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Bar und Restaurant in Graz

Alte Jets finden auf Hoteldach neue Aufgabe

Auf dem Dach eines Hotels im österreichischen Graz kann man in zwei Fliegern speisen und trinken. Der Unternehmer, der die Attraktion geschaffen hat, hat noch viel mehr vor.

Mit

Bislang war das beschauliche, 330.000 Einwohner zählende Graz bei Besuchern für den mittelalterlichen Hauptplatz, die verträumen schmalen Gassen mit ihren zahlreichen historischen Gebäuden und dem Uhrturm, der weit sichtbar am Gipfel des Schlossberges thront, bekannt. Seit zwei Jahren bietet die südösterreichische Stadt jedoch auch eine Attraktion für Luftfahrt-Enthusiasten: Das Nova Park Flugzeughotel.

Das Hotel des Grazer Geschäftsmannes Helmut Neukam feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. Doch eine Attraktion ist es erst seit Kurzem, auch wenn es die Idee schon länger gab: Bereits vor 23 Jahren hatte der Geschäftsmann und Luftfahrtfan die Idee, zwei gebrauchte Flugzeuge anzukaufen, die zu Bar und Restaurant des Hotels werden sollten. Doch erst Jahrzehnte später erfüllte er sich den Traum.

Traumberuf Verkehrspilot

Die Begeisterung für die Branche trug Neukam schon lange in sich. Bereits in jungen Jahren wollte er Verkehrspilot werden, doch damals war das in Österreich nicht so einfach möglich. Er schloss daher eine technische Ausbildung ab und versuchte sich als Unternehmer. Mit dem zunehmenden Erfolg seines Unternehmens wurde er zwar immer noch kein Pilot, aber zumindest beruflicher Vielflieger. Sein Unternehmen war weltweit im Anlagenbau tätig und Geschäftstreffen mit Partnern und Kunden standen auf der ganzen Welt – aber auch in Graz an der Tagesordnung.

Um diese Treffen in unmittelbarer Nähe seines Betriebes abhalten zu können, kaufte er im Jahr 1995 ein Garni Hotel mit nur zwölf Zimmern und wurde nebenbei auch noch zum Hotelier. Das Hotelgeschäft lief gut, die Hotelanlage wurde in den folgenden Jahren um weitere Zimmer, einem Kongressbereich und eine Wellnesslandschaft erweitert.

Bewegte Geschichten

Pünktlich zum siebzigsten Geburtstag wurde Neukams Traum Realität. Er kaufte zwei Verkehrsflugzeuge, transportierte Sie nach Graz und setzte Sie auf das Dach seines Hotelkomplexes. Die Dachterrasse wurde im Stil eines Flughafenterminals umgebaut und die beiden Flugzeuge dienen seither in ihrer neuen Funktion als Restaurant und Bar.

Eine passende Boeing 727-231 fand Neukam am Flughafen El Paso. Im April 1969 war der Boeing-Dreistrahler an die amerikanische TWA Trans World Airlines ausgeliefert worden, wo er für einige Jahre im Inlandsdienst im Einsatz stand. Danach wurde der Flieger mit VIP-Ausstattung ausgerüstet und flog die Baseballmannschaften Chicago White Sox und Montreal Expos durchs Land. Noch in der Bemalung der White Sox wurde das Flugzeug zuletzt mit der Kennung 3D-JJM von Inter Air South Africa in Swasiland betrieben. Danach ging es zurück in die USA, wo es fast zehn  Jahre verbrachte, bevor der Österreicher die 727 kaufte.

Ehemaliger Regierungsjet

Der Transport war ziemlich aufwendig. Nach Vertragsabschluss wurde die zerlegte Boeing 727 per Schiff via Houston, Antwerpen, den Rhein und die Donau entlang nach Österreich überstellt und per Lkw nach Graz transportiert. Nach einer Renovierung der Kabine und dem Zusammenbau der einzelnen Flugzeugkomponenten wurde die Boeing 727 zu ihrem neuen Abstellplatz auf dem Dach des Hotels in einer Höhe von 22 Metern gehievt und zum Gourmet-Restaurant mit 53 Sitzen umgebaut.

Die zweite Maschine hatte einst einen hochrangigen Besitzer. In der Ilyushin Il-62 M flog früher unter anderem der ehemalige tschechoslowakischen Staatspräsidenten Gustav Husak umher. Auch nach dem Ende der Tschechoslowakei flog der Jet weiter. Aus dem  aktiven Dienst wurde er im Jahr 2000 entlassen, ein österreichischer Unternehmer aus dem verschlafenen Ort Kleinpertholz übernahm den ehemaligen Langstreckenjet und betrieb diesen als Flugzeugrestaurant. Weil die Besucher fehlten, verkaufte er den Flieger 2017 an Neukam.

Touristenattraktion

Nach einen mehrtägigen Straßentransport und neuer Lackierung befindet sich im Rumpf des 53 Meter langen Vierstrahlers eine Bar mit zahlreichen Sitzgelegenheiten sowie einer Diskothek, die im Ambiente der 80er-Jahre gestaltet wurden.

Die Gesamtkosten des Projekts: 2,2 Millionen Euro. Doch für Nova-Park-Geschäftsführer Josef Rock war es das Geld wert. «Chinesen, Inder, Japaner und Amerikaner kommen teilweise extra wegen unserer beiden Flugzeuge nach Graz und übernachteten in unserem Haus», berichtet er aeroTELEGRAPH.

Bald auch Simulatoren im Hotel

Ausländische Gäste kommen allerdings momentan kaum nach Graz. Das Coronavirus hat daher auch das Flugzeughotel gezwungen, zusätzliche Einnahmequellen zu finden. Es gibt eine Kooperation mit dem Grazer Flugsimulator-Zentrum Gate 08 ein, das einen Boeing 737-800 Flugsimulator betreibt. Das Start-up hat seinen Firmensitz in das Hotel verlegt, wo der Boeing-Simulator ab Dezember der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen soll. Danach sollen ein Airbus-A320- sowie Cessna-172/182-Flugsimulator folgen.



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