine Absichsterklärung unterzeichnet.

Heißester Kandidat dafür ist bislang die Il-114-300. Denn der neue Turbopropflieger soll gezielt als Ersatz für ältere russische Muster wie die An-24 oder auch An-26 dienen.  Bisher fehlten den Betreibern dieser als besonders robust geltenden Flieger ebenbürtige Alternativen.

Russischen Airlines fehlen Alternativen

Nun soll es mit der Il-114-300 einen modernen Regionalflieger geben, der auch mit harten Einsatzbedingungen in abgelegenen Gebieten klarkommt. Für Polar Airlines dabei besonders verlockend: Es ist auch eine Arktis-Version geplant, die genau wie die An-24 auf Eis landen kann. «Wir werden an der möglichen Einführung der Il-114-300 in die Flotte der Fluggesellschaft arbeiten, sobald die Serienproduktion dieses Typs aufgenommen wurde», sagt ein Sprecher der Regierung Jakutiens.

Für UAC und auch Russland wäre es eine Bestellung ganz nach Plan. Denn in Moskau wünscht man sich, dass heimische Fluglinien im Ausland gebaute Flieger künftig durch russische ersetzen: «Wir brauchen ein Regionalflugzeug oder wir werden in diesem Segment immer alles im Ausland kaufen», erklärte der russische Präsident Vladimir Putin vorletztes Jahr.

Hohe Priorität im Kreml

Der Staatschef machte das Projekt zur Chefsache und sicherte damals eine staatliche Finanzierung für die Jahre 2019 und 2020 zu. Zusammen mit der Entwicklung eines Triebwerkes für Großraumflugzeuge soll der neue Regionalflieger oberste Priorität innerhalb der staatlichen Luftfahrt genießen.

Neu ist der Entwurf der Il-114 nicht. Der Flieger wurde in den 1980er-Jahren in der Sowjetunion entworfen und in Uzbekistan gebaut. Er war ein Flopp: Einziger Betreiber war die dort heimische Uzbekistan Airways, welche ihre zwölf Exemplare bis letzten Jahr vollständig ausmusterte und seitdem noch immer keinen neuen Käufer finden kann.

Hohe Priorität im Kreml

Insgesamt wurden nur 20 Exemplare zwischen 1986 und 2012 gebaut. Das Flugzeug wird mit neuen Triebwerken und Cockpitsystemen auf den neusten Stand der Technik gebracht.

Mehr zum Thema

ilyushin il 114 300 kaelte

Polar Airlines will Ilyushin Il-114-300 - aber nur, wenn sie noch ein zusätzliches Detail bekommt

ticker-aeroflot

Aeroflot verbindet Irkutsk mit chinesischer Strand-Destination

Techniker von Aeroflot: Das Wartungsunternehmen Aeroflot Technics ist Opfer eines massiven Cyberangriffs geworden.

Schwerer Hackerangriff legt Aeroflot Technics lahm - an einem ganz besonderen Datum

Flugzeuge in der Wartungshalle von Ural Airlines: Die Airline will die Lebenszyklen ihrer Flotte deutlich verlängern.

Ural Airlines will ihre A320 über 20.000 Stunden länger fliegen lassen als von Airbus vorgesehen

Video

wrack bombardier crj 900 ntsb
Die Unfalluntersuchungsbehörde NTSB hat neues Videomaterial zum Zusammenstoß einer Bombardier CRJ 900 von Air Canada mit einem Feuerwehrauto am New Yorker Flughafen LaGuardia veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigen, wie heftig die Kollision war.
Timo Nowack
Timo Nowack
michael rousseau air canada
Nach dem tödlichen Unglück einer Bombardier CRJ 900 am New Yorker Flughafen La Guardia brachte der Chef von Air Canada sein Mitgefühl zum Ausdruck - allerdings nur auf Englisch. Nun kommt von hochrangiger Stelle eine Rücktrittsforderung - auch, weil es nicht der erste sprachliche Fauxpas ist.
Timo Nowack
Timo Nowack
united crj 450 interior
Neun Sitze weniger, dafür eine Business Class und mehr Komfort. United Airlines will bis 2028 rund 50 Regionalflugzeuge vom Typ Bombardier CRJ 200 umrüsten und verpasst ihnen dazu gleich einen neuen Namen: CRJ 450.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies